Lena Hach: Mission Hollercamp 1 und 2. Rezension

Ferien voller Abenteuer

Die drei Freunde kennen sich schon ewig. In den Ferien treffen sie sich auf dem Campingplatz Hollercamp, wo sie viele Freiheiten genießen und jede freie Minute miteinander verbringen. Leon kommt mit seinen Eltern und wohnt im Wohnmobil. Seine ältere Schwester Mia darf alleine im Zelt übernachten. Jakub übernachtet mit seinem Vater immer in einem kleinen Zelt. Er ist schwerhörig und trägt knallblaue Hörgeräte. Bevor er ins Wasser geht, muss er sie immer herausnehmen und in einer wasserdichten Box verstauen. Emilys Oma ist Dauercamperin. Während Emily sonst wochenweise bei ihren Eltern lebt, darf sie die Ferien immer auf dem Campingplatz verbringen.

Früher haben sie die Zeit vor allem mit Schwimmen und Eis essen verbracht, doch in diesen Pfingstferien ist alles anders.

Band 1: Der unheimliche Fremde

Auf dem Campingplatz wird geredet. Ein unheimlicher Fremder taucht immer wieder auf. Niemand weiß, wo er wohnt, außerdem ist er immer barfuß. Für alles, was auf dem Campingplatz passiert, wird ihm die Schuld gegeben. Doch nachdem Leon, Jakub und Emily den Barfüßler zufällig kennenlernen, glauben sie nicht daran. Sie wollen herausfinden, wer hinter den beschmierten Hinweisschildern, dem Juckpulver im Anti-Mücken-Mittel und all den anderen Dingen steckt. Dabei fällt ihnen auf, dass einige Kinder aus dem Dorf sie auf dem Kieker haben.

Außerdem ist Leon entnervt, weil sein Onkel und seine Tante seine Cousine Charlie bei ihnen abgegeben haben, um ihre Eheprobleme in Ruhe klären zu können. Er hasst Charlie! Doch dann stellt sich heraus, dass das Mädchen in den rosa Kleidchen und den silbernen Sandalen, das so gar nicht auf den Campingplatz zu passen scheint, tolle Ideen hat und doch eine brauchbare Freundin ist.

Band 2: Das verlassene Boot

Endlich Sommerferien, endlich wieder Hollercamp. Leon, Jakub und Emily freuen sich, wieder beisammenzusein. Allerdings haben sie eine Warnung der Dorfkinder bekommen und müssen von Anfang an damit rechnen, dass etwas passiert. Sicherheitshalber planen sie gleich eine eigene Aktion. Natürlich wollen sie auch ihren Freund, den Barfüßer, auf seinem Hausboot besuchen. Doch das Boot ist verwaist und ein Fenster eingeschlagen. Was ist passiert? Ein Einbruch? Ist der Barfüßer etwa entführt worden? Dann taucht auch noch sein Hund Wolf auf – alleine.

Die drei müssen unbedingt herausfinden, was mit dem Barfüßer geschehen ist, um ihm zu helfen. Aber was sollen sie währenddessen mit Wolf machen? Hunde kosten auf dem Campingplatz extra, also müssen sie ihn verstecken.

Im Hollercamp wird es nicht langweilig

Die drei Hauptcharaktere sind einfallsreiche Zwölfjährige, die genau wissen, was sie wollen. Einer von ihnen hat immer eine gute Idee und sie ergänzen sich gut. Sie sind eine bunte Truppe: Jakub hat polnische Wurzeln, Emily Pratibha englisch-indische. Für die drei spielt das eigentlich überhaupt keine Rolle, es wird auch nur am Rande thematisiert, wenn beispielsweise Charlie sich nach Jakubs Dialekt erkundigt oder die Kinder bei Emilys Oma Mabel beim Vier-Uhr-Tee Scones verspeisen.

Eine größere Rolle spielt Jakubs Schwerhörigkeit. Für seine Freunde ist das ganz normal, sie wissen, dass er sie besser versteht, wenn sie ihn direkt ansehen oder dass sie ihm beim Schwimmen Zeichen geben muss. Es gibt jedoch in beiden Büchern Szenen, in denen Jakub unterstellt wird, doof zu sein, weil er nichts versteht, oder wo ihn jemand anbrüllt, anstatt deutlicher zu sprechen. Das finde ich gut gemacht, denn so erfahren die Leser*innen gleich, worauf es beim Umgang mit einem Schwerhörigen ankommt, ohne dass das belehrend ist.

Charlie, eigentlich Charlotte Helen, hat Leon mal einen Dartpfeil ins Bein geschossen. Kein Wunder, dass er sie nicht mag. Als Emily, deren Eltern getrennt sind, aber hört, dass sie auf dem Campingplatz abgesetzt wurde, weil ihre Eltern sich mal wieder gezofft haben, hat sie sofort Mitleid. Schließlich weiß sie als Scheidungskind Bescheid, wie schlimm so etwas ist. Und da Jakub sich möglicherweise ein bisschen in sie verknallt, was Leon aber nicht kapiert, steht er auch auf ihrer Seite. Sie entpuppt sich als tolle Ergänzung des Teams und ich war ein wenig enttäuscht, dass sie im zweiten Band nicht wieder dabei war.

