Silke Vry, Verena Herbst: Durch den Dschungel zu den Maya. Die abenteuerliche Reise von Stephens und Catherwood

Aufregende Entdeckungen

Als 1839 zwei Männer aus New York nach Mittelamerika aufbrachen, um nach „alten Steinen“ zu suchen, von denen sie gehört hatten, ahnte niemand, dass ihre Funde die damalige Ansicht über die Kulturen Amerikas über den Haufen werfen würden. Damals wurden die amerikanischen Ureinwohner als wilde, unzivilisierte Völker betrachtet. Doch die Funde von John Lloyd Stephens und Frederick Catherwood, genannt Mr Cath, zeigten, dass in Mexiko und Guatemala Hochkulturen gelebt hatten, die riesige Städte mit eindrucksvollen Bauten wie Pyramiden bauen und versorgen konnten und eine Schrift besaßen.

Dieses Bilderbuch beschreibt die beiden Reisen der beiden Forscher – die eigentlich Rechtsanwalt und Architekt und Zeichner waren –, auf denen sie Copán, Palenque, Uxmal, Chichén Itzá und viele weitere Mayastätten entdeckten.

Das Buch erklärt, dass zur damaligen Zeit viele Menschen an Altertümern interessiert waren, Ägypten, Griechenland und Italien galten als Wiege der Kultur. Dass es Vergleichbares auf amerikanischem Boden gab, hätten die Menschen damals nicht für möglich gehalten. Natürlich wussten die Einheimischen von den zerfallenen Gebäuden, aber da diese abseits der Orte lagen und vom Urwald überwuchert waren, waren sie nicht so offensichtlich.

Wo denn die „Ruinen“ seien, wollen John und Mr Cath wissen, die alte, versunkene Stadt. Aber das kann ihnen keiner der Einheimischen sagen. John und Mr Cath sind dem Verzeifeln nahe. Sind sie dafür wochenlang durch Schlamm gestolpert, mehrmals vom Maultier gefallen, blutverschmiert weitergeritten und von Moskitos fast aufgefressen worden?

Irgendwann dämmert es einem: „Auf der anderen Seite des Flusses, sind da nicht alte Steine?“

Die beiden Entdecker sind fasziniert von den Städten, die sie entdecken. Catherwoods Zeichnungen verbreiteten die Kunde von diesen Wundern in der Welt.

Das Buch stellt nicht nur die Reisen der beiden Männer dar – bzw. drei, auf der zweiten Reise wurden sie von Dr. Cabot begleitet – sondern versorgt die Leserinnen und Leser auch mit zahlreichen Hintergrundinformationen. Beispielsweise wird über die „Entdeckung“ Amerikas gesprochen, mit dem Hinweis, dass vorher dort auch schon Menschen lebten und mit einem Bericht über die Folgen für die sogenannten Indianer. Erklärt wird, wer die Erbauer der Städte waren, was man über die Maya herausgefunden hat und was nach der Rückkehr der Entdecker nach New York geschah. Auch was Malaria ist, wird erläutert, denn alle drei erkrankten daran, Stephens starb schließlich mit 46 Jahren an dieser Krankheit.

Stephens war der Erste, der die Ureinwohner Amerikas als die Schöpfer der Stätten im Dschungel ansah und der die Bedeutung ihrer Schrift erkannte. Bis heute verwenden Wissenschaftler die von Frederick Catherwood angefertigten Zeichnungen für Forschungszwecke.

Am Schluss werden die wichtigsten Museen in aller Welt aufgelistet, in denen man Maya-Kunst sehen kann.

Spannende Entdeckungsreisen

Ich habe als Kind Bücher über Forschungs- und Entdeckungsreisen geliebt. Als Bilderbuch wie hier hätte mir das auf jeden Fall gut gefallen. Wahre Geschichten, die noch dazu spannend sind – herrlich!

Die Entdeckungsreisen von Stephens und Catherwood sind nicht so bekannt, jedenfalls ist mir keine andere Publikation für Kinder bekannt, während es beispielsweise einiges zu von Humboldt oder Kolumbus gibt. Dabei war es wirklich atemberaubend, was sie ans Licht der Öffentlichkeit gebracht haben. Unter Einsatz ihrer Gesundheit haben sie 44 Mayastätten aus dem Vergessen geholt und die Sicht auf die ursprünglichen Bewohner Amerikas grundlegend geändert.

Der Bericht über ihre Reisen lässt sich recht spannend lesen, obwohl ich finde, dass da noch mehr möglich gewesen wäre. Die anstrengenden, zeitraubenden Reisen werden fast nicht geschildert, das Zitat oben fasst eine mehrwöchige Reise zusammen. Da gab es doch sicherlich schwierige oder gefährliche Situationen, Begegnungen mit Tieren usw., was den Kindern verdeutlicht hätte, dass es damals keine leichte Sache war, sich auf Mauleseln einige Wochen durch den dichten Dschungel zu kämpfen.

Sehr gut gefallen mir die Infobereiche, sowohl von der Gestaltung als auch von Inhalt.

Der Text ist für die Zielgruppe teilweise recht anspruchsvoll, allerdings gibt es ein Glossar, in dem Begriffe wir Mayordomo oder Hieroglyphen nachgeschlagen werden können. Die vielen Zeichnungen und Karten sind toll und hilfreich, allerdings finde ich, dass keine der Zeichnungen die Pracht der Mayastätten wirklich wiedergibt. Wer ein Kind hat, das sich für dieses Thema interessiert, sollte ihm nach der Lektüre ein paar Fotos zeigen. Vielleicht gibt es daheim einen Bildband, ansonsten kann man im Internet schauen.

Insgesamt finde ich das Buch gut gelungen, um bei Kindern Interesse an der Mayakultur und den Reisen der Entdecker zu wecken.

Fazit: Kinder von 8 bis 10 Jahren, die neugierig auf alte Kulturen sind und Entdeckungsreisen spannend finden, können in diesem Buch einiges über die Expeditionen von Stephens und Catherwood und die Maykultur erfahren.

Silke Vry, Verena Herbst: Durch den Dschungel zu den Maya. Die abenteuerliche Expedition von Stephens und Catherwood. Seemanns Bilderbande 2019. 40 Seiten, Euro 16,00, ISBN 978-3-86502-415-2.

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