Rezension: Michaela Hanauer: Rulantica. Die verborgene Insel

Geheimnisvolle Unterwasserwelt

Die Insel Rulantica liegt verborgen hinter einer dichten Nebelwand. In Aquamaris, einer Unterwasserwelt rund um die Insel, leben Meermenschen. Einst waren sie Menschen, die die Insel bewohnten, doch wurden sie von den nordischen Göttern bestraft, weil sie sich über ein Verbot hinweggesetzt haben. In dieser Welt lebt Aquina, Tochter der Königin. Sie unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht von ihren Freundinnen. Nicht, weil sie eine Prinzessin ist, das findet sie eher lästig. Nein, ihr fehlt es an Fähigkeiten. Weder den Sirenengesang noch die Zaubereien beherrscht sie ordentlich. Außerdem ist sie überaus neugierig, was sie trotz des mütterlichen Verbots immer wieder heimlich an die Wasseroberfläche führt, von wo aus sie sich die Insel anschaut.

Als sie eines Tages zufällig mitbekommt, dass sie einen Bruder besitzt, der irgendwo in der Menschenwelt lebt und in Lebensgefahr ist, zögert sie nicht lange. Hals über Kopf bricht sie auf …

Ein starkes (Meer-)Mädchen

Anfangs wird eine freundliche Unterwasserwelt voller Meermenschen geschildert. Aquina fällt durch ihren Eigensinn auf, aber sie lebt sehr behütet im Muschelpalast ihrer Eltern. Man könnte denken, eine fröhliches Meermädchen-Geschichte erwartet einen mit Ärger in der Schule und Spaß mit den Freundinnen. Doch schnell wird die Handlung etwas düsterer. Auf der Unterwasserwelt liegt ein Fluch, immer deutlicher wird, dass eine Gefahr droht.

Aquina hat ihre Ohren überall, wo sie sie nicht haben soll, sie zögert nicht, Verbote zu übertreten, wenn sie keinen Sinn darin erkennt, und sie fasst schnelle Entschlüsse. Als sie erfährt, dass sie einen Bruder haben soll und dann weitere Details über ihre Vergangenheit hört, steht ihr Entschluss schnell fest. Aquina handelt sehr impulsiv, aber letztlich hätte sie ohnehin nicht planen können, denn alles, was danach passiert, wäre völlig außerhalb ihrer Vorstellungskraft gewesen. Aquina zweifelt immer wieder an sich, ihrer Identität, ihren Fähigkeiten, an allem, woran sie bisher geglaubt hat. Sie ist manchmal haltlos und verloren. Doch immer wieder findet sie die Kraft, um weiterzumachen.

Mats geht es ähnlich. Er wird mit so vielen neuen Informationen überschüttet, die unglaublich klingen. Doch er spürt sofort das Band zu Aquina und ist glücklich, dass es in seinem Leben plötzlich jemanden gibt, der zu ihm gehört. Er muss sich seinen schlimmsten Ängsten stellen, um zu seinem wahren Ich zu finden und ein schlimmes Unglück zu verhindern.

Aquina und Mats sind toll, aber besonders ins Herz geschlossen habe ich Snorri, den Sextopus. Er ist ein sechsarmiger Krake mit besonderen Fähigkeiten, der Aquina beschützt, mit dem sie sich aber leider kaum verständigen kann.

Fantasievolle Unterwasserwelt

Die Welt von Rulantica mit ihren beiden verfeindeten Herrscherinnen ähnelt zwar in manchem der Menschenwelt, doch viele schöne Details machen sie zu etwas Besonderem. Besonders gut gefallen mir die wilden Klepis, eine Art Unterwasserpferde. Diese Welt ist also nicht so exotisch, dass die Kinder sich nicht darin zurechtfinden könnten, aber doch ungewöhnlich genug, um sich dorthinzuträumen.

Die Menschenwelt ist nicht sehr detailreich geschildert, vor allem sind es die Dinge, die Aquina auffallen. Weil Mats übel mitgespielt wird, kommt sie im Vergleich zur Unterwasserwelt auch nicht so gut weg.

Als Drittes spielt noch die Welt der nordischen Götter eine Rolle, die bei der Entstehung von Rulantica und der weiteren Entwicklung ihre Finger im Spiel haben. Hier fand ich besonders interessant, die nächste Generation der Götter zu erleben, finde diese Rahmenhandlung anfangs aber ein wenig kompliziert für so junge Leser*innen.

Großes Abenteuer

Zwar ist Aquina diejenige, die Rulantica in ernste Gefahr bringt, doch sie ist auch diejenige, die sie retten kann – zumindest vielleicht. Bis sie jedoch alle Zusammenhänge versteht, dauert es und sie muss einige Abenteuer überstehen. Das ist sehr spannend zu verfolgen. Ich finde Aquina und Mats in sich sehr stimmig und glaubwürdig geschildert. Dass die Erwachsenen im Museum allesamt Ekel sind, fand ich etwas überzogen. Die Charaktere der Wassermenschen sind vielfältiger, wenn auch nicht sehr ausgefeilt, da die meisten nur kurz vorkommen.

Die Geschichte ist sehr schön aufgebaut. Immer wieder gibt es spannende Höhepunkte, dann kann man wieder kurz durchatmen, bevor die nächste „Actionsszene“ beginnt. Am Ende ging mir allerdings alles etwas schnell. Auch die Folgen werden kaum geschildert – man könnte den Eindruck bekommen, fast alles sei in Ordnung, dabei klang das kurz zuvor noch ganz anders.

Das Buch ist gut aufgebaut und lässt sich trotz seines Umfangs rasch lesen. Die Handlung beginnt allerdings nicht in Rulantica, sondern bei den nordischen Göttern. Ich mag so etwas ja, aber ich war mir nicht sicher, ob man an der Stelle nicht ein paar Leser*innen verliert, die keine Lust auf Mythologie haben, ich weiß nicht, ob es nicht günstiger gewesen wäre, die erste Szene in Aquamaris spielen zu lassen. Aber vielleicht täusche ich mich ja, außerdem ist der Prolog auch nur wenige Seiten lang.

Hübsche Gestaltung

Die Gestaltung ist sehr hübsch. Mats’ Seiten sind dunkelgrün. Die Göttergeschichte hat einen dunkelgrünen Rahmen, im Bereich der Seitenzahlen zieht sich ein verschnörkeltes Band über die Seiten und das etwas vergilbt wirkende Papier sieht aus, als wäre es einmal nass geworden und nun an einigen Stellen etwas fleckig. Es gibt Bilder verschiedener Größe, die teilweise ein wenig gruselig sind, vor allem das von Hel, und die die Unterwasserwelt für den Leser plastisch machen.

Fazit: Eine spannende und sehr unterhaltsame Geschichte für Kinder ab 10 Jahren über zwei (Meer-)Kinder, die auf der Suche nach ihrer Identität ein großes Abenteuer erleben.

Michaele Hanauer, Gelge Vogt: Rulantica 1. Die verborgene Insel. Coppenrath 2019. 336 Seiten, Euro 16,00, ISBN 978-3-649-62722-7.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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