James Krüss: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen

James Krüss: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen

Wie lebt es sich ohne Lachen?

Viele von uns Erwachsenen verbinden Timm Thaler mit der Weihnachtsserie von 1979, in der Tommy Ohrner die Hauptrolle spielte. Viele werden damals auch das Buch gelesen haben. Nun ist die Geschichte neu verfilmt worden, deswegen ist ein Buch zum Film herausgekommen, das auch Filmbilder enthält. Außerdem gibt es ein Hörspiel zum Kinofilm.

„Wenn ich sehr viel Geld hätte“, dachte er unter dem Herumirren, „dann würde ich eine große Wohnung mit einem eigenen Zimmer für mich mieten, und Erwin bekäme jeden Tag Taschengeld von mit, und die Mutter könnte einkaufen, was sie wollte.“ Aber das war ein Traum, und Timm wusste es.
Ohne sich dessen bewusst zu sein, war er jetzt unterwegs zur Pferderennbahn, die er an den glücklichen Sonntagen mit seinem Vater zusammen besucht hatte, als der Vater noch lebte.

Die Handlung dürfte vielen bekannt sein:
1920er-Jahre. Timm Thalers Mutter stirbt, als er noch klein ist. Sein Vater heiratet erneut, von seiner Stiefmutter und seinem Stiefbruder wird er sehr ungerecht behandelt und auch in der Schule versteht niemand, dass er keinen Platz zum Lernen und Hausaufgabenmachen hat. Das Schönste sind für ihn die Sonntage, die er mit seinem Vater auf der Pferderennbahn verbringt, obwohl er sich für die Pferde nicht interessiert. Aber er kann mit seinem Vater zusammen sein. Obwohl er es im Leben nicht leicht hat, lacht er gerne, viel und ansteckend.
Doch dann stirbt auch sein Vater. Ein merkwürdiger Mann, der Baron Lefuet (von hinten gelesen Teufel), den er von der Rennbahn kennt, bietet ihm ein Geschäft an: Timm soll ihm sein Lachen verkaufen, danach wird er bei jeder Wette gewinnen. Timm geht darauf ein und stellt fest, dass es wahr ist. Er wird reich, aber nicht glücklich. Vor allem darf er niemandem von dem Geschäft erzählen, weshalb seine Freunde nicht verstehen, warum er sich so merkwürdig verhält. Timm versucht, sein Lachen zurückzubekommen.

Geld allein macht eben nicht glücklich

Die Geschichte macht sehr deutlich, dass Geld allein nicht glücklich macht. Viel wichtiger sind Freunde, die Timm zum Glück beistehen.

Beim Buch handelt es sich um den Originaltext von James Krüss. Dort gibt es eine Rahmenhandlung, die im Hörbuch (und daher wohl also auch im Film) nicht vorkommt. Auch die Handlung unterscheidet sich, die Weltreise aus dem Buch beispielsweise kommt im Hörbuch ebenso wenig vor wie einige Personen oder andere Handlungsstränge. Die Sprache ist etwas altmodisch, aber auch für Kinder gut verständlich. Da die Geschichte Anfang 19. Jahrhunderts spielt, versetzt sie den Leser in diese Zeit.

Gut gefällt mir, dass die Handlung für Film und Hörbuch nicht modernisiert wurde, sie spielt nach wie vor in den 1920er-Jahren. Doch ansonsten wurde einiges verändert, so spielt Timms Freundin Ida eine wichtige Rolle, statt auf einem Schiff arbeitet Timm in einem Hotel usw. Ich muss dennoch sagen, dass ich das Hörbuch gelungen finde. Vor allem diejenigen, die das Original nicht kennen, werden an der spannenden Geschichte ihren Spaß haben. Überzeugende Sprecher, nicht aufdringliche Hintergrundmusik und gelungen eingesetzte Hintergrundgeräusche sorgen dafür, dass das Zuhören kurzweilig und ein Vergnügen ist.

In die spannende Handlung ist geschickt Kritik an den damals herrschenden Verhältnissen eingebaut, zum Beispiel an der finanziellen Lage der Familien, der schlechten Wohn- und Arbeitssituation, fehlendem Versicherungsschutz, Kapitalismus etc. Das aber, ohne die Geschichte zu dominieren. Im Vordergrund steht immer Timm bei seinem Kampf, sein Lachen wieder zurückzubekommen.

