Literaturverfilmung: Nebel im August

Mit Gewinnspiel zur Verfilmung des Buches von Robert Domes 

Vom Planwagen ins NS-Erziehungsheim

Der vierjährige Erich liebt das freie Leben seiner Eltern. Sie reisen mit einem Planwagen umher, der Vater verkauft Schnürsenkel, Knöpfe und ähnliche Waren. Doch das Umhereisen ohne festen Wohnsitz ist 1934 bei den Behörden nicht gerne gesehen. Und so fährt die Familie zurück nach Augsburg und sucht sich eine Wohnung, damit das jüngste Kind dort geboren und eingetragen werden kann. Doch die Zustände in der Wohnung sind sehr schlecht, der Vater verdient kein Geld, die Mutter leidet an Lungentuberkulose und Ernst und seine drei kleinen Geschwister müssen hungern. Eines Tages, der Vater ist wieder einmal auf Reisen, werden die Kinder von der Fürsorge abgeholt. Die drei kleinen Geschwister kommen in ein Säuglingsheim und Ernst in ein Kinderheim – vermeintlich nur so lange, wie die Mutter im Krankenhaus ist. Im Heim herrschen strenge Sitten und Ernst lernt zu stehlen, um die Forderungen der älteren Jungs zu erfüllen. Weil ihm das nicht abzugewöhnen ist, kommt er zuerst in ein nationalsozialistisches Erziehungsheim, danach in eine Heil- und Pflegeanstalt für körperlich und geistig Behinderte in Kaufbeuren und schließlich in eine Nebenstelle, wo die schlimmsten Fälle untergebracht sind, obwohl er völlig gesund ist. Er wird als Asozial und als Zigeuner kategoriesiert, wogegen er sich wehrt, da er ein Jenischer ist. Im Alter von knapp 15 Jahren wird er im Rahmen des Euthanasieprogramms getötet.

Ernst Lossa (Ivo Pietzcker, links) mit Christian Lossa (Karl Markovics, rechts)

Ernst Lossa (Ivo Pietzcker, links) mit Christian Lossa (Karl Markovics, rechts)

Eine wahre Geschichte

Ernst Lossa hat es wirklich gegeben. Seine Geschichte wurde, vor allem anhand alter Akten, rekonstruiert. Sie wird aus seiner Sicht erzählt, weshalb man als Leser sehr schnell eine Beziehung zu dem Jungen aufbaut und sich gut in ihn hineinversetzen kann. Ich habe ihn ins Herz geschlossen, obwohl ich den Ärger, den seine Handlungen bei den Heimverantwortlichen auslösen, verstehen kann. Nicht nachvollziehbar sind aber aus heutiger Sicht die völlig überzogenen Reaktionen, die letztlich nur darauf hinauslaufen, den „Zigeuner“ und Asozialen loszuwerden, obwohl es viele Menschen gibt, die den Jungen mögen.

Normal – Ernst spuckt von seinem Hochsitz runter. Ist vielleicht der Faltlhauser normal? Der den Kindern über den Kopf streichelt und sogar mit ihnen spielt und ihnen hinterher eine Spritze geben lässt. Oder dieser lächerliche Frick, der in seiner Uniform durch die Anstalt stelzt und die Küchenschwestern anscheißt, weil sie Knochen in die Wassersuppe tun. Und dem es nichts ausmacht, dass auf den Stationen die Leute halb verhungern und bei den Nonnen um einen Kanten Brot betteln. Oder der Heichele, der heimlich Tabletten in Himbeerwasser auflöst und den Kindern zu trinken gibt. Oder die Pauline, die immer so süßlich tut und nachts die Frauen auf ihrer Station totspritzt.

