Rezension. Nina Weger: Der kleine Räuber Rapido

Kleiner Räuber auf Abwegen

Es ist noch gar nicht so lange her, da lebte in jedem dunklen Wald eine Horde wilder Räuber. Die grölten und schmatzten, müffelten und rülpsten. Und räuberten natürlich.

Heute gibt es kaum noch dunkle, einsame Wälder, sondern überall sind Wege und Förster, deshalb gibt es auch nicht mehr viele Räuber. Doch im letzten, dunklen Wald gibt es noch eine Räuberbande. Von ihr erzählen diese Bücher. Genau genommen erzählen sie von Rapido, der Sohn des Räuberhauptmanns Rigoros ist – leider. Denn natürlich soll er einmal die Nachfolge seines Vaters antreten, wofür er genauso wild und räuberisch sein müsste. Das ist er aber nicht. Rapido ist ordentlich, sauber, pünktlich, stellt vile Fragen und er liest lieber, statt Unfug zu machen. Er ist also absolut unräuberisch.

Band 1: Der riesengroße Räuberrabatz

Räuberhauptmann Rigoros ruft einen Wettbewerb für die Räuberkinder aus: Wer den rüpeligsten Raubzug macht, gewinnt eine Räuberwurst. Sein Sohn Rapido mag die verkohlten Räuberwürste gar nicht, aber er will seinen Vater nicht enttäuschen und verhindern, dass der nächste Hauptmann kein Rrrr-Räuber ist, sondern womöglich ein Sch-Räuber.

Doch alle Räuberkinder haben ein Problem, denn in ihrem düsteren Wald gibt es nichts zu räubern. Den Stadtwald zu betreten ist ihnen allerdings streng verboten. Als ob sich Räuber an Regeln halten würden! Rapido und sein Freund, der Waschbär Störenfried, schleichen den anderen nach.

Oh, oh, oh, dachte Rapido, und sein Herz bummerte so laut wie eine Arschbombe i die Matschkuhle. Und zwar eine mit Anlauf.

Doch was ist das? Am Wegrand treffen sie auf ein weinendes Mädchen. Was nun?

Band 2: Angriff der Sportskanonen

Es ist nicht zu fassen: Der Förster hat einen Trimm-dich-Pfad bauen lassen, mitten durch den einstmals einsamen Räuberwald. Nun kommen die Stadtmenschen ihnen gefährlich nah, dauernd ist etwas los. Was ist, wenn sie das Räuberdorf entdecken? Das muss unbedingt verhindert werden. Wer es schafft, die Eindringlinge zu vertreiben, bekommt die nächste Räuberwurst.

„Boah, ist das anstrengend!“, stöhnte Unhold und raufte sich die Haare. „Nachdenken!“
„Mir tut schon der Kopf weh“, jaulte Mobsi. „Warum dürfen wir nicht alles kurz und klein hauen wie die großen Räuber?“
„Weil das nichts gebracht hat, du Schrumpfkopf“, zischte Zap-Zerap.

Das ist wirklich nicht einfach. Auf die übliche Räuberart geht es jedenfalls nicht. Doch es wäre gelacht, wenn Rapido und Störenfried da keine Idee hätten.

Sympathischer Räuberjunge

Während viele „Normalo“-Kinder von einem Leben träumen dürfte, wie es die Räuberkinder führen, ist es bei Rapido genau andersherum. Er möchte nett, freundlich, ordentlich und wissbegierig sein dürfen und möchte niemandem etwas wegnehmen oder ihm gar wehtun. Doch er lebt nun einmal in einer Gruppe, in der er damit zum Außenseiter wird. Da er Grips hat, schafft er es jedoch, die gestellten Aufgaben auf seine ganz eigene Art zu lösen.

Um einen Freund wie Waschbär Störenfried werden die Kinder Rapido beneiden. Die beiden gehen zusammen durch dick und dünn. Rapido setzt Störenfried gerne als unauffälligen Beobachter ein, was dieser jedoch nicht mag:

„Nein“, sagte Rapido. „Du musst näher ran!“
„Ich? Wieso ich?“, motzte Störenfried.
„Weil du ein Waschbär bist und nicht weiter auffällst!“
„Ich bin ein sprechender Waschbär!“
Rapido rollte mit den Augen. „Dann hältst du einfach mal deine Waschbärenklappe!“

Wichtig sind noch Räubermädchen Zap-Zerap,  die ist ebenfalls nicht auf den Kopf gefallen ist und Rapidos Strategie durchschaut, aber nich petzt, und Schurkan. Er ist der Sohn des Ersatz-Räuberhauptmanns, der später gerne selber Hauptmann werden möchte. Schließlich ist er dafür eindeutig besser geeignet als Rapido. Denkt er zumindest.

Großer Lesespaß

Die Abenteuer von Rapido und Störenfried zu begleiten, macht großen Spaß. Rapido möchte zwar anerkannt werden, aber nicht um jeden Preis, und so findet er originelle Lösungen, die in sein persönliches Wertesystem passen, aber auch von den Räubern akzeptiert werden. Viele lustige Situationen bringen die Leser*innen zum Lachen oder Schmunzeln, aber es gibt auch aufregende Momente zum Atemanhalten.

Der Text, noch in etwas größerer Schrift, lässt sich gut lesen. Viel wörtliche Rede lockert ihn auf, viele Wortspiele bringen einen zum Schmunzeln. Auf jeder Seite gibt es ein Bild, manchmal nur ein Tannenzweig, der in den Text ragt, aber meistens größere Bilder mit Bezug auf die Handlung. Die schönen, lebendigen Bilder von Anna-Lena Kühler machen das Räuberdorf und seine Bewohner*innen für uns lebendig.

Fazit: Herrlich komische und tubulente Räubergeschichten, die zeigen, dass man mit Köpfchen weiterkommt als mit Gewalt und Zerstörungswut. Die Bücher eignen sich gleichermaßen zum Vorlesen für Kinder ab 5 Jahren, aber auch zum Selberlesen für schon etwas geübtere Leser*innen ab 8.

Nina Weger: Der kleine Räuber Rapido. Illustrationen an Anna-Lena Kühler. Oetinger 2020.

Band 1: Der riesengroße Räuberrabatz. 112 Seiten, Euro 10,00, ISBN 978-3-7891-1478-6.
Band 2: Angriff der Sportskanonen. 112 Seiten, Euro 10,00, ISBN 978-3-7891-2124-1.

Andere empfehlenswerte Bücher von Nina Weger, die ich besprochen habe: Ein Krokodil taucht ab, Club der Heldinnen oder Trick 347.

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Ich danke dem Verlag für die Rezensionsexemplare.

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