Rezension: Akram El-Bahay: Anouks Spiel

Ein schrecklicher Wunsch

Anouks 13. Geburtstag sollte perfekt sein, doch dann stört das Geschrei ihrer kleinen Schwester Maya und macht alles kaputt, jedenfalls empfindet Anouk das so. Entnervt notiert sie, wie an jedem Geburtstag, einen Herzenswunsch: Ihre Eltern sollen wieder nur ihr gehören. Als sie erkennt, dass dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist, versucht sie, alles rückgängig zu machen. Sie erfährt, dass sie dazu ein Spiel spielen muss, und wird in eine fantastische Spielwelt katapultiert. Im Urwald, in der Wüste, auf dem Meer und in den Bergen muss sie Aufgaben gegen einen schwarzen Ritter gewinnen, bevor es in der Arena zum abschließenden Kampf kommt.

Die Risiken sind groß, die Aufgaben scheinen unlösbar. Doch mit dem Schimpansen Pan an ihrer Seite, der sie durchs Spiel begleitet, und neuen Freunden, die sie auf ihrer Reise gewinnt, nimmt Anouk die Herausforderung an.

Maya muss gerettet werden!

Wer hätte sich nicht schon einmal etwas gewünscht, was ihm hinterher peinlich war oder wofür er sich geschämt hat, weil es so unglaublich selbstsüchtig war oder anderen Menschen schweren Schaden zugefügt hätte. So geht es Anouk, die sich noch nicht daran gewöhnt hat, dass das sechs Monate alte Geschwisterchen viel der elterlichen Aufmerksamkeit einfordert. Doch in dem Moment, in dem sie erkennt, was sie mit ihrem Wunsch angerichtet hat, regt sich das schlechte Gewissen. Wie sich im Laufe des Spiels herausstellt, ist Anouk eigentlich ein mitleidiger, hilfsbereiter Mensch. Sie will nicht kämpfen, sie setzt sich für ihre Freunde ein und sie will Maya um jeden Preis zurückholen. Sie muss immer wieder über sich selbst herauswachsen, findet aber oft auch Spaß an den aufregenden Abenteuern, die sie erlebt.

Magische Spielewelt

An sich herrschen in der Spielewelt strenge Regeln und Anouks Begleiter, der Schimpanse Pan, ist da, um ihr diese zu erklären, sie zu leiten und zu unterstützen. Aber dieses Mal ist einiges schiefgelaufen. Nicht nur, dass Anouk alle vier Welten überstehen muss, außerdem tauchen Figuren in der falschen Welt auf. Es dauert lange, bis Anouk dahinterkommt, warum das geschehen ist und was das alles mit ihr zu tun hat.

„Alles, was ich sehe, ist wahrhaftig. Selbst die unschönen Wahrheiten verbirgst du nicht. Und das braucht eine besondere Form des Muts. Deine Worte sind es. Du bist es in der Tat. Heldenhaft.“

Fantastische Charaktere

Voller Fantasie wird eine merkwürdige Welt entworfen, in der alles möglich zu sein scheint. Anouk lernt seltsame Wesen kennen, alles ist belebt, auch Pflanzen können sprechen. Manche stehen ihr zunächst feindselig gegenüber, andere sind von Anfang an hilfsbereit. Doch meist schafft es Anouk durch ihre Hilfsbereitsschaft, ihr mitfühlendes Wesen und die Geschichten, die sie erzählen kann, die anderen auf ihre Seite zu ziehen. Man wünscht ihr von Herzen, erfolgreich zu sein. Doch das scheint unmöglich, denn der dunkle Ritter greift zu unfairen Mitteln und betrügt. Für Anouk ist das nicht möglich, sie würde in einem solchen Fall sofort disqualifiziert. Eine solche Ungerechtigkeit empört die Leser*innen, aber irgendwann klärt sich, warum das möglich ist.

Der Schimpanse Pan ist sehr Ich-bezogen. Ihm ist es wichtig, dass Anouk das Spiel gewinnt, weil er unbedingt den Pokal des Regelmachers für das beste Spiel gewinnen will. Überheblich reklamiert er jede Leistung für sich, was ihn wirklich unsympathisch macht. Aber Anouk ist auf ihn angewiesen. Im Laufe der Zeit lässt sogar er ab und zu sein Herz durchblitzen.

Mein liebster Charakter war der winzige, aber abenteuerlustige und herzensgute Wipfling Ki. Nachdem Anouk ihm in einer wichtigen Angelegenheit geholfen hat, hat er beschlossen, sie zu unterstützen. Und obwohl das angesichts seiner geringen Größe zunächst lustig erscheint, erweist er sich als überaus hilfreich.

Von manch einem anderen Charakter hätte ich gerne mehr gelesen, aber es liegt in der Natur der Geschichte, dass Anouk immer weiterziehen muss. Die Besonderheiten der Welten und ihre Bewohner haben mir aber so gut gefallen, dass es mir Spaß machen würde, ihnen in anderen Zusammenhängen wiederzubegegnen.

Unterhaltsame Lektüre

Das spannende Buch hat mich schnell in seinen Bann gezogen. Es besticht durch die fantasiereichen Welten, aber auch den Charakter der Protagonistin. Es ist sehr actionreich, hat aber auch nachdenklich Momente und philosophische Passagen.

Fazit: Ein spannendes, actionreiches Abenteuer für Kinder von 11 bis 13 Jahren, bei dem ein Mädchen in einer Spielewelt schwierige Aufgaben bestehen muss, um seine kleine Schwester zu retten. Eine Geschichte, die zeigt, dass man mit Hilfsbereitschaft, offenem Herzen manchmal weiterkommen kann als mit Kopf-durch-die-Wand-Mentalität.

Akram El-Bahay: Anouks Spiel. Ueberreuter 2020. 384 Seiten, Euro 14,95, ISBN 978-3-76415168-3.

Von Akram El-Bahay habe ich bereits Wortwächter besprochen, das mir auch sehr gut gefallen hat.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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