Das Schicksal eines jenischen Jungens

Erichs Bericht macht nicht nur die Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Systems sehr deutlich, sondern auch das Unverständnis des kleinen Jungens mit den Dingen, die ihm passieren. Jahrelang hofft er darauf, dass seine Eltern bzw. sein Vater ihn aus dem Waisenhaus herausholen. Er möchte nichts weiter, als wieder frei über das Land zu ziehen wie früher. Obwohl er hört, dass die Nazis Landfahrer nicht mögen, versteht er nicht die Tragweite davon. Ernst kämpft sich durchs Leben, aber er kann es nicht lassen zu stehlen oder zu protestieren, wenn er wieder einmal als Zigeuner bezeichnet wird. Er bekommt keine Liebe, hat keinen Besitz, aber er schnappt sich alles, was er in die Finger bekommt, versteckt die Sachen und schaut sie sich immer wieder an.

Das Buch geht unter die Haut, und ich bin mir sicher, dass das der Film, der am 29. September anläuft, die gleiche Wirkung haben wird. Der Trailer jedenfalls berührt mich sehr.

Buch und Film arbeiten ein Kapitel der deutschen Geschichte auf, das bisher wenig beachtet wurde: den Umgang der Nationalsozialisten mit Sinti, Roma und Jenischen. Gleichzeitig erfährt man aber auch viel über den Umgang mit körperlich oder geistig Behinderten, wozu die Nationalsozialisten alle zählten, die irgendwie von der Norm abweichen, und das Euthanasieprogramm. So durfte für das Essen der nicht mehr Arbeitsfähigen keinerlei Fett verwendet werden, sodass diese nach und nach verhungerten. Ärzte, Pfleger und Schwestern, die doch eigentlich Kranken helfen sollten, machten sich zum Handlanger des Staates und töteten.

In einem Nachwort erklärt der Autor, wie er an die Informationen gekommen ist, die diesem Buch und somit auch dem Film zugrundeliegen. Eine Zeittafel listet alle wichtigen Ereignisse aus Ernsts Leben auf und stellt sie den historisch wichtigen Daten gegenüber. In einem Glossar werden jenische Wörter und nationalsozialistische und andere schwierige Begriffe erklärt.

Das Buch Nebel im August ist ab 12, der Film ebenfalls ab 12 Jahren freigegeben. Sicherlich keine leichte Kost, aber, da hier Geschichte am Schicksal eines Jungen geschildert wird, eine gute Methode, die Grausamkeiten des nationalsozialistischen Staats deutlich zu machen.

GEWINNSPIEL:
Nebel im August läuft am 29. September an. Ich verlose 2 Freikarten und ein Exemplar des Filmbuchs.
Dafür mir mir bitte in den Kommentaren bis zum 28.09. um Mitternacht ein jenisches Wort mit seiner Übersetzung ins Deutsche (Tante Google hilft). Und bitte nicht alle dasselbe😉

Am 29.09. gebe ich die Gewinnerinnen und Gewinner bekannt.
Viel Glück!

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Robert Domes: Nebel im August. Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa. Mit zahlreichen farbigen Filmfotos. cbj 2016. 352 Seiten, Euro 9,99, ISBN 978-3570403280

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – in jeder Buchhandlung – weitere Informationen zum Film

Filmcast: Ivo Pietzcker („Jack“) als Ernst Lossa, Sebastian Koch („Das Leben der Anderen“), Thomas Schubert („Atmen“), Fritzi Haberlandt („Die Libelle und das Nashorn“), Henriette Confurius („Die geliebten Schwestern“), Branko Samarovski („Das weiße Band“), David Bennent („Michael Kohlhaas“, „Die Blechtrommel“), Jule Hermann („Till Eulenspiegel“) und Karl Markovics („Die Fälscher“).

Regie: Kai Wessel, Drehbuch: Holger Karsten Schmidt, Kamera: Hagen Bogdanski, Produktion: Ulrich Limmer

Ab 29. September im Kino.

Uwe Becker: Zipfelmaus sucht den Apfelräuber

Wer ist der Dieb?

