Ute Krause: Theo und das Geheimnis des schwarzen Raben

Ute Krause: Theo und das Geheimnis des schwarzen Raben

Vater verschwunden, Piratenschiff aufgetaucht

Theos Vater ist vor einigen Jahren verschwunden. Er ist einfach gegangen und nie mehr wiedergekommen. Theo kann sich an ihn kaum erinnern, deswegen ist das okay für ihn. Er war vollkommen zufrieden, als er mit seiner Mutter alleine gelebt hat. Doch leider ist Mutters Freund Martin bei ihnen eingezogen, ein Koch, der ständig neue, schreckliche Gerichte ausprobiert, die Theo nicht mag. Deswegen gibt es ständig Krach. Dabei wünscht er sich doch nur Nudeln mit Soße!

Eines Nachts hat Theo ein merkwürdiges Erlebnis: Ein fliegendes Piratenschiff hält vor seinem Fenster, ein Pirat steigt in die Wohnung und sucht etwas, ein sprechender Rabe unterhält sich mit ihm.

Dann beschließt seine Mutter, dass Theo in den Ferien in ein Ferienlager muss. Der Horror! Doch dann taucht das fliegende Schiff wieder auf und entführt Theo in ein wahnwitziges Abenteuer, das ihn seinem verschollenen Vater näherbringt.

Skurrile Besatzung

Zunächst lernen wir die Familie Theos kennen. Seine Mutter ist nett, aber zwischen ihrem Sohn und ihrem Partner hin- und hergerissen. Sie tat mir leid, doch finde ich das, was sie ihrem Sohn um des lieben Friedens willen zumutet, unmöglich. Erst durch sein Verschwinden merkt sie, wie schlimm die Situation für ihn ist und zieht Konsequenzen. Der Stiefvater ist entsetzlich nervig und ichbezogen, doch auch er darf eine Entwicklung durchmachen.

Die Besatzung des Piratenschiffs ist mehr als merkwürdig: der sprechende Rabe Alchibar, die Katze Tai und ein überaus vergesslicher junger Mann, Smutje. Der Rabe, der sich sehr um Theo kümmert, hat dafür einen besonderen Grund, den Theo erst viel später erfährt. Während die Katze sehr distanziert und daher auch dem Hörer erst einmal fremd ist, schließt man den Raben schnell ins Herz.

Theos Vater, der Kapitän hat sehr egoistische Motive für die Suche nach seinem Sohn, doch auch er wird geläutert.

Theo selbst wird auf der Reise immer wieder herausgefordert. Er muss lernen, ein Schiff zu steuern, rettet Alchibar im Sturm, muss auf der Insel eine folgenschwere Entscheidung treffen und mit dem klarkommen, was er über das Schicksal seines Vaters erfährt. Daran reift der schüchterne Junge, er gewinnt viel Selbstvertrauen, was ihm auch hilft, als er wieder in sein normales Leben zurückkehrt.

Fantasie versus Realität

Aus seinem alltäglichen tristen Leben und der unangenehmen Situation im Ferienlager wird Theo in eine fantastische Welt entführt, in der es nicht nur sprechende Tiere und ein fliegendes Piratenschiff eine Rolle spielen, sondern auch eine schwimmende Insel voller vergessener Kinder und ein wunderbarer Essenswunschbaum. Doch auch in der fantastischen Welt gelten harte Gesetze, wie Theo schnell lernt.

Abenteuergeschichte oder Geschichte einer Reifung?

Die vier Besatzungsmitglieder erleben auf der Suche nach Theos Vater aufregende Abenteuer: einen Sturm, eine Begegnung mit einem Riesenkraken, die Landung auf einer Insel, auf der man sein Gedächtnis verliert usw. Zu essen gibt es nicht viel, meistens Möwenspiegeleier von Möwe Emma. Doch wann werden sie endlich Theos Vater retten?

Vordergründig handelt es sich also um eine spannende Abenteuergeschichte. Doch Theo kann auf der Reise seine Familiengeschichte klären. Er erlebt, dass er zu viel mehr in der Lage ist, als er sich jemals zugetraut hätte, und wächst daran. Er lernt, Entscheidungen zu treffen, für andere und auch für sich selbst und seine Interessen einzustehen, was ihm nach seiner Rückkehr in den Alltag hilft, selbstbewusster aufzutreten.

Schwerer Einstieg

Mich hat die Geschichte nicht hundertprozentig überzeugt. Lange wird Theos tristes Dasein geschildert, die Probleme mit seinem Stiefvater, sein Unwillen, ins Ferienlager zu gehen. Zwar taucht zwischendurch das fliegende Schiff auf und macht neugierig, aber für mich war da zu viel Einleitung, bevor die fantastische Geschichte endlich losging. Kinder aus Patchworkfamilien können sich vielleicht gut mit Theos Lage identifizieren, anderen dürfte das schwerer fallen.

Ich hatte die Geschichte aus Zeitgründen unterbrochen und musste mich dazu zwingen, sie nach einiger Zeit noch einmal zu beginnen. Später wird es dann spannender und die Handlung fesselte mich durchaus. Die fantastische Welt ist ziemlich düster und grausam, das Ende traurig. Das Ende in der wirklichen Welt ist dagegen versöhnlich.

Auch wenn die Geschichte streckenweise spannend war und ich vor allem den sprechenden Raben Alchibar und den vergesslichen Smutje mochte, hatte sie auch ihre Längen.

Fesselnde Lesung

Stefan Kaminsiki gelingt es, allen Charakteren eine individuelle Note zu verleihen und ihnen Leben einzuhausen. Besonders seine Darstellung Alchibars finde ich sehr gelungen.

Fazit: Ein spannendes Abenteuer auf einem fliegenden Piratenschiff, das vor allem zu Beginn einige Längen hatte, in dem aber auch ein Familiengeheimnis geklärt wird und ein Junge zu sich selbst findet. Für Kinder von 9 bis 12 Jahren.

Ute Krause: Theo und das Geheimnis des schwarzen Raben. Gelesen von Stefan Kaminsiki. cbj audio 2018. 3 CDs, 3 Std. 36 Min., Euro 14,99, ISBN 978-3-8371-4330-0.

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