Auch die Nebencharaktere sind teilweise schön geschildert: Leons mal nette, mal nervige Schwester Mia, der Barfüßler und Berta, die Betreiberin des Campingplatzes. Andere Erwachsene wie die Eltern oder Emilys Oma bleiben blasser. Das ist auch okay, denn in Ferientagen voller Freiheit sollen sie ja gar keine große Rolle spielen.

Was ist mit dem Fremden los?

Es gibt jeweils zwei wichtige Handlungsstränge: die sich entwickelnde Feindschaft mit den Kindern aus dem Dorf und der Fremde, der später zu ihrem Freund wird. Hier zeigt sich schön, wie leicht ein Mensch zum Sündenbock gemacht wird, nur weil er fremd ist, anders ist und andere Gewohnheiten hat. Dass der „Barfüßler“ immer barfuß läuft, aber einen Anzug trägt und Lebensmittel „stiehlt“ (er containert) macht ihn auf dem Campingplatz höchst verdächtig. Nur die drei Freunde machen sich die Mühe, genauer hinzuschauen – und das auch erst, nachdem er Leon aus einer gefährlichen Situation gerettet hat. Dieser Handlungsstrang zeigt, dass es sich lohnt, hinter die Kulissen zu schauen, einen Menschen und seine Beweggründe erst einmal kennenzulernen, bevor man über ihn urteilt.

Die Feindschaft der Kinder aus dem Dorf ist nicht ganz so originell. Es bleibt unklar, warum sie sich ausgerechnet die drei Freunde zum Ziel genommen haben. Viel schlauer für ihr Anliegen wäre es eigentlich, sich wechselnde Ziele auszusuchen und eher den Erwachsenen das Leben schwer zu machen, die schließlich die Entscheidung treffen, ins Hollercamp zu fahren. Deswegen finde ich die Erklärung für ihr Verhalten etwas dünn, aber solch eine Feinschaft sorgt für viele spannende und lustige Szenen.

Ein neuer Fall

Bei jedem Aufenthalt stehen die Kinder vor einem Rätsel, das zu lösen ist. Das macht ihre Ferien viel spannender, als sie es von früher gewohnt sind.

Die Geschichten werden von Leon erzählt. Er hat sie aufgeschrieben, aber zur Bestätigung des Inhalts von Emily lesen lassen, die viele Bemerkungen an den Rand gekritzelt hat, die häufig lustig sind, Leons Darstellungen bestärken oder ihre Sicht der Dinge ergänzen. Das zu lesen macht Spaß. Die Bücher lesen sich sehr angenehm, die Dialoge sind lebensnah, es ist keinen Moment langweilig, da passt einfach alles.

Abruptes Ende

Eigentlich hat mich nur eins gestört: Das erste Buch endet sehr abrupt. Die Pfingstferien sind noch nicht beendet, die Camper haben es immer noch auf den Barfüßler abgesehen, die Kinder haben niemanden darüber informiert, dass er mit den Vorfällen nichts zu tun hat. Auch dass die Dorfkinder nun Ruhe geben, ist nicht zu erwarten. Aber zack, Ende. Ich hatte erwartet, dass Band 2 direkt nach dem ersten weitergeht, aber nein, das war Monate später in den nächsten Ferien. Nicht ganz so krass war es in Band 2. Nach ihrem Rachefeldzug ist den Kindern klar, dass die Dorfkinder sich bis zu den Herbstferien etwas einfallen lassen würden. Aber der Sommerferienaufenthalt ist doch noch gar nicht vorbei?  Das hat mich nicht überzeugt.

Der dritte Band erscheint im Juli.

Fazit: Spannend, abwechslungsreich und toll zu lesen sind die Abenteuer der drei Freunde Leon, Emily und Jakub auf dem Campingplatz. Toll ist, dass ein Kind mit Hörbehinderung eine Hauptrolle spielt. Eine empfehlenswerte Reihe für geübte Leser*innen ab 9 Jahren.

 

Lena Hach: Mission Hollercamp 1: Der unheimliche Fremde. Mixtvision 2021. 203 Seiten, Euro 14,00, ISBN 978-3-95854-167-2.

Lena Hach: Mission Hollercamp 2: Das verlassene Boot. Mixtvision 2021. 187 Seiten, Euro 14,00, ISBN 978-3-95854-168-9.

__________________________________________________

WERBUNG (*)

Zur Verlagsseite – bei Amazon – im Onlineshop eurer Buchhandlung – und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

(*) Nach dem Telemediengesetz sind Links auf Verlage, Shops und Affiliate-Links (hier: Amazon) als Werbung zu kennzeichnen, übrigens ganz unabhängig davon, ob das Buch ein Rezensionsexemplar ist oder selbst gekauft wurde. Ich bekomme kein Geld von den Verlagen, sie stellen mir lediglich ein Buch zur Verfügung. Das verpflichtet mich zu nichts, ich schreibe auch kritische Rezensionen oder verzichte ganz darauf, ein Buch zu besprechen. Meine Meinung ist nach wie vor unabhängig. Die Links sind ein Service für euch Blogbesucher, auf den ich nicht verzichten möchte. Lediglich über den Amazon-Affiliate-Link verdiene ich etwas Geld – falls jemand etwas bestellt, nachdem er den Link benutzt hat, bekomme ich ein paar Cent.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.