Rezension: Antje Herden: Keine halben Sachen

Falsche Freunde?

Schüler Robin, 15, lernt Leo kennen und ist geschmeichelt, dass sich dieser coole Typ für ihn interessiert. Zusammen schwänzen sie die Schule, saufen, rauchen kiffen. Nachdem Leo Robin erst ermutigt hat, wird er später zum Bremser, aber vergeblich, Robins Neugier ist geweckt und er probiert auch härtere Sachen aus. Außerdem erlebt Robin sein erstes Mal, allerdings mit dem „falschen“ Mädchen, denn verliebt ist er in eine andere. Sein Leben droht komplett abzustürzen.

Leben auf der Kippe

Robin ist froh, durch Leo aus seinem langweiligen Leben ausbrechen zu können. Bereitwillig lässt er sich zum Schwänzen verführen und probiert danach alles aus, was das Leben ihm bietet. Da seine alleinerziehende Mutter wenig Geld hat, sind auch seine Geldmittel knapp. Wenn er sein Geld für Alkohol oder Drogen ausgibt, bleibt eben nichts für Essen übrig. Ziemlich schnell wird Robin zum Wrack, dennoch genießt er sein Leben oder redet sich zumindest ein, das zu tun.

Coming of Age

Ich hatte einige Probleme mit diesem Buch, habe es dreimal begonnen und wieder aus der Hand gelegt. Vielleicht bin ich einfach zu alt für Coming-of-Age-Bücher. Dabei spielte sicher eine Rolle, dass mir Robin unsympathisch war und ich mich eher in seine Mutter einfühlen konnte. Ich denke jedoch, dass es auf Jugendliche, die sich in einer ähnlichen Situation wie Robin befinden, einen ganz anderen Eindruck macht. Es spricht ja wichtige Themen an: Langeweile in der Schule, Einsamkeit, erste Verliebtheit, erster Sex, Agressionen, Gewalt, die Möglichkeiten, durch weiche oder harte Drogen dem Alltag zu entfliehen. Und das, was geschildert wird, wird nicht irgendwie sprachlich abgemildert, sondern es wird ganz klar gesagt, was Sache ist.

Ein weiterer Punkt, mit dem ich ein Problem hatte, war der gewöhnungsbedürftige Stil. Die Sprache ist hart, direkt, schonungslos, ebenso wie das Geschehen. Das war vollkommen okay. Robins Geschichte wird durch ihn selbst erzählt, gerichtet ist sie an Leo. Das wirkt ein wenig merkwürdig. Warum sollte Robin Leo einen Brief schreiben, in dem er die ganzen Erlebnisse noch einmal berichtet? Leo war doch schließlich fast immer dabei. Ich erwartete, dass irgendetwas passiert, was das nötig macht. Die Aufklärung, die ganz am Ende erfolgt, hat mich vollkommen überrascht. Ich musste feststellen, dass ich das Buch unter falschen Vorzeichen gelesen habe, kann aber nicht verraten, woran das gelegen hat.

Ich glaube, noch einmal mit dem Wissen vom Schluss gelesen würde es ganz anders wirken.

Das psychedelische Cover, das vermutlich wirken soll wie auf einem Trip, passt gut zu Robins Gemütszustand.

Keine halben Sachen ist in der Kategorie Jugendbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und hat den Peter Härtling Preis 2019 gewonnen.

Fazit: Ein Buch, das viele wichtige Themen für Jugendliche anspricht und bei dem ich mir vorstellen kann, dass es Jugendliche ab 14 brennend interessiert, weil es für sie relevant ist. Ich habe leider keinen richtigen Zugang dazu gefunden.

Antje Herden: Keine halben Sachen. Beltz und Gelberg 2019. 144 Seiten, Euro 12,95, ISBN 978-3-407-81248-3.

Ich werde versuchen, alle Bücher zu besprechen, die für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert sind. Auf einer Übersichtsseite sammele ich Links zu allen Rezensionen.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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