Birgit Ebbert: 100 Dinge, die ein Grundschulkind können sollte

Nachdem sich Birgit Ebbert zunächst damit befasst hat, welche Dinge ein Vorschulkind können sollte (Rezension), setzt sie sich in ihrem neuen Ratgeber mit der Frage auseinander, welche Dinge denn ein Grundschulkind können muss. Ein Teil davon ist klar, ergibt er sich doch aus den Lehrplänen und Bildungsstandards der Bundesländer. Folgerichtig spielen die Schulfächer in ihrer Betrachtung eine wichtige Rolle. Doch wenn ein Kind in die Schule kommt, muss es zunächst einmal eines Lernen: das Lernen selbst.

Das Lernen lernen

So befasst sich das erste Kapitel denn auch mit dem  Thema „Lernkompetenz“. Ebbert weist hier zunächst darauf hin, dass unsere Welt einem derart schnellen Wandel unterliegt, dass Wissen schnell veraltet. Unsere Kinder werden sich also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf dem ausruhen können, was sie in der Schule mitbekommen, sondern sie werden immer wieder Neues lernen müssen. Und können die Eltern in der Grundschule noch viele Hilfestellungen leisten, wird das in der weiterführenden Schule zunehmend schwieriger. Umso wichtiger, dass die Kinder von Anfang an lernen, sich selbst und den Lernprozess gut zu organisieren.

Wie das gehen kann, zeigt Ebbert in vielen anschaulichen Beispielen. Eine der ersten Aufgaben, vor denen die Schüler stehen, ist das tägliche Ranzenpacken, sie müssen aber auch schaffen, sich über längere Zeit zu konzentrieren, ein Gedicht zu lernen oder sich Informationen zu beschaffen. In jedem Abschnitt erklärt Ebbert zunächst, worauf es ankommt, bevor sie Tipps zum Üben oder zur Bewältigung der Situation nennt. Dieses Üben muss dabei nicht gar nicht unbedingt als solches verkauft werden, häufig empfiehlt sie Spiele, die genau die gewünschte Fertigkeit trainieren. Andere Übungen haben schon einen sehr schulischen Charakter, aber hier ist es ja an den Eltern, das richtige Maß zu finden. Und was ist, wenn etwas gar nicht klappt? Auch hierfür gibt es Ratschläge. Im Fall von Konzentrationsstörungen beispielsweise müssen Eltern nicht gleich ADHS befürchten. Sie werden aufgefordert, erst einmal zu prüfen, ob die Rahmenbedingungen stimmen wie ruhige Lernumgebung, keine Störungen, genügend Schlaf usw.

Deutsch, Mathe und Co. – kein Hexenwerk

In den folgenden Kapiteln werden die Schulfächer Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen, Sachunterricht, Sport und die musischen Fächer behandelt. Natürlich gibt es nicht zu jeder Aufgabe, die die Kinder hier bewältigen müssen, ein lustiges Spiel. Manches muss einfach verstanden und geübt werden. Hier ist es hilfreich, dass Ebbert zunächst erst einmal erklärt, um was es bei der Aufgabe eigentlich geht. Für uns Eltern sind viele Dinge derart selbstverständlich, dass uns gar nicht bewusst wird, was Kindern daran unklar sein kann oder welche Schritte sie für das Verständnis erst machen müssen. Manches haben wir vielleicht auch vergessen, beispielsweise die deutschen Bezeichnungen für grammatische Fachbegriffe. So ist das Buch nicht nur ein Ratgeber, sondern hilft Eltern auch, den Lernstoff ihrer Kinder wieder ins Gedächtnis zu rufen. Haben sie schon einmal erlebt, wie Telefone heißlaufen, weil die Eltern nicht verstehen, wie eine Mathematikaufgabe zu lösen ist? Mit diesem Buch, in dem auch die verschiedenen Aufgabentypen erläutert werden, könnte das der Vergangenheit angehören …

Die Persönlichkeit entwickeln

Das letzte Kapitel heißt „Persönlichkeit“. Nun könnte man zunächst denken, dass eben jeder seine eigene, besondere Persönlichkeit hat und man dem Kind auch die Freiheit lassen möchte, sie zu entwickeln. Aber wenn man dann sieht, um was es hier geht, sieht man doch ein, dass man sein Kind auch bei dieser schwierigen Aufgabe unterstützen kann: ein positives Bild von sich selbst haben, Teil einer Gruppe sein, mit Gefühlen umgehen, sich selbst Ziele setzen, Enttäuschungen aushalten sind nur ein paar der angesprochenen Bereiche.

Das Buch vermittelt viele Fakten über den Lernstoff an Grundschulen, gibt praktische Tipps, Ideen für passende Spiele und Übungen. Natürlich wird niemand mit seinem Kind alles durcharbeiten wollen und müssen – vieles klappt ja zum Glück von ganz alleine. Als Information für die Eltern, was eigentlich in diesen Jahren auf ihre Kinder zukommt und was von ihnen erwartet wird, ist das Buch eine gute Handreichung. Vor allem macht es deutlich, was für eine Menge an Stoff die Kinder bewältigen müssen. Sicher kann es vielen Familien helfen, eventuelle Anfangsschwierigkeiten zu überwinden oder wenn im einen oder anderen Fach Defizite deutlich werden. In den vier Grundschuljahren wird es sicherlich immer wieder einen guten Grund geben, in dem Buch nachzulesen.

Birgit Ebbert: 100 Dinge, die ein Grundschulkind können sollte: So bringen sie Ihr Kind erfolgreich durch die ersten vier Schuljahre. So erkennen Sie rechtzeitig, ob Ihr Kind Unterstützung braucht. humboldt 2012, 220 Seiten, Euro 16,95, ISBN 978-3-86910-623-6.

Mehr Infos gibt es auf der Seite und dem Blog zum Buch: hier.

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