Isabel Acker, Eva Künzel: Die lange Reise im Fahrstuhl

Im Hochhaus ist viel los

Familie Sahin wohnt im 20. Stock des Hochhauses. Am Morgen steigt sie in den Fahrstuhl und macht sich auf den Weg nach unten. Unterwegs hält der Fahrstuhl immer wieder an und neue Leute steigen zu. Sie kommen ursprünglich aus aller Welt, zum Beispiel aus Russland, den Niederlanden, Kroatien, Brasilien, der Türkei, Kamerun oder China. Im Fahrstuhl treffen aber nicht nur unterschieldiche Kulturen aufeinander, sondern auch Alte und Junge, Rentner und Berufstätige, Familien und Singles, ein alleinerziehender Papa und ein lesbisches Paar und auch Hunde und eine Katze.

Gerade als Herr Sahin hustet, macht es „Ding“ und Herr Kaiser steht am Fahrstuhl. Es rattert laut, als er seinen Rollator über den Spalt zwischen Stockwerk und Fahrstuhl schiebt.
„Grüß Gott“, sagt er. „Guten Morgen“, sagen die anderen.

Die Wände der Stockwerke sind bemalt. Ziemlich dezent, sodass man es auf den ersten Blick für das Muster hält. Aber dann erkennt man, dass dort alles voller Referenzen auf das jeweilige Herkunftsland der Person ist: Immer sehen wir eine Weltkarte und das Land mit einem Pfeil dahin, wo es auf der Weltkarte zu finden ist, sowie die Flagge. Außerdem werden Tiere, Pflanzen, Personen, Gegenstände und Gebäude gezeigt, die für das jeweilige Land typisch sind. Bei Herrn Kaiser, der aus Österreich stammt, sind das unter anderem Mozart, Sachertorte, eine Gämse, die Alpen, Edelweiß und ein Steinadler.

Auf dem vorderen und hinteren Vorsatz werden die Personen vorgestellt, z. B.

Polya Ivanovam stammt aus Bulgarien und arbeitet als Grafikerin

Während der Aufzugsgeschichte kann man nicht immer gleich einordnen, woher jemand kommt (dazu müsste man die Wandbemalung zurate ziehen), hier hat man alle vorkommenden Personen und Tiere übersichtlich beisammen.

Menschen und Kulturen kennenlernen

Beim ersten Lesen wird man sich vermutlich auf den Text und das Geschehen im Fahrstuhl konzentrieren. Der Fahrstuhl wird immer voller, die Kinder machen Faxen, der Professor versucht zu lesen, zwei junge Leute flirten ein wenig usw. Außerdem staunt man, wie viel Platz in diesem Fahrstuhl ist – obwohl dann doch nicht alle mitfahren können, der chinesische Austauschstudent mit seinem Fahrrad passt nicht mehr hinein.

Erst beim zweiten Lesen wird man vermutlich genauer auf die zarten Zeichnungen auf den Wänden achten, wobei man einiges über die Kultur der Zusteigenden erfährt.

Mir gefällt sehr gut, wie viele unterschiedliche Menschen hier aufeinandertreffen. Sie stammen nicht nur aus sehr unterschiedlichen Ländern, sie haben auch ganz unterschiedliche Lebenskonzepte.

Das finde ich sehr schön, wobei es ein klein wenig problematisch ist, dass alle wieder darauf reduziert werden, wo sie oder ihre Familien ursprünglich herkommen. Schon in der dritten Generation in Deutschland und es ist egal, wo die Vorfahren irgendwann einmal herkamen – so etwas kommt nicht vor. Aber es wäre auch schwer, beide Ansprüche gleichzeitig in einem Bilderbuch zu zeigen: „Hier leben viele unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Herkünften und Lebensentwürfen friedlich zusammen und es ist gut so“ versus „Hier leben viele unterschiedliche Menschen und auch wenn sie unterschiedlich aussehen mögen oder ihre Namen darauf hindeuten, dass ihre Vorfahren aus anderen Ländern stammen, ist das so normal, dass es nicht thematisiert werden muss.“.

Allerdings könnte man das als Vorleserin oder Vorleser einfach einfließen lassen. Denn es ist klar, dass das ein Buch ist, das man nicht einfach von vorne bis hinten durchliest, sondern das viele Fragen aufwirft und zu Kommentaren anregt. Der Text ist ja recht knapp, aber die wimmeligen Fahrstuhlszenen und die Wandbemalungen sorgen dafür, dass es in diesem Buch viel mehr zu entdecken ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Fazit: In Deutschland leben Menschen aus den verschiedensten Kulturen und mit unterschiedlichen Lebensentwürfen zusammen – hier komprimiert am Beispiel eines Hochhaus-Fahrstuhls gezeigt. Ein lustiges und informatives Bilderbuch für Kinder von vier bis sieben Jahren.

Isabel Acker, Eva Künzel: Die lange Reise im Fahrstuhl. Alibri 2019. 32 Seiten, Euro 14,00, ISBN 978-3-86569-264-1.

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