Nicole Rensmann: Das Haus an der Ecke mit der Hexe darin. Rezension

Wenn Feinde zusammenarbeiten müssen

Der fast dreizehnjährige Pete wird häufig von einigen Klassenkameraden gehänselt oder verprügelt. Also trödelt er nach der Schule gerne herum und versucht, ihnen auszuweichen. Das klappt nicht immer, und so gerät er zusammen mit seinem Freund Jo in eine wilde Verfolgungsjagd, die mit einer Prügelei vor dem Haus an der Ecke endet.

Ja, genau vor diesem Haus, in dem angeblich eine Hexe lebt. Es ist ein merkwürdiges Haus, uralt, sehr heruntergekommen und im Garten ist alles schwarz und verdorrt. Gruselig! Durch ihre Prügelei brechen die Jungen einen Zauber, wodurch der Garten zu blühen beginnt. Zumindest Pete kann Haus und Garten nun in altem Glanz sehen. Als er ein Mädchen an einem Fenster entdeckt, ist seine Neugier geweckt: Wer ist das? Und was hat es mit der anderen Gestalt auf sich, die er entdeckt?

Pete möchte unbedingt hinter das Geheimnis des Hauses kommen, fragt herum und forscht in der Bibliothek nach. Wie kann es sein, dass er ein strahlendes, belebtes Haus sieht, die meisten anderen aber nur die heruntergekommene Bruchbude? Doch dann geschehen plötzlich merkwürdige Dinge – die Eltern verschwinden. Ihre Suche bringt die Kinder zu dem alten Haus. Pete, Jo, Jos Schwester Karin und schließlich sogar Raufbold Frank erleben in dem alten Haus unerklärliche, gruselige Dinge. Was ist wahr und was ist eine Illusion? Was hat es mit den beiden Bewohnerinnen auf sich? Die Kinder setzen sich in den Kopf zu helfen, doch dabei geraten sie und andere in große Gefahr.

Ungleiche Helden

Pete ist ein Außenseiter, der gerne einmal gegängelt wird. Er ist unsportlich, eine absolute Leseratte und wird von seinen Klassenkameraden als Streber bezeichnet. Er hat zwar Angst vor seinen Verfolgern, will sich aber auch nicht immer alles gefallen lassen. Seiner alleinerziehenden Mutter erzählt er nicht von seinen Problemen, kann aber Veilchen nicht vor ihr verheimlichen.

Zum Glück hat Pete Jo, der zwar auch ein Außenseiter und außerdem ein Schulschwänzer ist, aber sportlich und ein Draufgänger. Petes Mutter mag ihn nicht, weil er eigentlich gar nicht zu Pete zu passen scheint und ihn zu Unfug anstiftet, den dieser alleine nicht getan hätte. Ständig gibt es deswegen Ärger mit dem Direktor. Jo hat einen sehr dominanten, prügelnden Vater und eine Mutter, die zwar versucht, ihre Kinder zu schützen, aber sehr verängstigt ist.

Interessant ist Jos kleine Schwester Karin, die zwar die Jüngste ist, aber nichts Ungewöhnliches sieht und deswegen wie die Einzige wirkt, die vernünftig geblieben ist. Die Leser:innen wissen natürlich mehr als sie. Doch auch Karin muss zugeben, dass sich merkwürdige Dinge ereignen.

Die drei Schlägertypen ähneln allen Mobbern der Welt. Torben ist der Anführer, der Frank und Micha im Griff hat und sie anstachelt, auf Pete und Jo loszugehen. Dass Frank ohne Torben gar nicht so übel ist, finden die beiden Freunde im alten Haus heraus.

Die Eltern spielen zwar eine wichtige Rolle in der Geschichte, ebenso wie der Direktor, die Bibliothekarin und der Polizist, doch sie bilden letztlich nur den Hintergrund für die Erlebnisse der Kinder. Für Jo und seine Schwester ergeben sich daraus wichtige Veränderungen.

Die Hexen Vivet und Moriet – man beachte die sprechenden Namen – sind nicht nur äußerlich schwarz und weiß. Sie verkörpern den Kampf des Guten gegen das Böse, der hier oft recht gruselige Züge annimmt. Wie er ausgeht, wird hier nicht verraten.

Spannende Geschichte mit Gruselfaktor

„Das Haus an der Ecke“ ist eine spannende Geschichte. Die Beteiligten lernen, ihren Augen nicht zu trauen. Hinter allem kann sich etwas anderes verbergen, nichts ist dauerhaft und verlässlich schwarz oder weiß. Sie geraten in einen Kampf mit ungewissem Ausgang, einen Kampf zwischen gut und böse. Der Gruselfaktor ist bisweilen hoch, fast möchte man nicht weiterlesen, weil einem gerade der Atem wegbleibt. Dass die Geschichte in den Achtzigern spielt, verleiht ihr für mich als Kind dieser Zeit einen gewissen nostalgischen Charme. Natürlich ist es auch für die Handlung von Bedeutung: Recherchen können nicht von zu Hause im Internet durchgeführt werden, sondern man muss dazu in die Bibliothek. Weder können die Kinder ihre vermissten Eltern mal eben am Handy anrufen noch umgekehrt.

Neben der eigentlichen Handlung spielen die Themen Mobbing und häusliche Gewalt eine Rolle.

Die gut erzählte Geschichte hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Etliche überraschende Wendungen sorgten dafür, dass die Spannung aufrechterhalten wurde. Pete, Jo und Karin sind Charaktere, die ich mochte und deren Weg ich gerne verfolgt habe. Die Entwicklung einiger der Figuren hat mir ebenfalls gut gefallen. Bei den Hexen wusste ich anfangs nicht so recht, was ich von ihnen zu halten habe. Es war spannend zu sehen, wie sie sich entwickelten, vor allem bei Vivet.

Fazit: Eine spannende und originelle Geschichte mit Gruselfaktor für Leser:innen ab 12 Jahren.

Nicole Rensmann: Das Haus an der Ecke mit der Hexe darin. Edition Tilde/BOD 2021. 320 Seiten, Euro 12,00, ISBN 9783753401393.

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