Fazit: Eine nach wie vor spannende und lesenswerte Geschichte für Kinder ab 10 Jahren, deren Hörbuchumsetzung ebenfalls gelungen ist.

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Buch: James Krüss: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen. Oetinger 2017. 338 Seiten, 16 Seiten Filmbilder, Euro 12,99, ISBN 978-3-7891-0448-0.

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Hörbuch: James Krüss: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen. Oetinger audio 2017. 1 CD, 83 Minuten, Euro 7,99, ISBN 978-3-8373-0962-1.

Sprecher: Volker Hanisch, Arved Friese, Jule Herrmann, Justus von Dohnányi, Charly Hübner, Nadja Uhl, Bjarne Mädel, Axel Prahl, Andreas Schmidt, Fritzi Haberlandt (Im Booklet wurde ausgerechnet der Sprecher von Timm vergessen …)

Zur Verlagsseite Buch/Hörbuch – bei Amazon Buch/Hörbuch – bei Buch7.de Buch/Hörbuch – im Onlineshop eurer Buchhandlung – und in jeder Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für die Rezensionsexemplare.

Im Wald Tiere entdecken

Im Wald Tiere entdecken

Ein aufregender Tag im Wald

Isabella und ihr Bruder Max sind zu Besuch bei ihrem Onkel Tobias, der Revierförster ist. Er hat ihnen versprochen, dass sie ihn einen Tag lang im Wald begleiten dürfen. Dafür müssen sie sehr früh aufstehen und erst einmal ziemlich weit laufen. Die Geräusche, die sie in der Dämmerung hören, klingen ein wenig gruselig. Das muss bestimmt ein großes Tier sein! Aber die Auflösung ist überraschend. Schließlich kommen sie am Hochsitz an, wo sie erst einmal frühstücken und viele Tiere beobachten. Schließlich finden sie eine verletzte Bache. Oh je, wie soll man an so ein Wildschwein denn herankommen? Doch Onkel Tobias weiß eine Lösung …

Viele Geräusche schaffen es, eine authentische Waldstimmung zu erzeugen, sodass man glauben könnte, man wäre mit den Geschwistern und ihrem Onkel im Wald unterwegs. Durch die Informationen, die Onkel Tobias gibt, lernen die kleinen Zuhörer viel über die Tiere im Wald: Ameisen, Kreuzspinnen, Igel, Waldkauz, Kaninchen, Rehe, Hirsche, Wildschweine … Das Ganze mündet in ein spannendes Abenteuer mit der verletzten Bache und ihren niedlichen drei Frischlingen.

Die Informationen werden auf sehr kurzweilige Art vermittelt. Auch die Sprecher (alles Erwachsene, wenn ich das richtig sehe) sind überzeugend – zumindest, solange man nicht über das Alter der Kinder nachdenkt. Max klingt wie ein Teenager, das würde auch zu seiner anfangs muffeligen Haltung wegen des frühen Aufstehens passen. Und auch Isabella, die manchmal etwas altklug klingt, hätte ich für mindestens 10 Jahre gehalten. Auch auf dem Cover sind die Kinder nicht mehr klein. Doch am Ende trägt der Onkel die Kinder die Treppe hoch ins Bett und sie sind so müde, dass sie sich nicht einmal mehr waschen können. Da kommen sie mir doch plötzlich viel jünger vor. Das funktionierte für mich nicht richtig.

Statt einem Booklet gibt es ein Ausmalheft mit Waldtieren, auch ein Bild von Isabella, Max und Onkel Tobias auf dem Hochsitz ist dabei. Das finde ich sehr gelungen, denn vielen Kindern macht es viel Spaß, beim Zuhören zu malen. Wenn dann die Bilder zur Geschichte passen, ist das natürlich besonders schön.

Fazit: Lehrreiche und dennoch spannende Geschichte über das Leben im Wald für Kinder ab 4 Jahren.

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Im Wald Tiere entdecken. Amor 2016. 1 CD, 45 Minuten, Euro 7,49, ISBN 978-3944063843.

