Die Hopfenberg-Kinderbibliothek und meine Kooperation mit der Gemeindebücherei Fußgönheim

Eine ungewöhnliche Kooperation

Die Leserinnen und Leser der Facebookseite der Gemeindebücherei Fußgönheim wissen vermutlich, dass es eine Kooperation der Gemeindebibliothek mit meiner kleinen Bibliothek gibt und ich regelmäßig für Lesetipps auf dieses Blog verweise. Eine Kooperation zwischen einer Gemeindebibliothek in Rheinland-Pfalz und einer privaten Kinderbibliothek in Thüringen – wie kam das eigentlich zustande? Um es kurz vorwegzunehmen: Das Internet macht’s möglich. Nun möchte ich meine Bibliothek einmal ausführlich vorstellen.

Die Hopfenberg-Kinderbibliothek

Die Vorgeschichte

Seit neun Jahren bespreche ich Kinder- und Jugendbücher im Kinderohren-Blog. Anfangs rezensierte ich vor allem eigene Bücher meiner Söhne, doch nach und nach bekam ich mehr Rezensionsexemplare angeboten. Die Bücher, die für meine Söhne passend waren, wanderten danach in die Kinderzimmer, die anderen gab ich entweder an die Grundschule oder den Kindergarten im Ort weiter.

Eines Tages sah ich bei Kinderbuchbloggerin Stefanie Leo (Buecherkinder.de) ein Bild eines kleinen Kästchens in Hausform, das bei ihr vor dem Haus steht und in das sie die Rezensionsexemplare stellt – zum Mitnehmen für jeden, der mag. Das fand ich toll, so etwas wollte ich auch haben! Nach einigem Nachdenken kam ich aber zu dem Schluss, dass ich die Bücher nicht verschenken wollte. Lieber wollte ich eine Art Bibliothek haben, damit mehr Kinder in den Genuss der Bücher kommen.

Die Kinderbibliothek entsteht

Nach langer Suche fand ich schließlich einen Gartenschrank, der eigentlich für die Aufbewahrung von Gartengeräten, Blumentöpfen und ähnlichen Dingen gedacht war. Das Wichtige für mich: Er durfte draußen stehen. Ich bestellte ihn, strich ihn an, bastelte eine Schablone und sprühte den Namen aufs Holz.

Aufschrift: Kinderbibo – hoffentlich weithin zu sehen

Mein Mann befestigte den Schrank, ich räumte ihn ein und verteilte Flyer in unserem Wohngebiet, dem Hopfenberg. Im Juli 2015, gerade rechtzeitig vor den Sommerferien, war alles fertig und der Schrank wurde eröffnet. Zu meiner Freude kamen schnell die ersten Entleiherinnen und Entleiher.

Der Bücherschrank am Tag der Eröffnung – Juli 2015

Der Schrank ist zu klein!

Sehr, sehr schnell war der Schrank zu klein. Es kamen nicht nur ständig neue Rezensionsexemplare dazu, sondern viele Nachbarn, Freunde und Bekannte brachten aussortierte Kinderbücher vorbei. Das fand ich deshalb besonders schön, weil dadurch auch ältere Titel in die Bibliothek kamen. Ein paar Bücher habe ich auch gebraucht gekauft, weil ich fand, dass keine Kinderbibliothek beispielsweise ohne Bücher von Astrid Lindgren sein darf. Auch meine Söhne stellten mir nach und nach Bücher zur Verfügung, aus denen sie herausgewachsen waren.

Ich überlegte, wie wir die Bibliothek vergrößern könnten. In unsere Garage kann man von vorne durch das Tor kommen, es gibt aber auch eine Tür von der Seite, vor unserer Haustür. Diesen kleinen Bereich trennte mein Mann von der Garage ab, legte einen Fußboden hinein, ich strich die Wände und er baute mir Regale an die Rückwand. So viel Platz! Na ja, nur kurz darauf folgten auch noch schmale Regale an der Seite.

In der Garage steht nun die Belletristik, im Bücherschrank die Sachbücher.

 

Schwer zu fotografieren – die Kinderbibo heute

 

So funktioniert es

Bei mir gibt es keine Öffnungszeiten – die Bibliothek ist Tag und Nacht geöffnet. Nur an Silvester werden der Schrank ausgeräumt und die Tür abgeschlossen. Wir haben einfach zu viel Angst, dass irgendein Depp einen Knaller hineinwirft.

