Enid Blyton: Dolly. Abenteuer auf Burg Möwenfels. Sammelband 2

Enid Blyton: Dolly. Abenteuer auf Burg Möwenfels. Sammelband 2

Dolly hat nun schon drei Schuljahre auf Burg Möwenfels verbracht. Der zweite Sammelband umfasst die Schuljahre vier bis sechs – damit gehört sie schon zu den „Großen“. Meine Rezension von Sammelband 1 findet ihr hier.

Die Klassensprecherin

Erstmals fährt Dollys jüngere Schwester Felicitas mit nach Möwenfels. Dollys Plan, ihre Schwester herumzuführen und sich um sich zu kümmern scheitert aus verschiedenen Gründen. Unter anderem weil sie wenig Zeit hat: Dollys Traum, Klassensprecherin zu werden, erfüllt sich in der vierten Klasse. Das bringt viel Arbeit und viel Verantwortung mit sich. Leider ist sie der Aufgabe nicht gewachsen, denn eine andere Schülerin reizt sie dermaßen, dass ihr alter Jähzorn wieder durchbricht und sie die Beherrschung verliert. Sie muss das Amt an ihre beste Freundin Susanne abgeben. Ob sie es schafft, es bis zum Ende des Schuljahres zurückzugewinnen?

Außerdem müssen die Viertklässler hart arbeiten, denn sie müssen am Ende des Schuljahres Prüfungen ablegen. Nicht allen fällt das Lernen leicht und Evelyn versucht sogar, sich davor zu drücken. Auch bei anderen steht die Versetzung auf der Kippe.

Dollys großer Tag

Der fünften Klasse wird die Aufgabe übertragen, bei der Weihnachtsfeier ein Theaterstück aufzuführen. Dolly wird ausgesucht, das Stück zu schreiben. Eine große Herausforderung, der sich Dolly mit Begeisterung und Talent stellt. Doch die Proben gehen nicht ohne Probleme vonstatten, Streitereien zwischen den Mädchen drohen die Aufführung scheitern zu lassen.

Evelyn bekommt mit Margret ein Spiegelbild. Die Erkenntnis, das alle finden, dass sie wie dieses nervige Mädchen ist, erschüttert sie doch ziemlich.

Abschied von der Burg

Das letzte Jahr in Möwenfels – Dolly kann es kaum glauben und nimmt sich vor, die Zeit noch einmal richtig zu genießen. Streiche kann man in dem Alter nicht mehr machen, aber die jüngeren Schülerinnen sorgen dafür, dass sie trotzdem etwas zu lachen bekommen. Dolly ist Schulsprecherin, was sie sehr stolz macht. Alle Mädchen schmieden Zunkunftspläne, Dolly und Susanne wollen gemeinsam auf die Universität gehen.

Die Schülerinnen müssen erfahren, dass in manch einem Mädchen mehr steckt als vermutet, wenn man ihm nur eine Chance gibt. Evelyn hat sich mit ihrem Vater zerstritten, weil er sie nicht auf ein teures Nobelinternat in der Schweiz schicken will. Sie redet so schlecht über ihn, dass alle erschüttert sind. Doch dann kommt eine schreckliche Nachricht und sie muss Hals über Kopf abreisen.

Möwenfels erzeugt bessere Menschen

In allen drei Bänden kommen neue Mädchen in die Klasse, die sich in die Gemeinschaft integrieren müssen und eine Freundin finden wollen. Meist ist das nicht ganz einfach, denn die Mädchen haben oft Charaktereigenschaften, die durch den Geist von Möwenfels erst besiegt werden müssen: Martina ist herrisch, Clarissa sehr schüchtern, Katja will ständig allen helfen, ist dabei aber sehr aufdringlich. Bei den Zwillingen Conny und Ruth ist Conny dermaßen dominant, dass Ruth kaum etwas sagen oder tun kann. Margret erzählt endlos langweilig von sich und schwärmt immerzu von ihrer alten Schule. Amanda trauert ebenfalls ihrer alten Schule hinterher, sie denkt nur an sich und ihre Sportlerinnenkarriere.

Aber Möwenfels schafft es, fast jedes Mädchen „zurechtzubiegen“. Teilweise lernen sie ihre Lektion auf recht drastische Art, zum Beispiel werden Amandas Olympiaträume durch einen Unfall zerstört, Evelyn sieht erst dann ein, wie ungerecht sie ihren Vater behandelt hat, als dieser im Sterben liegt. Margret, die von sich glaubt, alles zu können, wird von den anderen vorgeführt und ausgelacht. Das fand ich ziemlich fies, weil alle von vornherein davon ausgingen, dass sie tatsächlich nicht zeichnen, singen oder Gedichte schreiben kann – klar war das keineswegs.

Die Leserinnen sollen wohl lernen, dass charakterliche Fehler früher oder später bestraft werden, wie dies die Direktorin, Frau Greiling, in Bezug auf Evelyn auch ganz explizit sagt. Die gewählten Methoden, um die Mädchen auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen oder sie wieder auf den rechten Pfad zu lenken, sind allerdings teilweise ziemlich hart.