Sprecher: Aischa-Lina Löbbert, Marina Mehlinger, Malte Müller, Luca Zamperoni, Marcel Eid und Chris Nonnast.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – bei Buch7 – beim Onlineshop eurer Buchhandlung – und in der Buchhandlung um die Ecke.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Was ist was Weltatlas

Was ist was Weltatlas

Wissenswertes rund um unsere Erde

Der große Weltatlas von WAS IST WAS enthält eine Vielzahl von Informationen, die weit über ein reines Kartenwerk hinausgehen.
Dank eines Farbleitsystems können sich die Kinder gut darin zurechtfinden. Auf der Weltkarte zu Beginn sind den Kontinenten Farben zugeordnet, die sich im Verlauf des Buches immer wiederfinden. Schon dort findet man auch die Seitenzahlen, ab denen man weitergehende Informationen zu den Kontinenten erhält. Dann wird erklärt, wie man sich im Atlas zurechtfindet. Es gibt jeweils physische und politische Kontinent- und Regionenkarten sowie Meereskarten. Die Maßstäbe variieren. Die Karten sind jeweils auf der rechten Seite, dazu gibt es links es immer jede Menge Fakten und sogenanntes „Angeberwissen“.
Doch bevor es mit den Karten losgeht, gibt es noch allerhand Zusatzinformationen, zum Beispiel darüber, wie Landkarten entstehen und welche Arten von Karten es überhaupt gibt, wo die Erde im All zu verorten ist, wie die Erde aufgebaut ist, über Plattentektonik, Zeitzonen, Klimazonen und Klimawandel.

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Zum Abschluss gibt es noch ein Länderlexikon, in dem alle Ländern, geordnet nach Kontinenten, von A bis Z in kleinen Kästchen aufgeführt werden. Abgebildet ist die Flagge, dazu gibt es übersichtlich Informationen zu Fläche, Einwohnern, Hauptstadt, Amtssprache, Währung und Hauptreligionen.

Tiefster Ort hingegen ist Neuendorf in Schleswig-Holstein; er liegt 3,54 Meter unter dem Meeresspiegel.

Der Atlas wird vom Verlag für Kinder ab 8 Jahren empfohlen. Ich bin aber der Meinung, dass die Texte für Grundschüler teilweise doch ziemlich anspruchsvoll sind. Wenn sich ein Kind allerdings sehr für diese Themen interessiert und ein wenig Vorwissen mitbringt, ist das natürlich etwas anderes. Der Atlas eignet sich aber auch deshalb nicht als Grundschulatlas, weil es für Deutschland, Österreich und die Schweiz zwar zusätzliche Übersichtsseiten gibt, die die Bundesländer bzw. Kantone zeigen und Informationen wie Fläche, Einwohner und Landeshauptstadt geben, die Bundesländer aber nicht einzeln mit Städten, Flüssen, höchsten Bergen etc. abgebildet werden.

Die Farben der Flaggen sind dagegen eher ähnlich. Das liegt daran, dass die Farben oft eine symbolische Bedeutung haben. Weiß steht häufig für Frieden, Blau für Himmel und Meer, Rot dagegen für die Abendsonne und Blut. Aufgrund der Verbindung von früheren Kriegen und dem Blut, das dabei vergossen wurde, ist Rot die meistverwendete Farbe bei Flaggen.

Für Kinder ab 10 Jahren finde ich den Atlas aber klasse. Er kann als Nachschlagewerk für den Schulunterricht dienen, vor allem aber Interessierten viele spannende Informationen verschaffen. Sehr gut gefällt mir, dass er in viele Regionen eingeteilt ist, die gleichberechtigt vorgestellt werden, z. B: in Europa Norwesteuropa, Nordeuropa, Beneluxländer, Westliches Mitteleuropa, Osteuropa, Südwesteuropa, Südeuropa Mitte, Mittelmeer, Südosteuropa. Das wird auch bei den anderen Kontinenten durchgezogen. Ich glaube, ich hatte noch nie einen Atlas, in dem die USA auf fünf Karten aufgeteilt war (und jede davon politisch und physikalisch).

Fazit: Sehr viele Fakten zu allen möglichen Themen rund um unsere Erde und die Länder, übersichtliche Karten, ansprechend und peppig aufbereitete Informationen machen den Atlas nicht nur zu einem tollen Nachschlagewerk, sondern verführen auch zum Schmökern.

