Christine Werner: Blitzeinschlag im TerriTorium (Rezension)

Terris Freundin ist verliebt? Ihre Mutter auch?

Ein wenig nervt es Terri ja schon, dass ihre beste Freundin Nina verliebt ist. Okay, manchmal nervt es sie sogar ziemlich. Deswegen startet sie ein Forschungsobjekt. Sie notiert sich alles, was an Nina neuerdings verändert ist. Dabei fällt ihr auf, dass einiges davon auch auf ihre Mutter zutrifft, die sich in der letzten Zeit manchmal völlig anders verhält, als sie es gewohnt ist.

Terris Eltern sind geschieden. Eine Woche lebt sie bei ihrem Vater und seiner neuen Frau, mit der sie sich super versteht, in der anderen Woche bei ihrer Mutter Paulette, die immer noch niemand Neues kennengelernt hat. Oder doch?

Auch wenn sich das Verhalten ähnelt, gibt es einen großen Unterschied zwischen Nina und Paulette: Während Nina am liebsten ständig von ihrem Schwarm reden würde, macht Terris Mutter ein großes Geheimnis um die Sache. Nur zufällig findet Terri immer mehr heraus – und die Erkenntnis schockt sie dann doch erst mal etwas.

Liebesblitze voraus

Zuerst möchte Terri nur herausfinden, wie das mit dem Verlieben funktioniert, um sicherzugehen, dass ihre Mutter wirklich verliebt ist. Doch dann entwickelt sie Ehrgeiz. Seit der Begriff Liebesblitz gefallen ist, liest sie alles, was sie über Blitze finden kann. Dann überträgt sie diese Erkenntnisse aufs Verliebtsein. Das passt tatsächlich ziemlich gut. Irgendwann ist sie von der ganzen Angelegenheit so genervt, dass sie über einen Liebesblitz-Abwehrmechanismus nachdenkt, damit sie verschont bleibt.

Obwohl ihre Eltern geschieden sind und sie keine Bilderbuchfamilie hat wie Nina, ist Terri zu Beginn der Geschichte glücklich. Die Eltern verstehen sich noch und reden vernünftig miteinander. Sie fühlt sich sowohl bei ihrem Vater mit seiner neuen Frau und dem etwas nervigen Halbbruder wohl als auch bei ihrer Mutter. Sie hat sich mit den wöchentlichen Umzügen arrangiert und kommt gut klar. Doch dann wirft die neue Liebe ihrer Mutter und das Geheimnis, das diese darum macht, sie aus der Bahn. Ihre Gefühlswelt gerät durcheinander, als sie herausfindet, dass ihre Mutter sich in eine Frau verliebt hat. Eigentlich kommt sie mit dieser Erkenntnis relativ gut klar, aber warum erzählt ihre Mutter ihr nichts? Dass diese selber erst einmal mit ihren Gefühlen klarkommen muss und auch Angst vor Terris Reaktion und der Reaktion ihrer übrigen Umwelt hat, kann sie nicht nachvollziehen.

Es kommt zu einigen Trotzreaktionen und inneren Kämpfen, bevor sich am Ende alles einrenkt.

Fahnenwechsel

Wenn Terri die Wohnungen wechselt, muss immer ihre selbst gebastelte Fahne mit, grün mit Krone, mit der sie ihr „Terri-Torium“ markiert. Erst dann ist sie richtig angekommen. Doch am Ende der Geschichte wechselt sie die Fahne aus und wählt eine Regenbogenfahne, um zu zeigen, dass sie mit der neuen Beziehung ihrer Mutter einverstanden ist.

