Ein Bilderbuch über Trauer

Kristina Heitmann, Marie Lavis: Lass mich einfach traurig sein

nichts ist mehr so wie es war
und ich verstehe nicht warum

Jemand berichtet über seine Trauer. Wir erfahren keine Details über die Person, die nur als Silhouette gezeigt wird. Wir erfahren auch nicht, wer gestorben oder was sonst Einschneidendes passiert ist. Diese Person erzählt, dass sie manchmal nicht einschlafen kann oder manchmal aggressive Dinge tut, für die sie sich später schämt. Manchmal hat sie keinen Hunger und auf nichts Lust.

und dann kommt mein Freund uns sagt: du wirst sehen, es kommt ein neuer Tag und eine Nacht und dann wieder ein Tag und dann kommt eine neue Woche und ein neuer Monat
deine Verzweiflung wird immer noch da sein – aber nicht mehr so schlimm

Der Freund nimmt sie mit nach draußen, plötzlich fühlt sie wieder etwas, kann schimpfen oder lachen und es gibt wieder Hoffnung, dass es wirklich eines Tages besser sein wird.

Ein großes Dunkel

Dieses Buch visualisiert die Trauer vor allem durch Farben und die Typografie. Der größte Teil der Seiten ist schwarz. Mal steht die Schrift auf dem Kopf, um zu zeigen, dass plötzlich alles anders war, mal verläuft sie auf und ab wie die Gefühlswelt des Protagonisten. Die Zeichnungen sind wenig ausgearbeitet, aber dennoch teilweise sehr beeindruckend. So ist bei

manchmal kann ich nicht schlafen

auf jeder Hälfte der schwarzen Doppelseite ein riesiges Auge dargestellt, in den Pupillen sieht man Mond und Sterne.

Erst gegen Ende des Buches, als der Freund ihn mit nach draußen nimmt und er einen guten Moment hat, kommt langsam etwas Gelb ins Bild, bis schließlich eine ganze Doppelseite gelb ist.

Wie fühlt sich Trauer an?

Sehr gut wird vermittelt, wie die Stimmung eines trauernden Menschen schwanken kann: Angst, Wut, Aggressionen, Lustlosigkeit wechseln sich ab. Es ist ganz egal, welches Ereignis die Trauer ausgelöst hat, es fühlt sich ähnlich an. Das Kind versinkt wie in einem Loch, aus dem es alleine nicht herauskommt. Zum Glück hat das Kind in diesem Buch einen Freund, der kommt und ihm immer wieder Mut macht. Er überredet das Kind auch, wieder einmal nach draußen zu gehen. Da merkt der Trauernde, das es auch wieder schöne Momente gibt. Dass der Freund recht hatte, dass es besser wird. Besonders schön finde ich, dass der Freund ihm sagt, dass er ruhig brüllen und toben soll, dass er erzählen darf, was ihm Angst macht. Er muss nicht planen, sondern nur einen Tag nach dem anderen durchstehen. Dann wird es irgendwann zwar nicht gut, aber einfacher sein. Das finde ich sehr ehrlich und trotzdem tröstlich.

Für verschiedene Trauersituationen

Da im Buch überhaupt nicht angesprochen wird, was die Trauer des Kindes ausgelöst hat, lässt es sich für ganz verschiedene Situationen nutzen: einen Todesfall im Familien- oder Freundeskreis, den Tod eines geliebten Haustiers, das Miterleben eines Unfalls, eine andere Verlusterfahrung wie die Trennung der Eltern oder der Wegzug des besten Freundes usw. Das finde ich sehr gut gemacht.

Der Text und die Bilder sind sehr reduziert, wenige Worte reichen, oft sind nur Silhouetten zu sehen. Dennoch gelingt es sehr gut, Emotionen zu zeigen und deutlich zu machen, worauf es hier ankommt.

Fazit: Ein Bilderbuch, das Kindern im Grundschulalter zeigt, dass sie ihre Trauer zulassen dürfen, das ihnen aber auch erklärt, dass das Leben im Laufe der Zeit wieder einfacher werden wird.

Auf der Rückseite des Buches ist ein zweites Cover zu sehen, in dem die Farben vertauscht wurden: weißer Körper, schwarzer Hintergrund mit Sternen, gelber Mond. Dort ist das Kind traurig – also das Vorher-Bild.

Kristin Heitmann, Marie Lavis: Lass mich einfach traurig sein. Edition appp media 2019. 40 Seiten, Euro 14,90, ISBN 978-3-948362-01-0

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