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Manfred Baur: Was ist was Weltatlas. Tessloff 2016. 80 Karten, 232 Seiten, Euro 24,95, ISBN 978-3-7886-2187-2.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – bei Buch7 – im Onlineshop eurer Buchhandlung – und in jeder Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Nikola Huppertz: Mein Leben, mal eben

Der gute Vorsatz: normal sein

Am letzten Ferientag der Sommerferien beschließt Anouk, ihr Leben zu ändern. Sie will endlich dazugehören. Das bedeutet, normale Klamotten zu tragen und nicht irgendwelche ungewöhnlichen Kleidungsstücke, die ihre Mutter als Opernkostüme näht. Das bedeutet, nicht mehr Metal zu hören, sondern Pop. Und das bedeutet, dieses blöde Spiel auf ihrem Computer zu installieren, weil die anderen Mädchen sie sicher wieder nach ihrer virtuellen Familie fragen werden. Aber alle Vorsätze gehen schief: Das T-Shirt-Geld geht für CDs drauf (Metal, klar), also muss sie ein auffälliges Wickeloberteil anziehen, und der Computer schafft die Installation nicht. In der Wartezeit beginnt Anouk, am Computer Tagebuch zu schreiben: Mein Leben mal eben.

Heute Morgen habe ich mir Punkt 5 meiner Liste vorgenommen und mich geschminkt.
Eyeliner,
Kajal,
Wimperntusche.
Es war sehr schwierig, ich hab ungefähr zehn Versuche gebraucht, bis ich nicht mehr aussah wie ein Zombie. Aber weil ich schon um zwanzig nach vier aufgewacht war, hatte ich noch viel Zeit zum Frühstücken.

Zwei Mütter, ein Vater und ein großes Durcheinander

Anouk hat es wirklich nicht leicht. Sie lebt mit zwei Müttern, hat aber an sich auch ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater, dem Samenspender. Sie findet das alles okay, möchte aber natürlich trotzdem nicht, dass die anderen tuscheln und sie als Lesbe bezeichnen. Eigentlich hat sie auch nicht die geringste Lust, so zu sein, wie die anderen Mädchen, aber andererseits wünscht sie sich sehnlichst eine Freundin. Vielleicht könnte es das neue Mädchen werden, das in ihre Klasse kommt? Aber Missgeschick jagt Missgeschick. Und dann ist dann noch der neue Junge in der Klasse, der genauso ein Außenseiter ist wie sie, den sie aber trotzdem manchmal ganz cool findet.

Hell yeah!

Irrungen, Wirrungen

Ich hatte sehr, sehr viel Spaß beim Lesen dieses Buches. Als Tagebuch geschrieben, erfahren wir Leser alles nur aus Anouks Sicht. Anouk ist sehr sympathisch, aufgeweckt, aber auch verwirrt, weil sie noch nicht so recht weiß, wo ihr Leben hingehen soll. Das heißt, insgeheim weiß sie es schon, aber im Moment wäre es ihr wichtiger, ein akzeptiertes Mitglied der Klassengemeinschaft zu sein. Ihr Versuch, eine Freundschaft mit dem neuen Mädchen anzubahnen, muss zahlreiche Höhen und Tiefen durchlaufen, ebenso wie ihre Beziehung zu Kumpel Moritz. Das ist alles so lebendig und oft lustig geschildert, dass ich viel lachen musste. Selbst in dramatischen Momenten konnte ich mir öfter ein Schmunzeln nicht verkneifen. Obwohl Anouks Lebensverhältnisse sich sehr vom Durchschnittsjugendlichen unterscheiden, sind ihre Unsicherheit, ihre Suche nach ihrer Persönlichkeit und ihre Gefühlsverwirrungen so normal, dass sich die meisten Leser gut in sie hineinversetzen werden können.

Moritz ist irgendwie ein schräger Typ, den ich meist sympathisch, aber zwischendurch auch recht egoistisch fand. Lore bleibt relativ blass, auch wenn ihre Lebenssituation am Ende noch eine wichtige Rolle spielt. Die beiden Mütter und Anouks Vater sind richtige Originale, einerseits sind alle drei recht cool und locker, aber ich konnte auch gut nachvollziehen, dass sie für Anouk oft anstrengend und manchmal nervig sind.

Ein paar Sachen habe ich gestern genau so gemacht, wie es auf meiner Liste steht:

  • Ich habe nicht in meinem Zimmer gehockt.
  • Ich habe nicht in meinen Büchern gelesen.
  • Ich hab mehr Zeit für alles andere.

Das Tagebuch lässt sich super lesen. Anoul schreibt jugendlich locker in ihrer Sprache, manchmal durchaus etwas sprunghaft, aber immer nachvollziehbar. Manchmal hat sie auch sehr tiefgründige Gedanken über das Leben im Allgemeinen und ihr Leben im Besonderen. Da Anouk Listen liebt, die sie abarbeiten will, finden sich immer mal wieder welche im Buch. Manches ist auch typografisch hervorherhoben. Immer wieder kommentiert sie ihre Erlebnisse metaltypisch mit „Hell no!“ oder „Hell yes!“.

