Tui T. Sutherland: Wings of Fire 1 bis 5

Fünf junge Drachen wollen die Welt retten: Spannendes Drachen-Fantasyabenteuer

Vorgeschichte:

Lange Jahre herrscht schon Krieg auf Pyrrhia, der Heimat sieben verschiedener Drachenstämme. Er wurde durch den Tod der Königin der Sandflügler ausgelöst, deren drei Töchter um die Nachfolge streiten, sich Verbündete gesucht und dadurch fast das ganze Land in die Kämpfe hineingezogen haben. Nur die Regenflügler, die angeblich nichts anderes tun, als faul in der Sonne zu liegen, sind nicht beteiligt.

Eine Prophezeiung hat vorhergesagt, dass der Krieg eines Tages durch fünf Drachlinge beendet werden wird, die in der der hellsten Nacht geboren wurden: ein Nachtflügler, ein Sandflügler, dessen Ei einsam in der Wüste versteckt war, ein Erdflügler aus einem roten Ei, ein Himmelsflügler und ein Meeresflügler. Einige Kriegsparteien wollen die Geburt dieser Retter verhindern. Deswegen sucht eine Friedensbewegung fünf Eier, auf die die Beschreibung passt und bringt sie in eine versteckte Höhle, wo die Drachlinge aufgezogen und ausgebildet werden sollen, bis sie so weit sind, die Prophezeiung zu erfüllen. Doch das Ei des Himmelsflüglers wird zerstört, sodass ein Drache auf die Schnelle ein Regenflügler-Ei besorgt.

Handlung:

Die fünf Drachlinge sind eine Enttäuschung. Sie sind klein gewachsen, haben keine besonderen Fähigkeiten, sind schlechte Kämpfer oder antriebslos. Mit denen ist kein Krieg zu gewinnen, meinen ihre drei Betreuer, die sie gnadenlos schleifen.

Als die fünf mitbekommen, dass Regenflüglerin Glory getötet werden soll, weil sie nicht in die Prophezeiung passt, planen sie die Flucht. Dadurch versetzen sie das Land in Aufruhr und lösen eine Kette von Ereignissen aus.

In den fünf Büchern lernen die Drachlinge die verschiedenen Königreiche kennen, die Sandköniginanwärterinnen, einige finden ihre Eltern oder einen Elternteil. Sie erleben zum ersten Mal die für einen Drachen ihrer Art typische Lebensweise und entdecken ihre Fähigkeiten. Während ihrer Gefangenschaft haben sie sich permanent gestritten, aber nun merken sie, dass sie eine Familie sind und Zusammenhalt und Vertrauen am wichtigsten sind.

Die fünf Drachlinge stellen fest, dass die meisten Drachen sich nichts sehnlicher wünschen als Frieden und von ihnen erwarten, dass sie sich für eine der drei Sandflügler-Konkurrentinnen entscheiden. Doch eine ist schlimmer als die andere. Werden sie trotz aller Gefahren und Hindernisse die Prophezeiung erfüllen und der Welt Frieden bringen?

Das Leben entdecken

Wir lernen die fünf Drachlinge als eingesperrte Schüler in einer Höhle kennen, die niemand anderen kennen als ihre vier Leidensgenossen und ihre drei Lehrer. Alles, was sie von der Welt wissen, haben sie von den Lehrern oder aus Schriftrollen gelernt. Sie streiten den ganzen Tag, träumen von der Freiheit, sehnen sich danach, ihre Eltern und Familien kennenzulernen.

Nach ihrer Flucht stellen sie fest, dass sie auf das echte Leben nicht vorbereitet sind. Sie können nicht einmal richtig jagen. Was sie über ihre eigene Kultur gelernt haben, war teilweise dürftig, sodass sie überrascht sind, als sie sie kennenlernen. Dabei gibt es freudige Erkenntnisse, aber auch Enttäuschungen. Für alle ist es fantastisch, die Dinge kennenzulernen, die für ihre Art typisch sind: im Meer zu schwimmen, Sand oder Matsch unter den Klauen zu spüren, in der Sonne Energie zu tanken. Wie sich herausstellt, entwickeln sich manche ihrer Fähigkeiten auch erst durch dieses typische Verhalten.

