Pernilla Kannapinn: Die Prinzessin und das singende Holz. Eine Geschichte von Dunkelheit und Licht

Ein Märchen für Erwachsene

Dieses Buch liegt schon sehr lange hier. Ich habe es mehrmals angefangen und wieder beiseite gelegt. Warum? Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich hatte ein Märchen für Kinder erwartet, es stellte sich allerdings heraus, dass es ein Märchen für Erwachsene ist. Ich dachte, dass ich nicht richtig hingeschaut habe, als ich mir das Buch schicken ließ. Auf der Verlagsseite steht das Buch aber auch unter „Kinder und Jugendliche“ – und nein, das kann ich vorausschicken, das ist kein Buch für Kinder.

Vielleicht lag meine anfängliche Irritation aber auch daran, dass das Buch so ungewöhnlich und düster ist. Ich glaube, man muss in der richtigen Stimmung sein, um es zu lesen. Worum geht es?

Inski Pinksi, die kleinste Insel der Welt, hatte nur dreieinhalb Bewohner:

einen König, der über die Insel herrschte, dessen Frau, die die Gestalt einer Löwin hatte, ihrer beider wunderschöne Tochter, die Prinzessin und das kleinste goldene Wölflein.

Die Prinzessin wächst behütet auf, doch eines Tages überwiegen Neugier und Abenteuerlust und sie reist mit dem einzigen Boot davon, begleitet vom kleinsten goldenen Wölflein. Schließlich, nach schier endlose Fahrt, gelangen die beiden an ein Ufer. Sie laufen durch einen dunklen Wald, bis sie auf einen schrecklichen Schatten stoßen. Die Prinzessin möchte zurück zum Boot laufen, doch sie schafft es nicht ans Meer, der Wald nimmt kein Ende. Als sie einen Troll trifft und ihm begeistert von Inski Pinksi berichtet, packt dieser seine Sachen zusammen und folgt ihr, so verlockend erscheint ihm diese helle, freundliche Insel. Auf dem weiteren Weg begegnen der Prinzessin weitere Wesen.

Mein Wald hat kein Ende und wer ihn einmal betritt, dem löschen die dunklen Bäume den Tag und das funkelnde Meer aus und er findet nicht zurück.

Schließlich trifft die kleine Gruppe auf ein Wesen, das durch seine rücksichtslose Art zu leben den Wald – und damit die Lebensgrundlage aller anderen – zerstört und sogar eine Katastrophe auslöst. Als alles verloren scheint, stellt sich heraus, dass die Prinzessin eine Fähigkeit hat, mit der sich sich und ihre Freunde retten kann – vielleicht.

Surreale Handlung

Die Handlung ist düster, wirkt surreal und alptraumhaft. Alle Wesen auf der Insel sind in einer einzigen Aufgabe gefangen, horten voller Gier Schätze, wiederholen immer dieselbe (sinnlose) Handlung. Alles scheint auf Zerstörung ausgerichtet zu sein, alles ist böse oder zumindest mutlos. Als die Prinzessin einen Weg zur Flucht findet, keimt Hoffnung in den Leser*innen auf. Doch die Erkenntnis, dass das Böse vorausgeeilt ist, scheint alles zunichte zu machen. Kann es noch eine Rettung geben?

Das ist alles sehr düster, traurig, macht mutlos. Ja, das (offene) Ende ist hoffnungsvoll, aber insgesamt ließ mich das Buch nachdenklich und ein wenig bedrückt zurück. Möglicherweise habe ich nicht jedes Detail verstanden, doch die Grundaussage ist klar: Wir zerstören unsere Welt durch Gier, Habsucht und Egoismus. Ist es an einem Ort nicht mehr lebenswert, dann ziehen wir weiter, suchen den nächsten, noch heilen Ort und machen dort so weiter wie gehabt. Wird, wie im Buch, irgendwann eine Retterin kommen, die dem Ganzen Einhalt gebieten kann? Oder ist das Ende unaufhaltsam?

Wunderschöne Gestaltung

Die Gestaltung ist ungewöhnlich und faszinierend. Alle Seiten sind schwarz, was die Farben sehr leuchten lässt, aber auch zu einer gewissen Düsternis beiträgt. Die Schrift ist weiß und verschnörkelt, jeder Absatz beginnt mit einer größeren Initiale. Anfangs fand ich das etwas schwer zu lesen, doch ich gewöhnte mich rasch daran. Ab und zu ist ein Buchstabe rot – wenn man sich die Mühe macht, die roten Buchstaben im ganzen Buch zu suchen, ergeben sie noch eine Botschaft.

Bei einigen Bildern muss man zweimal hinschauen, um zu erkennen, was darauf abgebildet ist. So zeigt gleich das erste Bild eine halbierte Walnuss: der herzförmige Rand, die schmale Haut in der Mitte. Doch die Nuss nimmt die ganze große Seite ein, sodass man erst einmal kapieren muss, dass es sich um etwas Kleines handelt, das enorm vergrößert gezeigt wird. Viele Details nimmt man auf den ersten Blick nicht wahr, sondern entdeckt sie erst später. Auch viele Dekorelemente wie geflochtene Bänder zieren die Seiten, teilweise entwickeln sie sich aus Details der Bilder wie Pflanzen oder Wurzeln.

Viele Bilder verlaufen über eine Doppelseite – manchmal senkrecht, sodass man das Buch drehen muss. Angesichts des großen Formats kann man das Buch dann nicht mehr bequem halten, ich habe es neben mir aufs Sofa gelegt, um diese Seiten zu lesen. Ich war zunächst etwas irritiert, fand es dann aber faszinierend, wie eingefahren meine Lesegewohnheiten doch sind.

Fazit: Ein düsteres Märchen für Erwachsene mit einer traurigen Botschaft: Wir zerstören unsere Welt und es ist nicht klar, ob es noch eine Rettung geben kann. Die ungewöhnliche Gestaltung fasziniert.

Pernilla Kannapinn: Die Prinzessin und das singende Holz. Eine Geschichte von Dunkelheit und Licht. Worms Verlag 2019. 64 Seiten, Euro 28,75, ISBN 978-3-947884-05-6.

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