Fazit: Anpassen oder zu seiner Persönlichkeit stehen? Freunde um jeden Preis? Metal oder Pop? Anouk muss sich über ihr Leben klarwerden und lässt die Leser ab 12 Jahren an ihrem Gefühlschaos teilhaben.

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Nikola Huppertz: Mein Leben, mal eben. Coppenrath 2017. 256 Seiten, Euro 12,99, ISBN 978-3-649-66990-6.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Petra Mattfeldt: Multiversum 2. Die Rückkehr

Petra Mattfeldt: Multiversum 2. Die Rückkehr

Unterwegs im Mittelalter einer parallelen Welt

Als Jugendlicher war Tom für einige Zeit in ein paralleles Universum geraten (zur Rezension von Multiversum 1). Dieses faszinierende Erlebnis hat er nie vergessen. Als er die Schule beendet, bekommt er eine Ausbildung beim MI6 angeboten. An seinem ersten Arbeitstag als Agent wird er einem Team zugewiesen und ist gespannt darauf, seine neuen Kollegen kennenzulernen. Doch dann läuft alles nicht so geruhsam ab wie geplant: Wegen eines Zwischenfalls muss er gleich am nächsten Tag wieder nach Old Sarum reisen. Es gilt, eine alte Urkunde, die Magna Carta, im Sinne der Gegenwart zu verändern. Tom trifft alte Bekannte wieder, erkennt, welche schwerwiegende Auswirkungen ihre Handlungen bei ihrem ersten Besuch hatten, hat aber auch viele Gefahren zu überwinden. Irgendjemand scheint nicht mit offenen Karten zu spielen.

„Gib dein Bestes. Die haben keine vernünftige Musik hier im Mittelalter“, scherzte er. „Also will ich hier nicht ewig festsitzen.“

Tom ist seit seinen ersten Erlebnissen in Old Sarum erwachsen geworden. Er hat viel gelernt und ist körperlich durchtrainiert. Und er hat einen wichtigen Auftrag zu erfüllen. Also kann er auch nicht so ungezwungen und spontan handeln wie bei seinem ersten Auftrag. Er ist in eine Hierarchie eingebunden und muss Befehle befolgen, auch wenn er zwischenzeitlich am Sinn der Aktion zweifelt und auch mit seinen Gefühlen Probleme bekommt.

Der zweite Band ist deutlich kürzer als der erste, der Aufenthalt in Old Sarum ist aber ähnlich lang, nur die lange Vorgeschichte fällt weg. Die mittelalterliche Welt ist wieder überzeugend dargestellt. Sehr interessant fand ich zu sehen, welche Folgen das Handeln während des ersten Besuches auf die beiden Städte hatte – ein durchaus nachvollziehbares Was-wäre-wenn. Die eigentliche Handlung ist spannend, wobei es mir nicht so gut gefallen hat, dass Tom nun in eine Befehlskette eingebunden ist. Was die Sache aber wieder sehr spannend macht ist die Entdeckung, dass er und sein Team nicht die Einzigen aus der Zukunft des Paralleluniversums sind, die sich gerade in Old Sarum aufhalten. Dass niemand weiß, wer wohin gehört, bringt zusätzliche Spannung.

Insgesamt hat dieser Band alles, was eine gute Geschichte braucht: Spannung, ein kleines bisschen Liebe, eine gut durchdachte Welt, sympathische Protagonisten und fiese Antagonisten, überraschende Wendungen … Ich habe das Buch mit Vergnügen gelesen und wurde gut unterhalten.

Fazit: Spannende Fortsetzung, die in ein paralleles Universum entführt, für Leserinnen und Leser ab 12 Jahren.

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Petra Mattfeldt: Multiversum 2. Die Rückkehr. Buntstein 2016. 192 Seiten, Euro 9,99, ISBN 978-3-95669047-1.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Mähne putzt Zähne

Mähne putzt Zähne

Auch Löwen müssen Zähne putzen

Jeden Abend, kurz vor acht,
heißt’s für Mähne Gute Nacht.

