Anne-Friederike Heinrich: Mückebär und die Suche nach dem geraubten Winter (Rezension)

Aput kaputt

Aput, das ist grönländisch für Schnee. Miki, genannt Mückebär, stellt fest: „Aput kaputt.“ Er ist der nur gummibärenkleine Eisbär, der die Hauptrolle in dieser Geschichte über den Klimawandel spielt. Der Schnee in Mückebärs grönländischer Heimat ist weitgehend geschmolzen, sodass die Tiere Hunger leiden müssen. Doch was ist die Ursache dafür? Der Polarfuchs weiß es, denn die Eiskönigin ist ihm in einem Traum erschienen und hat ihn verhöhnt. Sie hat alle Eiskristalle in ihrem Eispalast gefangen und eingesperrt. Was nun? Der kleine Mückebär und die große Eismöwe Edla sind die einzigen Tiere, die es wagen, etwas zu unternehmen. Sie machen sich auf den Weg in den Norden, um die Eiskristalle zu befreien. Unterwegs müssen sie einige Gefahren überwinden, doch die größte Gefahr droht im Schloss der Eiskönigin.

Können die beiden es schaffen, die Eiskristalle zu befreien, damit Schnee und Eis zurückzubringen und die Hungernot zu beenden?

Mut ist keine Frage der Größe

Als der Polarfuchs die Frage stellt, wer sich auf den Weg in den Norden macht, um den Palast der Eiskönigin zu suchen, meldet sich nur der Kleinste. Während alle anderen noch betreten unter sich schauen oder diskutieren, macht er sich ohne zu zögern auf den Weg. Er weiß, dass die Alternative der Hungertod ist. Auf seinem Weg zweifelt er immer mal wieder an seinem Vorhaben, sieht aber keine Alternative.

Die immer mürrische Eismöwe Edla mag den Mini-Eisbären sehr gern, aber nur im Geheimen, zugeben würde sie das nie. Deswegen kann sie es nicht zulassen, dass er den gefährlichen Weg alleine macht. Zum Glück, denn nur zu zweit können sie es schaffen.

Folgen des Klimawandels

Die Erlebnisse der Tiergemeinschaft machen die Folgen des Klimawandels sehr deutlich. Statt Eis und Schnee gibt es nur noch Matsch, die Eisschollen, von denen zum Beispiel die Eisbären jagen, sind geschmolzen. Fressen finden die Tiere nur noch auf der Müllkippe der Inuit, wo aber immer die Gefahr besteht, gejagt zu werden.

Um auch die Hintergründe der Geschichte zu verstehen, haben viele Seiten einen Rand mit weiterführenden Informationen.

Da das positive Ende zwar die Rettung der Polartiere bringt, aber auch den Leser*innen oder Zuhörer*innen klar sein dürfte, dass das in der Realität anders iste, endet das Buch mit zehn Tipps zum Klimaschützen.

Die Welt retten – aber wie?

Die eigentliche Geschichte von Mückebär, Edla und ihren Freunden ist gut dazu geeignet, den Kindern in Form eines spannenden Abenteuers die Folgen des Klimawandels näherzubringen. Fantasie und Realität wurden geschickt vermischt. Man bangt mit den beiden Helden, die eigensinnig, sympathisch und mutig sind, man kann nicht anders, als sie zu mögen.

Der Geschichtenteil wurde in größerer Schrift gesetzt, sodass auch noch nicht so erfahrene Leser*innen damit zurecht kommen sollten. Die Sprache ist eher gehoben, der Text im Großen und Ganzen gut verständlich. Die Sätze sind nicht zu lang, gelegentlich werden Ausdrücke verwendet, die vielleicht nicht alle Kinder kennen.

Der Anmerkungsteil ist in sehr kleiner Schrift gedruckt und dürfte schon deswegen viele Kinder überfordern, aber auch inhaltlich und sprachlich ist er teilweise anspruchsvoll. Hier findet man beispielsweise Informationen zu Eisbären und zum Klimawandel, aber es werden auch Wörter wie Inuit oder Fjord erklärt. Das war für mich sehr informativ, ich habe durchaus nicht alles gewusst. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass die Kinder das durchgängig lesen, zumal sie das immer wieder aus der Geschichte herausreißen würde. Ich vermute daher, dass die Informationen eher für die vorlesenden Erwachsenen gedacht sind, die dadurch in die Lage versetzt werden, die Fragen der Kinder zu beantworten.

Bei den hübschen Illustrationen überwiegen logischerweise die Farben Weiß, Hellgrau und Hellblau, was sie recht blass macht. Sie gefallen mir gut, es sind für den Umfang des Buches aber relativ wenige. Gerade beim Vorlesen ist es hübsch, wenn die Kinder auf jeder Doppelseite etwas zum Anschauen finden.

Am besten einfach vorlesen!

Wie man merkt, habe ich ein kleines Problem mit der Zielgruppe des Buches. Kinder ab 8, die das Buch selber lesen, werden von dem Anmerkungsteil möglicherweise verwirrt oder abgeschreckt werden. Am besten sagt man ihnen dazu, dass sie das ruhig ignorieren können oder nur anschauen, wenn sie eine Frage haben. Besser fände ich es, das Buch vorzulesen. Dann können die Vorlesenden aufkommende Fragen gut beantworten, da sie ausreichend mit Informationen dazu versorgt werden.

Fazit: Eine spannende Geschichte, die Kindern die Folgen des Klimawandels für die Arktis erklärt, mit vielen Hintergrundinformationen für Erwachsene und Klimarettungstipps für die Kinder. Zum Vorlesen für Kinder ab 6 Jahren oder zum Selberlesen für schon geübtere Leser*innen ab 8 Jahren.

Anne-Friederike Heinrich: Mückebär und die Suche nach dem geraubten Winter. BOD 2020. 164 Seiten, Euro 19,99, ISBN 978-3-75261135-9.

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Ich danke der Autorin Verlag für das Rezensionsexemplar.

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