B. B. Alston: Amari und die Nachtbrüder. Rezension

Mitreißendes Fantasyabenteuer

Die zwölfjährige Amari ist dunkelhäutig und lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einem Viertel mit schlechtem Ruf. Dank eines Stipendiums besucht sie eine gute, „weiße“ Schule, wo sie wegen ihrer Hautfarbe und weil sie arm ist gemobbt wird. Außerdem ist ihr deutlich älterer Bruder Quinton, der ein Überflieger und der Star der Schule war, seit einiger Zeit spurlos verschwunden. Auch dass sie fest daran glaubt, dass er noch am Leben ist, sorgt für Hänseleien.

Doch nun ist endlich der letzte Schultag vorbei. Amaris Bruder hat dafür gesorgt, dass sie eine Einladung zu dem Sommercamp bekommt, das auch er früher besucht hat. Amaris Mutter ist begeistert, denn sie denkt, es ist eine gute Gelegenheit für ihre Tochter, wichtige Kontakte für später zu knüpfen. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um ein Aufnahmeverfahren für die Oberbehörde für magische Wesen. Amari wird mit einer ihr völlig fremden Welt konfrontiert. Wie soll sie das Aufnahmeverfahren schaffen, wo sie nicht einmal die einfachsten Dinge weiß, die für Kinder selbstverständlich sind, die in magischen Familien aufgewachsen sind?

Hinzu kommt, dass sich herausstellt, dass sie eine Magierin ist. Magier sind aber die schlimmsten Feinde der Oberbehörde, die ständig von den sogenannten Nachtbrüdern bedroht werden. Daher sind sie in der Oberbehörde eigentlich streng verboten. Wegen ihres Bruders, der in der magischen Welt beliebt und berühmt ist, wird eine Ausnahme für Amari gemacht. Nicht alle finden das gut, was sie wiederum zur gemobbten Außenseiterin macht.

Amari hat nur ein Ziel: Sie möchte so viele Prüfungsteile wie möglich bestehen, um in dieser Zeit das Verschwinden ihres Bruders aufzuklären.

Nachwuchsmagier gesucht

Amari landet in einer ihr völlig fremden Welt, in der sie aus Unwissenheit manchen Fehler macht. Zum Glück nimmt sich ihre Zimmergenossin Elsie, ein Drachenmädchen, ihrer an und erklärt ihr (und damit auch den Zuhörer*innen) vieles.

Es handelt sich also um ein Fantasyabenteuer, das auch Elemente von Schul- und Internatsgeschichten aufweist. Doch gibt es hier einige Besonderheiten.

Endlich einmal spielt ein dunkelhäutiges Mädchen die Hauptrolle in einer Fantasygeschichte. Während sie in der „richtigen Welt“ deswegen Rassismus und Ausgrenzung erfährt, scheint ihre Hautfarbe in der magischen Welt keine besondere Rolle zu spielen. Doch die alten Magierfamilien sind ebenfalls reich, sodass manche Kinder die Nase rümpfen, als sie von Amaris Herkunft hören. Ihre verbotene Magie sorgt dafür, dass sie wieder zur Außenseiterin wird. Ihre beste Freundin ist ebenfalls eine Außenseiterin. Elsie hat es noch nie geschafft, sich in einen Drachen zu verwandeln. Deswegen wird auch sie verspottet, aber sie hat immerhin eine angesehene Familie im Hintergrund und ein Talent, mit dem sie viele für sich einnimmt.

Ungewöhnliches Setting

Die Schule ist in einer Behörde angesiedelt, der Oberbehörde für magische Wesen. Die vielen Abteilungen befassen sich mit allem, was das Zusammenleben von Menschen mit magischen Wesen betrifft. Diese Welt ist sehr sorgfältig ausgearbeitet worden. Sie besticht durch viele kleine, liebevolle Details. Die Aufzüge mit ihren so unterschiedlichen Charakteren sind ein Beispiel oder eben die verschiedenen Abteilungen mit den merkwürdigen Aufgaben.

Sympathische Heldin

Amari hat nicht umsonst ein Stipendium für ihre Schule erhalten. Sie ist intelligent und fleißig. Weil sie aber immer im Schatten ihres Überflieger-Bruders steht, hält sie sich nicht für besonders toll. Auch wenn ihr Viertel einen schlechten Ruf hat, kämpft sie dafür, dass die Leute nicht alle Bewohner über einen Kamm scheren, und versucht, ihnen zu helfen. Sie hat also auch eine soziale Ader. Und das Wichtigste: Sie glaubt fest daran, dass ihr Bruder noch lebt, und ist bereit, alles zu geben, um ihn zu finden. Auch wenn sie talentiert ist, fehlt ihr viel Vorwissen, sodass sie zwar in manchen Dingen überraschend gut ist, aber nicht immer die Beste. Das ist etwas, was mich oft in Geschichten stört, wenn der Neuling gleich alle anderen immer überflügelt – das ist immer so unrealistisch. Ich war froh, dass das hier nicht so war.

Sehr gut hat mir gefallen, wie vielschichtig einige der anderen Charaktere sind. Ich war mir wiederholt nicht sicher, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Kleine Bemerkungen und Handlungen säten manchmal Zweifel an der einen oder anderen Person, sodass es bis ganz zum Schluss spannend blieb. Ich hätte das Ende jedenfalls niemals richtig vorhergesehen.

Überzeugende Lesung

Merete Brettschneider liest das fast elf Stunden dauernde Hörbuch hervorragend. Ihre interessante Stimme, der ich ermüdungsfrei zuhören konnte, sorgte in Verbindung mit der spannenden und trotzdem humorvollen Handlung dazu, dass ich mehrere Abende in Folge erst weit nach Mitternacht ins Bett gekommen bin. Und: Es war die Müdigkeit am nächsten Morgen definitiv wert!

Amari ist der Auftakt einer Trilogie – ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung!

Es lohnt sich übrigens, auf der Amazonseite vorbeizuschauen. Dort gibt es ein interessantes Interview mit dem Autor, außerdem werden die wichtigsten Charaktere vorgestellt.

Fazit: Eine spritzige, spannende Fantasy-Geschichte voller Überraschungen mit einer sympathischen dunkelhäutigen Heldin, die sich weder durch die Widrigkeiten der realen noch die Probleme der magischen Welt unterkriegen lässt. Das alles wird so hervorragend gelesen, dass mehr als zehn Stunden wunderbare Unterhaltung garantiert sind.

B. B. Alston: Amari und die Nachtbrüder. Aus dem Englischen von Katrin Segerer, Hanna Christine Fliedner und Jennifer Michalski. Vollständige Lesung von Merete Brettschneider. DAV 2021. 1 MP3-CD, 10 Stunden, 42 Minuten, Euro 16,99, ISBN 978-3-7424-1873-9.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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