Auf sechs Doppelseiten wird in Reimform das allabendliche Zubettgeh-Ritual des kleinen Löwen geschildert. Er klettert auf seinen Zahnputzhocker, drückt Zahncreme auf die Bürste, zieht ein paar Grimassen, um an jeden Zahn zu gelangen und putzt seine Zähne. Am Ende, nachdem er die Zahnpasta ausgespuckt hat, schaut er sich im Spiegel an.

Zähneputzen ist kein Drama …

… das können die Kinder beim kleinen Löwen beobachten. Er diskutiert nicht herum, sondern macht brav, was getan werden muss. Dabei ist immer auch noch das Zebra im Bild, das ebenfalls seine Zähne putzt. Die kleinen Zweizeiler sind sehr eingängig und können von den Kindern schnell mitgesprochen werden. Am Ende können sie mit Mähne in den Spiegel schauen. Das Buch besteht aus wirklich robusten Pappseiten, aber mit etwas Mühe lässt sich die letzte Seite etwas biegen, sodass aus dem Spiegel ein Zerrspiegel wird, was zusätzlich Spaß macht, wie ich finde.

Die beiden Protagonisten Mähne und das Zebra wirken sympathisch, Mähne hat ein breites Grinsen. Das Titelbild hat einen Schieber, mit dessen Hilfe man Mähnes Maul weit öffnen kann, damit er mit der Zahnbürste überall hinkommt. Der Schieber ist an sich sehr leichtgängig, wenn man etwas schräg schiebt, hakelt es allerdings ein wenig. Die Bilder sind farbenfroh und wirken fröhlich. Es gibt auf jeder Seite ein paar nette Details zu entdecken, aber ohne dass das Bild überfrachtet wirkt.

Achtung, Maul auf, dann geht’s los,
der Schaumberg ist bald riesengroß.

Fazit: Ein gelungenes erstes Bilderbuch übers Zähneputzen für Kinder ab 2 Jahren.

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Martina Badstuber, Katja Richert: Mähne putzt Zähne. Mein Spielbuch mit Spiegel. Coppenrath 2017. 14 Seiten, Euro 7,99, ISBN 978-3-649-62269-7.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Yayo Kawamura: Pepe & Milli müssen mal

Yayo Kawamura: Pepe & Milli müssen mal

Es ist dringend!

Der kleine Hund Pepe und die kleine Katze Milli spielen auf dem Spielplatz, als Milli plötzlich ganz dringend muss. Aber die Toilette ist kaputt, hinterm Busch wachsen Brennnesseln und der Strohballen kullert einfach davon. Aber zum Glück hat Pepe eine Idee. Endlich!

„Ach, was mach ich nur?“, seufzt Milli.
Sie kann es kaum noch aushalten.

Kein Klo in Sicht

Das kennt jeder, oder? Man muss ganz dringend, aber es gibt kein Klo weit und breit. Der Junge stellt sich mal schnell an den Baum, aber das Mädchen weiß nicht, was es machen soll. Dieses Dilemma greift das Bilderbuch mit den dicken Pappseiten schön auf. Viele Klappen und Schieber machen Spaß. Da verschwindet die Limo aus Millis Flasche, während sie trinkt und man kann den Strohballen davonkullern lassen. Das ist alles leicht zu bedienen und sehr robust. Einzig bei der Tür zum Klohäuschen befürchte ich, dass sie bei rabiater Bedienung nicht ewig durchhält. Das passt dann aber auch wieder, denn die Toilette ist ohnehin defekt.

Es grollt.
Eine dicke graue Wolke hängt am Himmel.
„Die muss wohl auch mal!“, lacht Milli.

Das Thema Pipimachen wird hier sehr nett und mit einem kleinen Augenzwinkern umgesetzt. Nicht einmal das Händewaschen wird vergessen, als Milli und Pepe nach Hause kommen. Dass man dort noch das große Geschäft Pepes wegspülen darf, während es beim kleinen Vogel danebengeht („Nicht schlimm“) rundet das Thema gelungen ab.

Der Text beschränkt sich auf wenige kurze Sätze pro Doppelseite, die Illustrationen sind sind nicht überfrachtet, flächig und mit leuchtenden Farben.

Fazit: Schön gestaltetes Bilderbuch zum Thema Pipimachen mit Mitmachmöglichkeiten auf jeder Seite für Kinder ab 18 Monaten.

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Yayo Kawamura: Pepe & Milli müssen mal. Coppenrath 2017. 16 Seiten, Euro 9,99, ISBN 978-3-649-62265-9.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.