Zipfelmaus und seine Freunde staunen: Jemand frisst die Äpfel direkt vom Baum und lässt die ganzen Kerngehäuse hängen! Und das massenweise. Das darf doch nicht wahr sein! Was ist, wenn der Spitzmaus nun nicht genug Äpfel bleiben, um leckeren Apfelsaft für alle daraus zu machen? Also überlegen die Freunde, was sie tun können, um den Dieb zu erwischen. Sie legen sich auf die Lauer und machen eine verblüffende Entdeckung: ein Gespenst! Oder ist das doch ein Tier?

„Aber was sollen wir denn tun“, fragte Flop. „Wir können den Apfelbaum doch nicht Tag und Nacht bewachen.“
„Stimmt. Jedenfalls nicht wir vier alleine!“ Flip baut einen Turm aus den Kerngehäusen.

Exotischer Räuber

Gleich zu Anfang des Buches werden die Zipfelmaus und ihre Freunde in Wort und Bild vorgestellt, sodass die Leser sich die wichtigsten Protagonisten gut vorstellen können: Fledermaus Shakira und ihre Hummel Fiffi, der Maulwurf, die Siebenschläfer Flip und Flop, die Spitzmaus, die eine Spelunke betreibt, die böse Schwarzekatze, die es auf Zipfelmaus abgesehen hat, und Cora, die behauptet, weder ein Regenwurm noch eine Schlange zu sein, sondern eine Echse. Dabei hat sie gar keine Gliedmaßen!

Zipfelmaus ist das mit der Eidechse nicht ganz geheuer. Eidechsen haben Arme und Beine und sind blitzschnell. Aber Cora? Ohne alles? Und dann auch noch blind? Beziehungsweise mit dieser riesigen Brille?

Viel wörtliche Rede, kindgerechte Sprache, lustige Schwarz-Weiß-Bilder von Ina Krabbe auf jeder Doppelseite und größere Schrift sorgen dafür, dass die Nachwuchsleser vorankommen und so Erfolgserlebnisse haben. Vor allem ist aber die Geschichte so niedlich und spannend, ohne zu aufregend zu sein, dass die Kinder unbedingt herausfinden wollen, wer nun der Apfeldieb ist. Jedes der Tiere versichert glaubhaft, die Äpfel nicht am Baum hängenzulassen, wenn es sie isst. Und dann tauchen auf einmal Gespenster auf. Nein, keine echten Gespenster, aber sie sehen so aus. Die Auflösung ist nicht nur verblüffend, sie bringt auch gleich ein neues Problem mit sich, das die Freunde lösen müssen – was ihnen auch gelingt. Dabei kommt es zu einigen lustigen Situationen, in denen die griesgrämige Schwarzekatze eine große Rolle spielt.

Fazit: Spannende Tiergeschichte für Leseanfänger um liebenswerte Tiere und einen exotischen Apfeldieb.

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Uwe Becker, Ina Krabbe: Zipfelmaus sucht den Apfelräuber. Südpol 2016. 92 Seiten, Euro 8,99, ISBN 978-3-943086-33-1.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Aimée Carter: Animox. Das Heulen der Wölfe

Ein Junge, der mit Tauben redet

Simon wird von seinen Klassenkameraden für einen Idioten gehalten und gemobbt, weil sie ihn dabei erwischt haben, wie er mit Tieren sprach. Seitdem ist die Schule ein einziger Horror für ihn. Doch er kann wirklich mit Tieren reden und fragt sich, was mit ihm los ist. Er wächst bei seinem Onkel auf, sein Vater ist tot und seine Mutter, die er sehr vermisst, kommt aus beruflichen Gründen nur sehr selten vorbei. Doch dann passieren merkwürdige Dinge: Ein Adler landet vor seinem Zimmerfenster, sein Onkel verwandelt sich in einem Wolf, Tauben und Ratten bekämpfen sich und schließlich erfährt er, dass er keineswegs der einzige Mensch mit dieser Fähigkeit ist, sondern dass es viele davon gibt. Plötzlich ist Simon in großer Gefahr.

