Nicholas Cornelius: Sylvester und der Gespensterdoktor

Ein Waisenjunge auf der Flucht

Bei seiner Flucht aus dem Waisenhaus, wo er jahrelang misshandelt wurde, gerät Sylvester in ein Unwetter. In einer alten Scheune findet er Zuflucht. Doch empfängt ihn ein merkwürdiger alter Mann mit einer Schrotflinte. Sylvester gelingt es, ihn davon zu überzeugen, dass er harmlos ist, und bekommt etwas zum Essen und einen Platz zum Schlafen. Doch in der Nacht geschehen merkwürdige Dinge. Es stellt sich heraus, dass der alte Mann ein Gespensterdoktor ist. Sylvester ist erstaunt, dass Gespenster krank werden können, der alte Mann dagegen wundert sich sehr, dass der Junge die Gespenster sehen kann.

Eigentlich will Sylvester am nächsten Tag weiterziehen, doch im Dorf merkt er, dass er gesucht wird. Also kehrt er zum Doktor zurück und wird in merkwürdige Ereignisse verwickelt. Was hat es mit dem Konsortium auf sich, das aus der alten Burg des Doktors ein Santorium machen will, obwohl der Doktor den Verkauf verweigert?

Sylvester erlebt nicht nur einige aufregende Abenteuer, er erweist sich als begabt und lernt viel über Gespensterheilkunde. Zum Glück hat er die Unterstützung des Doktors und bekommt Hilfe von Johanna aus dem Dorf, die die Gespenster ebenfalls sehen kann und sich nicht davor fürchtet.

Dorthin war ich unterwegs gewesen, als das Gewitter mich überrascht hatte. An einen Ort, den ich nicht kannte, bloß ahnte. Klang irgendwie verrückt, wenn man es so nüchtern beschrieb. Sylvester haut ab, weil er nicht mehr verprügelt werden will, und sucht ein Zuhause, an das er sich nicht mehr erinnern kann. Und landet an einem ganz anderen Ort, mitten unter Gespenstern – das musst du dir mal vorstellen!

Schicksalhafte Begegnung

Der zwölfjährige Sylvester hat ein hartes Leben im Waisenhaus hinter sich. Mit den Freundlichkeiten von Johanna und dem Doktor kann er zunächst schlecht umgehen. Er ist einerseits unsicher, andererseits aber selbstbewusst und mutig. Er weiß, dass er keinesfalls zurück ins Waisenhaus will und nimmt deswegen in Kauf, für eine Weile bei diesem merkwürdigen Doktor unterzuschlüpfen. Irgendwann merkt er, dass er die meisten Gespenster gar nicht so schlimm findet, die Arbeit des Doktors interessant und dass er Johanna gerne mag. Als es dem Doktor schlecht geht, vergisst er alle Gefahren und wächst über sich hinaus, um ihm zu helfen. Dass er dabei auch hinter das Geheimnis seiner Herkunft kommt, ist ein überraschender Nebeneffekt.

Skurrile Gespensterschar

Sylvester, der Doktor und Johanna sind sehr sympathische Charaktere, während der Direktor und der Chef des Konsortiums genauso fies und unsympathisch sind, wie es sich für ordentliche Antagonisten gehört.

Am besten sind jedoch die vielen Gespenster, die ganz unterschiedlich aussehen und mit sehr viel Liebe zum Detail beschrieben sind. Es gibt liebe und gute, jedes hat besondere Eigenschaften, viele sehen eklig aus, sind aber ganz freundlich. Ihre Krankheiten sind oft den menschlichen entgegengesetzt. So ist Grün die Farbe des Lebens, des Wachstums. Wenn ein Gespenst grün aussieht, ist das daher ein ganz schlechtes Zeichen. Das zu lesen hat mir großen Spaß gemacht.

Spannende Geschichte

Die Geschichte ist sehr spannend zu lesen, manche Passagen sind richtig gruselig, aber es gibt auch die eine oder andere Stelle zum Lachen. Eine gute Mischung, wie ich finde. Es ist also kein Buch, bei dem Albträume zu befürchten sind.

Ein paar kleinere Ungereimtheiten haben mich jedoch gestört.

Zum Beispiel: Als seine Eltern gestorben sind, war Sylvester so klein, dass er sich kaum an sie erinnern kann, auch an sein Zuhause hat er keine Erinnerungen. Dennoch geht der Waisenhausdirektor jahrelang davon aus, dass der Junge etwas Wichtiges von seinen Eltern bekommen hat, und foltert ihn deswegen. Der Direktor hat sicher schon bei Sylvesters Ankunft im Waisenhaus alle Sachen durchsucht. Wo sollte er etwas versteckt haben?

Oder: Wie ist der Doktor in den Besitz der Burg gelangt? Müsste nicht Sylvester oder sein Onkel sie geerbt haben? Oder sind die beiden gar verwandt?

Ich habe auch nicht ganz kapiert, wofür das Konsortium die Burg nutzen möchte. Was soll in den Sanatorium geschehen? Wie das? Aber vielleicht war ich bei dem Aspekt nicht fantasievoll genug. Das Ende fand ich daher nicht ganz befriedigend.

Letztlich bin ich einige Male gestolpert, aber die Störung war nicht so krass, dass sie den Lesegenuss ernsthaft beeinträchtigt hätte. Insgesamt hatte ich viel Spaß an dem Buch.

Leider gibt es in dem Buch keine Bilder, die aber in dem Buch im Buch vorkommen. All diese Gespenster, das wäre natürlich fantastisches Bildmaterial gewesen. So muss die Fantasie ran, was auch nicht das Schlechteste ist.

Fazit: Spannend-gruselige Geschichte über einen Waisenjungen, der auf der Suche nach seiner Herkunft ausgerechnet bei einem Gespensterdoktor Unterschlupf findet. Für Kinder von 10 bis 12 Jahren.

Nicholas Cornelius: Sylvester und der Gespensterdoktor. Sanssouci 2018. 320 Seiten, Euro 15,00, ISBN 978-3-99056-068-6.

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