Heiko Hentschel: Das hungrige Glas

Entführt von einem Monster

Immer wieder verschwinden kleine Mädchen. Seit vielen, vielen Jahren. Nie wird eines von ihnen wieder gefunden. Nach einiger Zeit wechselt der Entführer den Ort, sodass er nie ergriffen wird. Doch dann verschwindet Moritz’ kleine Schwester Konstanze. Vor seinen Augen wird sie von einem Monster ergriffen und durch die Luft davongetragen.

Das Ungetüm hatte das Ende des Daches erreicht und sprang. Ein Blitz zerfetzte den Himmel.
Die Flügel spannten sich. Das Monstrum segelte von Dach des Waisenhauses durch den Ragen davon, Konstanze in seinen Fängen.

Niemand glaubt dem Jungen. Er flüchtet aus dem Waisenhaus. Sein Ziel: seine Schwester zu finden.

Auf seiner Suche lernt der dreizehnjährige Moritz den Monsterjäger Edgar und dessen Schwester Helene kennen. Die beiden reisen in einem merkwürdigen, dampfgetriebenen Gefährt durchs Land und sind … etwas merkwürdig. Doch Edgar nimmt Moritz unter seine Fittiche, lehrt ihn allerhand über Monster und verspricht seine Hilfe.

Eine vollkommen fremde Welt

Als Moritz Edgar kennenlernt, lernt er viel über einen ihm vollkommen fremden Teil der Welt. Dem ungestümen Jungen dauert alles viel zu lange – wann retten sie endlich Konstanze? Doch mit der Zeit erkennt er, wie nützlich Edgars Lektionen für ihn sind.

Das Monster ist allerdings nicht alles, was es zu besiegen gilt, denn es ist nur der Gehilfe einer uralten bösen Macht.

Moritz ist ein wahnsinnig sympathischer Junge. Ihm ist in seinem Leben übel mitgespielt worden, seine Schwester ist alles, was er noch hat – und dann wird sie ausgerechnet nach einem großen Streit entführt. Er würde alles tun, um sie zu retten. Nicht weniger ist es allerdings, was schließlich von ihm gefordert wird. Moritz kommt an seine Grenzen, doch er gibt nicht auf. Unterstützt wird er von einer überaus liebenswerten Elster.

Edgar und Helene sind ziemlich merkwürdige Typen. Die Leserinnen und Leser merken schnell, dass einiges an ihnen nicht wirklich normal ist, aber woran das liegt? Das erfahren sie erst spät im Verlauf der Geschichte. Das gibt, neben der Suche nach dem Monster und dem hinter ihm stehenden Entführer, eine zusätzliche Spannungsebene in die Geschichte.

Ebenfalls ein wenig merkwürdig, aber auch lustig, sind die kleinen Monster, die bei Edgar und Helene leben: die Boggelbies. Sie stoßen merkwürdige Geräusche aus, warnen vor Gefahren und bringen Moritz an den Rand der Verzweiflung, als er herausfinden muss, von was die kleinen Wesen sich wohl ernähren.

Sehr fantasiereich ist die Macht entworfen, die hinter all den Ereignissen steckt. Ich denke nicht, dass ich etwas Vergleichbares schon gelesen habe. Das Böse ist hier ungewöhnlich und vielschichtig.

Zurückgeworfen in eine alte Zeit

Die Handlung spielt in Ravensbrück im Jahr 1811. Durch einen Prolog wissen die Leserinnen und Leser schon mehr als Moritz. Sie wissen noch nicht, was genau hinter den Entführungen steckt, doch dass das Monster nicht alleine handelt, das haben sie schon erfahren. Im Laufe der Geschichte erhalten sie immer wieder Einblicke in die Macht, die hinter allem steckt. Wie soll ein Junge dagegen ankommen? Das scheint kaum möglich zu sein.

Die beiden Erzählstränge verweben sich immer mehr, bis es zum Aufeinandertreffen kommt. Doch das ist noch lange nicht der Showdown. Ein gefährlicher Kampf beginnt …

Sehr spannende Erzählung

Der Rahmen der Welt des Jahres 1811 wird durch die Erfindungen Edgars aufgebrochen, aber nicht übertrieben, sodass die Schilderung glaubhaft bleibt. Es gibt immer wieder spannende Momente, bis sich schließlich in den letzten Kapiteln die Ereignisse überschlagen. Moritz erfährt, was hinter dem Monster steckt, was es mit Edgar und Helene auf sich hat und muss Dinge tun, die er wenige Wochen zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Der Junge wächst über sich heraus und stellt sich seinen Herausforderungen.

Die Geschichte steckt voller Action, Spannung, traurigen und lustigen Elementen – und ab und zu läuft es einem beim Lesen eiskalt über den Rücken. Eine tolle Mischung, mit der ich viel Spaß hatte. Die Handlung ist in sich abgeschlossen, dennoch ist es der Auftakt einer Trilogie – welche Abenteuer wird Moritz wohl noch erleben? Das möchte ich unbedingt erfahren!

Fazit: Die fesselnde Geschichte um die Suche eines Jungens nach seiner Schwester, die von einem Monster entführt wurde, wird Leserinnen und Lesern ab 12 Jahren gefallen, die Fantasy, Action und etwas Grusel mit einer Prise Magie lieben.

Heiko Hentschel: Das hungrige Glas. Band 1. Südpol 2019. 352 Seiten, Euro 16,90, ISBN 978-96594-014-7.

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