Ein Anfall von Nostalgie: Petzi

Kindheitserinnerungen

Letzte Woche hatte ich in Erfurt etwas zu erledigen und anschließend zehn Minuten bis zu einem Termin zu überbrücken. Es ist klar, wie ich diese zehn Minuten füllte, oder? Ich betrat eine Buchhandlung, schaute mich an den Büchertischen um und stand kurz darauf mit drei Büchern an der Kasse, darunter der neuste Atwood, den ich sowieso kaufen wollte. Berichten möchte ich hier aber von einem ganz anderen Fund. Auf dem Tisch mit den Kinderbüchern lachte mich ein dicker Band mit einem mir sehr gut bekannten Bären auf dem Cover an: Petzi!

Was habe ich diesen Bären und seine Freunde, den Pinguin Pingu, den Pelikan Pelle, den alten Seebären, die Schildkröte und all die anderen in meiner Kindheit geliebt! Wir hatten einen ganzen Stapel Petzi-Hefte, die (hoffentlich!) noch in irgendeinem Karton auf dem Dachboden meiner Eltern auf ihre Wiederentdeckung warten.

In diesem Band sind Petzis Reiseabenteuer von 1951 bis 1955 gesammelt, das sind vierzehn Geschichten. Sie sind allesamt schwarz-weiß, ich habe meine Petzi-Hefte allerdings als bunt in Erinnerung. Dem Vorwort habe ich entnommen, dass die Serie bis in die 1980er Jahre weitergeführt wurde, allerdings nicht mehr gezeichnet von Vilhelm Hansen. Da ich mich an die meisten Geschichten in diesem Buch genau erinnern kann, wurden sie möglicherweise später nachkoloriert (oder ich hatte schwarz-weiße und bunte Hefte). – Ich habe nachgesehen, man kann die farbigen Hefte auch heute noch kaufen.

Lustig, langsam, liebenswert

In einem Vorwort gibt Per Sanderhage einen Einblick in das Leben und Werk von Vilhelm und Carla Hansen und die Entstehung der Petzi-Geschichten.

Man kann sich mit Recht die Frage stellen, woher die enorme Popularität rührte. Die Petzi-Erzählungen verfügen nicht über einen klassischen Handlungsverlauf, sondern bestehen vielmehr aus einer losen Aneinanderreihung einzelner Geschichten, erzählt mit viel Humor, aber ohne jede Moral und ohne echten Konflikt.
(…)
Das Tempo ist langsam und es gibt jede Menge Umwege, die nirgendwo hinführen.
Die Antwort liegt auf der Hand: Die Art der Erzählens gleicht der eines kleinen Kindes, das von seinem Tag berichtet und dabei jedem Ereignis mehr oder minder dieselbe Bedeutung beimisst (…). Vorwort, S. 11

Zugegeben, es passiert wirklich nicht viel, aber es ist einfach lustig, dem liebenswerten, aber ziemlich naiven und etwas ungeschickten Bären bei seinen Abenteuern zuzusehen. Besonders mochte ich immer Pelle, der in seinem riesigen Schnabel alles bereithält, was die Freunde gerade brauchen. Faszinierend – wer wünscht sich nicht so einen Freund? Vor dem grummeligen Seebär hatte ich immer ein bisschen Angst, dabei ist er ganz harmlos. Altmodisch ist nicht nur die langsame Erzählweise, sondern auch die Tatsache, dass der Text unter den Kästchen steht, nicht in Sprechblasen darin. Ich finde, das macht den besonderen Charme des Comics aus!

Fazit: Die Geschichten in dieser Sammlung sind vollständig, in den Heften wurden sie gekürzt. Wer also den kompletten Petzi lesen möchte oder ebenso nostalgische Anwandlungen kennt wie ich, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Ob die Kinder Petzi auch ohne Farbe mögen, werde ich ausprobieren – das Buch wandert in die Kinderbibliothek.

Carla Hansen, Vilhelm Hansen: Petzi. Die gesammelten Reiseabenteuer 1951 – 1955. Carlsen 2013. 368 Seiten, ISBN 978-3-351-73543-0.

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