Das Ganze funktioniert ausschließlich auf Vertrauensbasis. Es gibt keine Ausweise und niemand kontrolliert, was mitgenommen und was wiedergebracht wird. An der Wand hängt ein Zettel, auf dem erklärt wird, wie es funktioniert. Die verschiedenen Altersgruppen werden durch farbige Punkte gekennzeichnet. Außerdem habe ich die Bücher für die Großen nach oben gestellt, damit die kleinsten Leser gar nicht erst drankommen. Trotzdem müssen die Eltern ein Auge darauf haben, ob die Kinder Bücher ausleihen, die für ihr Alter passen. Das scheint halbwegs zu klappen, jedenfalls hat sich noch nie jemand beschwert.

Am Anfang klingelte es manchmal an der Haustür und ein schüchternes Kind fragte, ob es wirklich einfach so Bücher mitnehmen dürfe. Oder Eltern erkundigten sich, weil ihnen die Sache vermutlich nicht ganz geheuer war.

Und wie läuft es?

Natürlich habe ich keinerlei Ausleihzahlen, aber ich höre oft, wenn Kinder in der Bibliothek sind. Ich muss ein bisschen vorsichtig sein, wenn ich zur Haustür hinausgehe, denn manchmal liegen Rollen oder Rädchen direkt davor. Oder ein Puppenwagen steht da. Eine Weile haben sich einige Nachbarskinder zu viert oder fünft in den kleinen Raum gequetscht und in den Büchern gestöbert, es war mir immer ein Rätsel, wie sie da überhaupt hineinpassten.

Ich gehe regelmäßig in die Bibo und räume auf. Ich sortiere die Bücher wieder richtig ein und drehe die Bücher wieder um, die mit dem Schnitt nach vorne eingestellt wurden (keine Ahnung, warum das offensichtlich so viele Kinder machen). Manchmal fragt mich jemand nach einem bestimmten Buch oder Eltern erzählen mir, dass ihre Kinder von Reihe A oder Buch X sehr begeistert waren. Oder ich sehe, wie mir teilweise völlig unbekannte Kinder mit einer gefüllten Tüte kommen, eine Weile in der Bibliothek bleiben und mit einem Stapel Bücher wieder abziehen. Darüber freue ich mich immer sehr.

Gibt es Schwund?

Klar, es gibt auch einen gewissen Schwund. Ich habe noch nie eine Inventur gemacht, aber manchmal fällt mir auf, dass ein Buch sehr lange fehlt. Besonders auffällig ist das bei Serien. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal ein paar Bücher nachgekauft, weil ich es so blöd fand, dass ausgerechnet erste Bände verschwunden waren. Aber nach meinem Gefühl hält es sich in Grenzen. Einmal erzählte mir ein Junge, dass er ein Buch nicht mehr wiederfindet – und nach einem ganzen Jahr brachte er es stolz zurück.

Ausblick

Leider ist die Bibliothek schon wieder viel zu klein. Unter anderem die Bastelbücher und die Kinder- und Familienreiseführer habe ich derzeit im Keller. Insgesamt sind über 1.300 Bücher im Bestand und hier liegen schon wieder einige, die ich noch inventarisieren muss.

Derzeit bastelt mir mein Mann einen neuen Schrank, der aber, das ist schon abzusehen, auch nicht lange reichen wird. Ich träume ja davon, unsere Garage in eine Bibliothek umzuwandeln, aber wohin mit Fahrrädern, Winterreifen, Leiter und Co.? Vom Auto mal gar nicht zu reden. Ich bin sehr glücklich, dass mein Mann mich und meine Bibliothek so sehr unterstützt, aber ich fürchte, so weit geht die Unterstützung dann doch nicht. 😉

Kooperation mit der Gemeindebücherei Fußgönheim

Die Gemeindebücherei Fußgönheim – das ist in der Nähe von Mannheim – hat eine Facebookseite. Jeden Montag postete dort Dagmar, die Bloggerin vom Buchkind-Blog, eine Leseempfehlung. Doch dann, ich weiß gar nicht mehr, wie lange es her ist, fragte mich Simone, die Bibliothekarin, ob ich mich nicht mit Dagmar abwechseln möchte. Seitdem veröffentliche ich dort jeden zweiten Monat wöchentlich Lesetipps.

Aber dabei ist es nicht geblieben. Als die Gemeindebücherei Bücher aussortierte, durfte ich mir welche aussuchen. Ich entschied mich vor allem für Sachbücher, unter anderem einen großen Stapel Was-ist-was-Bücher. Auch wie sollten diese Bücher nun nach Thüringen kommen? Kein Problem, auf dem Weg in den Urlaub brachte Simone sie mir eines Tages vorbei. Seitdem bereichern sie meine kleine Bibliothek. Eine tolle Aktion, über die ich mich sehr gefreut habe.

Leider habe ich es immer noch nicht nach Fußgönheim geschafft, aber irgendwann komme ich einmal vorbei, versprochen!

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