Ungewöhnliche Fähigkeiten

Simon ist ein sympathischer Kerl, der den Lesern erst einmal leid tut, weil er so fies behandelt wird. Doch dann beginnt eine überstürzte Flucht, in deren Verlauf er ein wenig darüber erfährt, wer er eigentlich ist. Nach und nach kann er sich manches Ereignis der Vergangenheit erklären, aber die Masse an neuen Informationen ist einfach überwältigend. Simon muss wichtige Entscheidungen fällen, ohne das nötige Hintergrundwissen zu haben. Auch der Leser weiß nicht, was richtig wäre. Und so kommt es, dass nicht nur Simon den einen oder anderen Protagonisten falsch einschätzt, auch der Leser tut es, und zwar mehrfach. Die Handlung, die immer wieder überraschende Wendungen nimmt, ist also in weiten Teilen nicht wirklich vorhersehbar, was für Spannung sorgt.

Wer (oder was) steckt hinter der Fassade?

Die Grundidee, Menschen mit besonderen Fähigkeiten zusammenzubringen, die miteinander rivalisieren, ist zwar nicht neu, doch hier interessant und spannend umgesetzt. Jeder Protagonist scheint ein Geheimnis zu verbergen, niemand mit offenen Karten zu spielen. Die besonderen Fähigkeiten, über die ich nicht zu viel verraten möchte, sorgen für überraschende Möglichkeiten und interessante Effekte. Von Anfang an passieren merkwürdige Dinge und die Handlung nimmt schnell Fahrt auf, weshalb ich das Buch verschlungen habe.

Fazit: Ein Serienauftakt voller Spannung und fantastischer Elemente für Kinder von 10 bis 14, der schon Appetit auf die Fortsetzung macht.

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Aimée Carter: Animox. Das Heulen der Wölfe. Aus dem Englischen von Maren Illinger. Oetinger 2016. 384 Seiten, Euro 14,99, ISBN 978-3-7891-4623-7.

Zur Verlagsseite – zur Buchseite (mit Gewinnspiel, Quiz, Trailer, Interview mit der Autorin usw.) – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in der nächsten Buchhandlung

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Eva Dax, Sabine Dully: Fräulein Hicks und die kleine Pupswolke. Eine verrückte Reise durch den Körper

Die unaufhaltsamen Fünf

Kennt ihr die unaufhaltsamen Fünf?
Sie sind mitten unter uns.
Niemand kann sie aufhalten.
Keiner kann sie kontrollieren.

Die unaufhaltbaren Fünf? Das sind Professor Hatschi, der Gähn-Män, Fräulein Hicks, der Rülps und die kleine Pupswolke. Jeder kennt sie. Keiner kann ihnen ausweichen. Und darauf sind die Fünf ziemlich stolz. Doch dann geraten sie in Streit darüber, wer von ihnen am unaufhaltsamsten ist. Jeder führt die vier anderen zu der Stelle im Körper, an der er entsteht, und erklärt, wie es dazu kommt. (Vielleicht, nur ganz vielleicht, sind diese Erklärungen nicht hundertprozentig richtig, dafür aber sehr unterhaltsam.)

Doch dann kommt noch jemand und schimpft, dass er vergessen wurde …

Am Ende folgen noch die Erklärungen, wie das alles angeblich wirklich ist.

Körperphänomene lustig erklärt

Warum macht unser Körper so komische Dinge? Warum müssen wir, meist in einem denkbar unpassenden Moment, gähnen, niesen, hicksen, rülpsen oder gar pupsen? Das führt manchmal zu peinlichen Situationen. Aber manchmal finden Kinder das auch sehr lustig, vor allem, wenn sie es schaffen, auf Kommando zu rülpsen. Jedenfalls ist das Thema für sie brennend interessant, weshalb sie begeistert zuhören werden, wenn beispielsweise die kleine Pupswolke faule Eier in eine Tuba wirft und dann kräftig pupstet.

Sie schleppt eine verbeulte Tuba herbei und wirft ein paar faule Eier hinein. Dann holt sie tief Luft und prustet mit voller Kraft, bis es im ganzen Darm dröhnt: „PfRÖÖÖZ!“, macht es.

