Jutta Treiber: Die knallbunte Couch

Das knallbunte Zeitgeschäft

Früher war Herr Bruno Journalist. Er war ständig auf der ganzen Welt unterwegs, hat viel erlebt und viel gearbeitet. Für eine Familie hatte er keine Zeit. Nun arbeitet er nicht mehr und hat auf einmal viel mehr Zeit, als ihm lieb ist. Er lebt wieder in seiner früheren Heimatstadt, aber er kennt dort niemanden mehr. Wenn er durch die Straßen spaziert, wundert er sich, wie viel sich verändert hat. Viele Geschäfte stehen leer. Das bringt ihn auf eine Idee. Er mietet einen Laden, stellt ein großes Sofa herein und bietet das an, was er im Überfluss hat: Zeit.

„Ganz einfach“, sagte Herr Benno. „Wer immer jemanden braucht, der ein wenig Zeit hat, kann hierherkommen. Kann mit mir reden, wenn er will, oder einfach nur die Stille genießen. Ich weiß es selbst noch nicht genau (…).“

Zuerst kommen Kinder. Sie haben Fragen zu den Mathehausaufgaben, erzählen von streitenden Eltern oder suchen einen ruhigen Ort zum Lesen. Später kommen auch einsame Erwachsene. Doch dann erscheint Lisa, die gerne eine Theatergruppe gründen möchte. Am Ende machen Große und Kleine mit, lernen sich besser kennen, finden neue Freunde und erreichen etwas Gutes für die ganze Stadt.

Im Angebot: Zeit und zuhören

Es ist eine Win-win-Situation: Herr Bruno bietet das an, was er im Überfluss hat, nämlich Zeit. Im Gegenzug bekommt er Gesellschaft und findet schließlich Freunde. Seine Kunden können endlich einmal loswerden, was sie bedrückt, finden Hilfe bei Problemen und einen Ort, an dem sie sich aufhalten können. Außerdem sorgt sein Laden für die Wiederbelebung der Straße, sodass viele davon profitieren. Trotzdem gibt es recht schnell ein Problem: In Österreich, wo die Geschichte spielt, kann man natürlich nicht einfach so einen Laden eröffnen. Man braucht Genehmigungen und eine Anmeldung. Doch nachdem Herr Bruno das geschafft hat, kann er einen zweiten Anlauf nehmen.

Was aus seinem Laden wird, hat der sympathische alte Mann vorher nicht absehen können. Aber er ist glücklich, als er sieht, wie vielen Menschen er letztlich mit dieser einfachen Idee helfen kann.

Die Schrift ist noch etwas größer, gelegentlich illustrieren Zeichnung in schwarz-weiß den Text. Sprachlich ist das Buch recht anspruchsvoll.

„Ich stelle Ihnen eine Gewerbebescheinigung für ein sogenanntes freies Gewerbe aus. Und definiere das Ganze als Beratungstätigkeit … was immer das dann ist.“

Dieses braune Packpapier mit den feuchten Flecken war für sie ein Symbol der Vergänglichkeit. (…) Hermine Mayer war immer eine zuvorkommende Geschäftsfrau gewesen (…).

Zugegeben, diese Sätze entsprechen nicht dem ganzen Buch, in dem zum Beispiel auch viel wörtliche Rede verwendet wird. Einige Austriazismen dürften den Kindern unbekannt sein, diese erschließen sich jedoch meist aus dem Text. Auch inhaltlich dürften ein paar Kleinigkeiten unbekannt sein, zum Beispiel das Schulsystem betreffend. Aber das finde ich nicht so schlimm, man kann sich ungefähr denken, um was es geht. Teilweise finde ich, dass die Sprache nicht nach Kindern klingt. Da erzählt beispielsweise Robert von einem Klassenkameraden und benutzt Wörter wie widerspenstig, unlängst oder vergönnen. Aber vielleicht ist das auch Österreichisch?

Ein tolles Angebot: Zeit zu verschenken

Die Idee des Buches gefällt mir sehr gut. Herr Benno ist glaubwürdig geschildert, seine kleinen und großen Besucher meist auch. Nur die Mutter, die ihr Baby abgibt, damit sie mal in Ruhe mit einer Freundin einen Kaffee trinken kann, obwohl Herr Benno sagt, dass er keine Ahnung hat – hmm. Die hoch und heilig verspricht, dass das Baby sowieso schlafen wird, was es auch tut – dann hätte sie es auch mitnehmen können. Aber ansonsten: Da werden Kontakte geknüpft zwischen Menschen verschiedener Generationen und Kindern, die verschiedene Schulformen besuchen oder aus verschiedenen Kulturen stammen (wobei ich Alis Vater recht stereotyp dargestellt finde). Alle lernen, mehr auf die Bedürfnisse der anderen zu achten und auch Eltern erfahren auf dem Umweg über Herrn Bennos Theaterstück endlich einmal, was ihre Kinder sich wünschen oder brauchen.

Fazit: Eine schöne Geschichte für Kinder ab 8 Jahren, die aber schon recht sicher lesen können sollten, sonst werden sie mit manchem Wort zu kämpfen haben.

Jutta Treiber: Die knallbunte Couch. Obelisk 2019. 96 Seiten, Euro 12,00, ISBN 978-3-85197-921-3.

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