Anpassungszwang

Teilweise finde ich den Anpassungszwang etwas übertrieben. So wird Margret schon am ersten Tag dafür ausgelacht, dass sie von ihrer alten Schule schwärmt. Würden die Möwenfels-Schülerinnen nicht dasselbe tun? Und als Margret sich in den Schlaf weint, wird sie von Dolly ruppig getadelt, dass man das in ihrem Alter ja wohl nicht mehr macht und sie gefälligst ruhig sein soll. Sport spielt eine wichtige Rolle. Wenn ein Mädchen wie Clarissa aus gesundheitlichen Gründen keinen Sport treiben darf, ist das okay. Unsportliche oder wasserscheue Mädchen werden aber ständig getriezt, es wird nicht akzeptiert, wenn man kein Interesse an Sport hat.

Zu oberflächlich?

Als Widerspruch zu der Möwenfels-Erziehung habe ich die Oberflächlichkeit im Hinblick auf Aussehen oder Kleider empfunden. Dass eine Evelyn andere nach ihren Aussehen beurteilt und dabei zur Freude der Leserinnen auch mal gründlich danebenliegt – geschenkt. Dafür wird sie auch kritisiert. Die anderen dürfen das aber offensichtlich, denn gleich zu Anfang heißt es:

„Frau Rieder kam die Treppe hinunter. Gut sah sie aus in ihrem eleganten grauen Kostüm mit der blauen Bluse. Dolly und Felicitas blickten bewundernd auf ihre Mutter. Im Internat war es sehr wichtig, wie die Eltern waren. Jedes Mädchen wollte stolz auf sie sein – wie sie aussahen, sprachen und sich benahmen. Schrecklich, wenn eine Mutter mit einem verrückten Hut ankam oder ein Vater in einem zerknitterten Anzug.“ (S. 9)

Oder hier die Eindrücke der Klassenlehrerin Frau Wagner über die neue Schülerin Clarissa:

Was für ein wenig hübsches Kind ist diese Clarissa doch mit ihren dicken Brillengläsern und der Zahnspange! Sie kann natürlich nichts dafür – aber diese Jammermiene, die sie immer aufsetzt, macht es noch schlimmer. (S. 59)

Doch eines Tages kommt Clarissa zurück und ist nicht nur ihre Zahnspange und die Brille losgeworden, sondern auch ihre Herzkrankheit. Nun ist sie hübsch und kann mit ihren Reitkünsten auch dem sportlichen Ideal der Schule nacheifern. Die Botschaft, dass eine Brille hässlich macht, zeigt deutlich, wie alt dieses Buch ist. Und wenn die Brille dann weg ist, ist alles gut …

Zeitlose Erlebnisse

Während ich bei den ersten drei Bänden fand, dass man teilweise schon sehr merkt, wie alt die Geschichten sind, war das hier weniger auffällig, aber natürlich gab es immer mal wieder Anzeichen. So springt Felicitas einmal auf das Trittbrett des abfahrenden Autos ihrer Eltern und es fällt auf, dass die Mädchen ihre Haare nicht offen tragen dürfen, aber ansonsten sind die Erlebnisse der Schülerinnen relativ zeitlos: Streiche, Wanderungen, Sportwettkämpfe, Streitereien, Unterricht, Prüfungen, das könnte, abgesehen vom Fehlen von Computern und anderen technischen Errungenschaften, so ähnlich auch heute passieren.

Irritierend fand ich allerdings die merkwürdige Versetzungspraxis: Evelyn wird versetzt, obwohl sie die Prüfungen nicht bestanden hat, weil sie ohnehin schon eine der ältesten Schülerinnen ist. Schülerinnen aus dem Jahrgang darüber kommen in die Klasse, obwohl sie die Prüfungen bestanden haben, weil sie noch zu jung für die fünfte Klasse sind. Auch dass die durchgefallene Martina Klassensprecherin wird, weil sie die Älteste ist, ist merkwürdig. Sollte sie sich nicht darauf konzentrieren, die Prüfungen im zweiten Anlauf zu bestehen?

Lockere Lektüre

Trotz der Kritikpunkte liest sich der Sammelband locker weg. Es passiert eine Menge, manchmal fesseln spannende Ereignisse oder die arme Französischlehrerin muss mal wieder einen Streich durchstehen, was für die Leserinnen immer amüsant ist. Die meisten Charaktere sind mir im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen. Gut finde ich, dass sie fast alle Entwicklungen durchmachen und auch die tolle Dolly ihre Fehler hat, an denen sie arbeiten muss.

Gestolpert bin ich allerdings darüber, dass mehrfach davon die Rede ist, wie beim Handball Tore geschossen werden. Mademoiselle wird sogar korrigiert, als sie etwas anderes sagt. Natürlich werden beim Handball Tore geworfen!

Ich muss aber einfach zugeben, dass Dollys Abenteuer mich nach wie vor fesseln, auch wenn da in meinem Fall ein wenig Nostalgie eine Rolle spielen mag.

Fazit: Aufregende Internatsgeschichten mit etwas altmodischem Charme für Kinder ab 10.

Enid Blyton: Abenteuer auf Burg Möwenfels. Sammelband 2 (Die Klassensprecherin, Dollys großer Tag, Abschied von der Burg), Schneider 2018. 352 Seiten, Euro 12,00, ISBN 978-3-505-14184-3.

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