Obwohl die Sache so ins Lächerliche getrieben wird, erfahren die Kinder trotzdem, wo im Körper was warum passiert. Und wer es ganz genau wissen will, liest am Ende die knappen, gut verständlichen korrekten Erklärungen nach. Auf den farbenfrohen Bildern kann man den Weg der unaufhaltsamen Fünf durch den Körper gut verfolgen. Auf jedem findet am lustige Details. Ich finde auch die unaufhaltsamen Fünf sehr schön dargestellt. Am liebsten mag ich die kleinechluckauf? Oder vielleicht doch eher einen Pups. Möglicherweise ist mit Experimenten im Kinderzimmer (und nicht nur dort) zu rechnen.

Fazit: Ein sehr lustiges Buch über unangenehme Körperfunktionen, das Kindergartenkindern ab 4 Jahren enorm viel Spaß machen wird.

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Eva Dax, Sabine Dully: Fräulein Hicks und die kleine Pupswolke. Eine verrückte Reise durch den Körper. Oetinger 2016. 32 Seiten, Euro 12,99, ISBN 978-3-7891-0368-1.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Sunil Mann: Immer dieser Gabriel

Ärger im Engelinternat

Gabriel ist ein kleiner Engel, der sein erstes Jahr im Engelinternat verbringt. Das Aufstehen fällt ihm unheimlich schwer, und als er zum dritten Mal unpünktlich zum Frühstück erscheint, bekommt er großen Ärger mit der Direktorin, Madame Longbec, und muss eine Strafarbeit erledigen. Doch sie wirkt nicht, ihm fällt immer wieder neuer Unfug ein, auf die immer neue Strafarbeiten folgen. So muss er Sterne polieren und die Milchstraße putzen. Als er es eines Tages übertreibt, fliegt er fast von der Schule, doch ein Lehrer setzt sich für ihn ein. Und so kommt er zu der ungewöhnlichen Ehre, schon im ersten Jahr als Schutzengel eingesetzt zu werden.

Missmutig begab sich Gabriel in die Besenkammer und suchte den Wischmopp heraus. Dann schnappte er sich einen großen Eimer und flog bis unter die Wolken. Mit dem Stil des Mopps klopfte er gegen die Wolkenunterseite, und sofort begann es zu regnen. Gabriel wartete, bis der Eimer voll war, dann fügte er ein paar Spritzer Sternenklar-Putzmittel hinzu und schleppte alles zusammen zur Milchstraße.

Gabriel hat nur Unfug im Sinn

Was für eine niedliche Geschichte, die durch viele lustige, fantasievolle Details bezaubert. So sind die Namen der Speisen allerliebst (Donnerrollen, Aprilwettersauce, Federwolkenstampf, gedünstete Sternschnuppen usw.), die Engelchen schlafen in EINEM enorm hohen Stockbett. Einerseits sind die Engel Menschenschülern nicht sehr unähnlich, andererseits haben sie ganz besondere Interessen und Schulfächer wie Flugunterricht und Verkehrskunde (damit die späteren Schutzengel die Verkehrsregeln kennen). Gabriel macht sich viele Gedanken. Bald muss er sich entscheiden, auf was er sich spezialisieren möchte. Puttenengel? Laaaangweilig! Instrumentalengel oder Chorengel? Nicht so sein Ding, außerdem sind ihm die Instrumentalengel zu hochnäsig. Botenengel? Die Menschen starren nur noch in Kästchen und ignorieren die Boten, das ist also eher ein aussterbender Beruf. Er will etwas machen, wo er schnell und viel fliegen darf, also bleibt nur noch Schutzengel. Dass damit auch viel Verantwortung verbunden ist, muss er allerdings erst lernen, denn er lässt sich viel zu gerne ablenken.