Terri ist ein sehr verständnisvolles, tolerantes Mädchen, doch auch sie braucht eine Weile, bis sie sich mit der neuen Situation arrangiert hat. Dabei macht ihr aber die Geheimnistuerei ihrer Mutter mehr zu schaffen als die Tatsache, dass sie sich in eine Frau verliebt hat. Diese, Michaela, ist nicht nur super nett, sondern teilt auch Terris Hobby, das Backen. Für sie ist backen die beste Methode, um wieder runterzukommen. Außerdem kann sie dabei wunderbar nachdenken. Ihr beste Freundin Nina ist ein Pferdemädchen. Es macht Terri nichts aus, stundenlang mit ihr im Stall zu verbringen, obwohl sie nicht reitet. Ninas Begeisterung für einen Jungen, an dem aus ihrer Sicht nichts Besonderes ist, macht es ihr allerdings manchmal etwas schwer, geduldig zu bleiben. Terris Vater ist Chemiker und man merkt, dass sie sein wissenschaftliches Denken übernommen hat, als sie ihre Blitzforschungen aufnimmt. Diese sind nicht nur informativ, sondern auch amüsant zu lesen.

Terris Mutter Paulette wirkt auf mich etwas überdreht, aber sympathisch. Ihr Wissenschaftler-Vater scheint nicht zu seiner neuen Frau zu passen, die etwas esoterisch angehaucht ist, aber das bringt verschiedene Sichtweisen in die Liebesblitz-Recherchen. Insgesamt sind die Charaktere recht glaubwürdig geschildert und sympathisch.

Überraschende Wendungen

Die Geschichte lässt sich sehr gut lesen. Die Sprache ist angemessen, viel wörtliche Rede lockert das Geschehen auf, Textnachrichten sind integriert. Einige überraschende Wendungen sorgen dafür, dass es nie langweilig wird.

Die wichtigsten Themen des Buches sind Verliebtheit und gleichgeschlechtliche Beziehung. Mir gefällt gut, wie Letzteres eingeführt wird. Terri hat eigentlich kein Problem damit, aber es ist doch komisch und ungewohnt, sich vorzustellen, dass ihre Mutter jetzt eine Partnerin hat. Aber wenn, dann bitte richtig. Dass das Ganze auch für ihre Mutter ungewohnt ist, die noch nicht wirklich weiß, wie sie mit der Erkenntnis umgehen soll, ist für Terri erst einmal schwer nachzuvollziehen. Deswegen reagiert sie in einer Situation über, in der Paulette ihrer Meinung nach falsch handelt. Das zeigt sehr gut und nachvollziehbar, wie alle Beteiligten mit der für sie neuen Situation erst einmal zurechtkommen müssen und machte die Handlung für mich sehr glaubwürdig. Es gibt eben kein plötzliches Happy End, sondern alles muss sich erst zurechtruckeln.

Einzig eine Sache gefiel mir nicht. Terri heißt in Wirklichkeit Theresa Emmanuelle Rosa Rohrbach-Ibrahim, ihre Mutter ist Französin mit algerischem Vater. Ich finde es etwas abgelutscht, dass die Hauptfiguren in Kinderbüchern oft unmöglich lange oder altmodische Namen haben, die sie total doof finden und die unbedingt abgekürzt werden müssen. Bei Terri kommt nun noch der multikulturelle Background hinzu, weshalb sie nach Aussage ihrer Mutter „auf der ganzen Welt zu Hause sein“ kann. Das spielt aber in der Geschichte eigentlich keine Rolle, hier geht es um verschiedene Arten von Liebe, weshalb ich es als zu viel gewollt empfand. Als ein Junge in der Schule sie nach ihrem Namen fragt, schleudert sie ihm den kompletten Namen mit Erklärung entgegen. Ich denke, jedes Kind, das von seinem Namen genervt ist und deswegen einen Spitznamen hat, hätte einfach mit diesem geantwortet. Aber da das im Prinzip nur eine Kleinigkeit ist, kann ich damit gut leben.

Fazit: Eine schwungvolle Geschichte über Verliebtheit, Liebe im Allgemeinen und gleichgeschlechtliche Liebe im Besonderen, bei der man ganz nebenbei einiges über Blitze lernt. Ein sensibles Thema wird hier offen und realistisch angesprochen. Ein tolles Buch für Kinder von 11 bis 13 Jahren, das ihnen zeigt, wie vielfältig die Welt ist – und dass das vollkommen okay ist.

Christine Werner: Blitzschlag im Terri-Torium. Mixtvision 2011. 223 Seiten, Euro 14,00, ISBN 978-3958554-150-4.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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