Antje Szillat, Zapf: Chilli, ich und andere Katastrophen

Antje Szillat, Zapf: Chilli, ich und andere Katastrophen

Was ist ein Feuerfrettchen?

Jelko hat einen Nachnamen, der dafür sorgt, dass er von seinem starken, aber nicht sehr schlauen Klassenkameraden Bert Branco ständig gehänselt und gepiesackt wird. Gut, wäre es nicht der Name, würde der Fiesling etwas anderes finden. Die meisten anderen Schüler halten sich raus, nur Lotte, die einen Stock über ihm wohnt, hält zu Jelko.

Doch eines Tages zieht ein merkwürdiges Wesen bei ihm ein: rot, mit puscheligem Schwanz wie ein Eichhörnchen. Es ernährt sich hauptsächlich von Senf und hat die Fähigkeit, sich in etwas Unauffälliges zu verwandeln, sobald jemand anderes das Zimmer betritt. Der Name: Chilli.

Chilli raubt Jelko den letzten Nerv. Schließlich stellt sich heraus, dass Chilli Wünsche erfüllen kann.

Ich schlucke und schlucke und schlucke und keuche schließlich: „Du kannst zaubern?“
Chilli nickt: „Natürlich! Was denkst du denn?“
SCHWER SCHLUCK! Denken?

Schnell lernt Jelko, dass man sehr genau aufpassen muss, wie man seine Wünsche formuliert, sonst kann das grandios danebengehen. Doch dann kommt er dahinter, dass sich ihm ungeahnte Möglichkeiten eröffnen.

Auf ihn mit Gebrüll

Mindestens seit Robin Hood kennen wir Geschichten, in denen die Ungerechten bestraft und den Schwachen geholfen wird. Nur die Umsetzung unterscheidet sich. Hier ist Jelko einer dieser Schwachen. Er wird schikaniert und schafft es nicht, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Als er es, dank Chillis Hilfe, endlich doch tut, merkt er, wie viele andere ihn dafür bewundern und zu ihm halten. Es wird offensichtlich, dass er das wahrscheinlich auch alleine hätte schaffen können, wenn er nur den Mut gehabt hätte, sich nicht alles gefallen zu lassen. Aber das ist natürlich leichter gesagt als getan.

Viele Kinder in ähnlichen Situationen werden sich wünschen, dass Chilli auch einmal bei ihnen vorbeikommt. Das Feuerfrettchen nervt zwar und pupst auch noch sehr unangenehm, aber wer würde nicht gerne mal einer fiesen Person eins auswischen? Und nachdem Jelko gelernt hat, wie er mit Chilli umgehen muss, ist es auch gar nicht mehr schlimm.

Ganz normale Typen und ein magisches Frettchen

Jelko ist ein netter Kerl, an sich relativ unauffällig, aber der Klassenfiesling hat ihn wegen seines Namens zum Opfer auserkoren. Im Handballverein dagegen ist er voll akzeptiert und mit Lotte hat er auch eine gute Freundin. Er ist also kein absoluter Außenseiter. Als er beginnt, sich gegen Branko zu wehren, merkt er, dass andere aus seiner Klasse hinter ihm stehen.

Lotte ist an sich mutiger als Jelko, aber sie hält es nicht für sinnvoll, dass dieser sich gegen Branko wehren möchte. Sie denkt, dass das nur zu mehr Ärger führen wird. Sie weiß nichts von Chilli, der sich nur Jelko zeigt, und denkt deswegen zeitweilig, dass Jelko den Verstand verloren haben muss – sehr nachvollziehbar.

Über Bert Branco ist nicht viel zu sagen. Er ist groß, stark und doof und entspricht damit dem Prototyp des Schulfieslings.

Die Eltern sind sehr überzogen gezeichnet. Der Vater nervt fürchterlich beim Handballspiel, weswegen Jelko überhaupt nicht möchte, dass er mitkommt. Und die Mutter holt ihn zum Pizzaessen ab, aber daraus wird nichts, denn sie kommen an einem Schuhladen vorbei, in dem der arme Jelko dann stundenlang herumsitzen muss. Zu essen gibt es nichts. Hm. Das soll sicher lustig sein, aber die Handlung hätte auch ohne diese Klischees funktioniert.

Chilli dagegen ist etwas ganz Besonderes. Leider ist er noch in der Ausbildung, weswegen nicht alles klappt, was er sich vornimmt. Das sorgt für besonders lustige Lesemomente. Dass alles, in das er sich verwandelt, knallrot ist, sodass Jelko ihn entdecken kann, gefällt mir gut. Kein Wunder, dass die Mutter sich über immer andere rote Einrichtungsgegenstände wundert.

Lustig und turbulent

Die Geschichte wird sehr lustig erzählt und enthält einen hohen Anteil an wörtlicher Rede. Im Comic-Stil sind lautmalerische Elemente, Emotionen und Gedanken fett gedruckt in den Text eingebaut. Das gliedert den Text optisch, wodurch er leichter zu lesen ist. Die Handlung enthält etliche überraschende Elemente, der Ausgang ist jedoch früh vorhersehbar.

Auf jeder Doppelseite ist mindestens eine lustige Schwarz-Weiß-Zeichnung. Auch das sorgt dafür, dass man gut vorankommt und auch etwas leseunlustige Kinder ein Erfolgserlebnis haben.

Fazit: Lustige Geschichte für Kinder ab 9 Jahren über einen gemobbten Jungen, der Unterstützung von einem magischen Wesen bekommt, wobei aber das eine oder andere schief geht. Aufgrund der Gestaltung ist das Buch auch für eher lesefaule Kinder geeignet.

Antje Szillat, Zapf: Chilli, ich und andere Katastrophen. Schneider 2019. 160 Seiten, Euro 10,00, ISBN 978-3-505-14234-5.

Ich habe schon einige Bücher von Antje Szillat besprochen, zum Beispiel Fabelhafte Feline. Auch über Bücher, die von Zapf illustriert wurden, habe ich schon häufiger gesprochen. Passend für diese Altersgruppe wäre zum Beispiel Spackos in Space.

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