Schockiert riss die Direktorin den Mund auf, und als sie zu schreien begann, brüllte sie nur diesen einen Namen: „Gaaaaaaaaaaaaabriel!“

Spaß haben oder Verantwortung übernehmen?

Man kann gar nicht anders, als Gabriel ins Herz zu schließen, obwohl und gerade weil er so viel Unfug im Sinn hat. Seine Streiche bringen die Leser zum Lachen, gemeinsam mit ihm ärgern sie sich über Ungerechtigkeiten und bangen, wenn er seine Pflichten vernachlässigt, weil gerade mal wieder etwas anderes spannender ist. Doch am Ende kann man sich mit dem kleinen Engel freuen, dass er seine Aufgaben ernst nimmt, ohne dabei seinen Schalk zu verlieren. Auch die anderen Protagonisten sind sympathisch: der nicht mehr ganz treffsichere Amor, Gabriels Freundin Aurora und am Ende sogar Madame Longebec, die über ihren Schatten springt und Gabriel ein Geheimnis verrät.

Was sollte er bloß tun? (…) Musste er seinen ersten Einsatz als Schutzengel schon nach wenigen Minuten abbrechen?

Lesespaß mit pfiffigem Engelsnachwuchs

Das Buch lässt sich sehr angenehm lesen, gelegentliche Schwarz-weiß-Bilder illustrieren die Geschichte und setzen lustige Akzente. So sollte man beispielsweise darauf achten, wo Gabriel seinen Heiligenschein hat, wenn er im Bett liegt.

Fazit: Lustige und turbulente Geschichte rund um ein Engelsinternat für Kinder von 8 bis 10 Jahren oder ab 6 zum Vorlesen.

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Sunil Mann: Immer dieser Gabriel. Orell Füssli 2016. 144 Seiten, Euro 12,95, ISBN 978-3280-03532-0.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in der Buchhandlung um die Ecke.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Gundi Herget, Katharina Staar: Die grüne Kiste

Chaos im Kinderzimmer

In Fietes Kinderzimmer herrscht wieder einmal großes Durcheinander. Seine Mutter schimpft und stellt ihm eine grüne Kiste ins Zimmer, in die er alles hineintun soll, was auf dem Boden liegt. Erst mag Fiete die Kiste nicht, aber dann merkt er, dass es gar keine Kiste ist, sondern ein Traktor. Als er mit dem Traktor das Meeresufer erreicht, wird sie zu einem Schiff. Und so spielt Fiete hingebungsvoll und voller Fantasie. Er träumt sich die Kiste zu einem U-Boot, einem Flugzeug, einem Raumschiff, einem Schlitten und schließlich zu einem Heißluftballon. Doch dann kommt Mama herein. Er hat nicht aufgeräumt! Wird seine Mama jetzt schimpfen?

Kapitän Fiete segelt über das Meer. Er entdeckt einen Schatz auf einer Pirateninsel.
Der gehört jetzt ihm!
Immer weiter segelt Fiete aufs Meer hinaus. Tief unten schwimmen Fische. Fiete will sie besuchen.
Und zwar mit …

Wundervolle Fantasiereise

Fiete ist ein liebenswerter kleiner Junge mit viel Fantasie. Er ist so in sein Spiel mit der grünen Kiste vertieft, dass er das Aufräumen völlig vergisst, bis seine Mutter zurück ins Zimmer kommt.

Die Zeichnungen sind einfach, manches ist bunt ausgemalt, Teile der Zeichnungen bleiben aber immer weiß. Doch sind die Bilder ideal, um die Fantasie der Kinder in Gang zu bringen. Der einfache, gut verständliche Text beschränkt sich auf wenige Zeilen pro Doppelseite.

Wohin wird Fiete wohl als Nächstes reisen? Am Ende einer jeden Seite wird erwähnt, wohin Fiete gekommen ist oder was er gerade sieht, sodass die Kinder vor dem Umblättern schon raten können, in welches Fortbewegungsmittel sich die grüne Kiste wohl verwandeln wird.

Der Bauer darf eine Pause machen.
Fiete fährt an den Rand des Ackers. Dort ist jetzt das Meer.
Und der Traktor ist …

Die einfachen Spielsachen sind oft die besten, weil sie mit ein wenig Fantasie (und Fiete hat viel davon) wunderbar verwandeln lassen. Fietes Geschichte kann die Kinder vielleicht dazu anregen, mal wieder eine Reise in der Wäschekiste zu unternehmen oder aus einem Karton etwas Tolles zu bauen.

Fazit: Ein Hoch auf die Fantasie! Kinder von 3 bis 5 Jahren können sich mit Fiete zu einer tollen Fantasiereise mitnehmen lassen und haben danach bestimmt Lust, eigene Reisen zu unternehmen. Das Aufräumen hat doch sicher noch ein bisschen Zeit.

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Gundi Herget, Katharina Staar: Die grüne Kiste. Oetinger 34 2016. 32 Seiten, Euro 8,99, ISBN 978-3-95882-105-7.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Thilo Krapp: Othello & Giovanni. Der große Katzenraub

Das aufregende Leben zweier Kater

Die Zwillingskater Othello und Giovanni leben ein schönes Leben bei einer netten Familie. Beide streichen gerne durch die Gärten und Felder in der Umgebung, wobei Othello der aktivere von beiden ist. Er macht längere Ausflüge und erwischt auch mal eine Maus, während der rundliche Giovanni es lieber gemütlich angehen lässt. Als Othello eines Tages nicht nach Hause kommt, beschließt Giovanni, sich auf die Suche nach ihm zu machen. Dabei erlebt er im Wald aufregende Abenteuer, ist sehr hungrig und lernt ungewöhnliche Verbündete kennen. Die braucht er dringend, denn der verrückte Wissenschaftler Waldemar Wummering hat seine Finger im Spiel. Er arbeitet an einem Sieben-Leben-Serum, für das er viele Katzen benötigt. Besonders wichtig sind aber Katzen mit zweifarbigen Augen, wie die Zwillinge sie haben. Ob Giovanni mit seinen neuen Freunden gegen ihn ankommt?

Giovanni zögerte. Es juckte ihn in allen vier Pfoten, aber sein Körper wollte nicht folgen. Worauf warte ich denn noch?, dachte er. Othello war in Gefahr. Das spürte er ganz deutlich. Und er brauchte seine Hilfe!

Held wider Willen

Giovanni mag leckeres Fressen und liegt gerne gemütlich an einem schönen Platz. Doch als sein Bruder Othello verschwindet, nachdem vorher ein sehr merkwürdiger, furchtbar stinkender Mann an der Haustür war und der scheue Nachbarskater schwer verständliche Andeutungen macht, zögert er nicht lange. Er macht sich tapfer auf den Weg, obwohl er keine Ahnung hat, wie er in freier Wildbahn überleben soll und was auf ihn zukommt. Dabei gerät er in einige gefährliche Situationen, muss lernen, dass man bei der Auswahl seiner Begleiter nicht zu wählerisch sein sollte und wächst mehrmals über sich heraus. Auch wenn er manchmal knurrig und motzig ist, man muss den tapferen Kater einfach ins Herz schließen!

„Hau ab!, stieß Giovanni hervor und fauchte sie an. Der Schmerz vernebelte seine Sinne. Noch nie in seinem Leben hatte er solche Angst gehabt und sich so hoffnungslos verloren gefühlt.

Einige ganzseitige Bleistiftzeichnungen und Vignetten zu Beginn eines jeden Kapitels lockern den gut zu lesenden Text auf.

Fazit: Ein rundum gelungenes Abenteuer für Kinder von 8 bis 12 Jahren oder ab 6 zum Vorlesen. Für Katzenfans und Krimiliebhaber und alle, die eine spannende Geschichte mögen.

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Thilo Krapp: Othello und Giovanni. Der große Katzenraub. Südpol 2016. 186 Seiten, Euro 12, 90, ISBN 978-3-943086-34-8.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.