Die fünf Drachlinge

Clay, der Erddrache, ist ein gemütlicher Typ mit starkem Beschützerinstinkt und ständigem Appetit. Die Lehrer versuchen, eine Kampfmaschine aus ihm zu machen, was gründlich misslingt.

Sunny ist eine Sandflüglerin, aber, wie ihr immer gesagt wird, missraten. Ihr fehlt der Giftstachel am Ende ihre Schwanzes und sie ist ungewöhnlich klein. Sie redet viel, ist sehr harmoniebedürftig, voller Mitleid und kann sehr diplomatisch sein. Alle lieben sie wegen ihrer ständigen guten Laune und weil sie immer das Gute in allen sieht, aber niemand nimmt sie ernst.

Die Meeresflüglerin Tsumani ist fest davon überzeugt, dass sie eine verlorene Prinzessin ist, wie in ihrer Lieblingsgeschichte. Sie ist sehr von sich überzeugt, schnell von den anderen genervt und kann alle anderen nicht leiden – oder tut zumindest gerne so. Sie ist sehr tatkräftig und steckt voller Energie.

Glory ist eine Regenflüglerin und nur als Ersatz in der Höhle aufgenommen worden. Es schmerzt sie sehr, dass sie gar nicht in der Prophezeiung vorkommt und eigentlich völlig unnötig ist. Allerdings tut sie gerne so, als wäre ihr das alles egal. Sie ist in der Höhle immer missmutig, was am Sonnenmangel liegt. Später wird offensichtlich, dass sie intelligent, einfallsreich und tatkräftig ist. Sie kann die Farben ihrer Schuppen der Umgebung anpassen und sich so quasi unsichtbar machen.

Der Nachtflügler Starflight stammt aus dem Volk, das die Prophezeiung verfasst hat. Er hat alle Schriftrollen unzählige Male gelesen und nervt alle mit seinem Wissen, das er bei jeder Gelegenheit präsentiert. Seine Art kann angeblich in die Zukunft sehen und er leidet sehr darunter, dass er keinerlei Visionen hat. Bei Gefahr erstarrt er, statt tatkräftig einzugreifen.

Die sieben Königreiche von Pyrrhia

Neben den Königreichen, aus denen die Drachling stammen, gibt es noch das Reich der Himmelsflügler, das die fünf nach ihrer Flucht als Erstes kennenlernen, und das Reich der Eisflügler, das sie nicht besuchen. Sie gelangen nur an den Rand, wo es schon zu kalt für sie alle ist. Außerdem leben auf Pyrrhia noch vereinzelt Zweibeiner, die von den meisten Drachen gehasst werden, weil sie den Krieg ausgelöst haben.

Eine vielfältige Welt

Das mag etwas viel Einführung sein, aber es geht immerhin um fünf dicke Bücher.

Jedes Königreich hat seine Besonderheiten, die Lebensräume, Lebensstile und Werte unterscheiden sich sehr. Das ist fein herausgearbeitet, ohne durch langatmige Beschreibungen ermüdend zu werden. Wir sehen und erleben alles durch die Augen der Drachlinge, die anfangs nur das Leben in einer kalten, schmucklosen Höhle kennen und neugierig und interessiert alle neuen Eindrücke in sich aufsaugen. Je nach Art bewerten sie das Gesehene und Erlebte sehr unterschiedlich, sodass wir Leserinnen und Leser auch verschiedene Blickwinkel kennenlernen. Ich konnte mir die verschiedenen Orte sehr gut vorstellen. Das ist wirklich toll geschrieben!

Ebenso individuell werden die Drachen, ihre Eigenarten und Gewohnheiten dargestellt. Es werden nie alle einer Art über einen Kamm geschoren, sondern sie sind so vielfältig, wie es in jeder Gesellschaft normal ist. Das macht die Lektüre sehr lebendig und abwechslungsreich.

Spannende Abenteuer

Die Erlebnisse der Drachlinge bergen sehr viele Überraschungen – für sie selbst, aber auch für die Leserinnen und Leser. Die Welten und ihre Bewohner erfüllen nicht ihre Erwartungen, die Autoren der Schriftrollen haben vieles offensichtlich nicht gewusst. Durch ihre Erziehung mit den Drachlingen der anderen Völker passen die jungen Drachen auch nicht unbedingt zu ihren Völkern. Sie müssen viele Gefahren überwinden: Sie werden gefangengenommen, verfolgt, ihnen werden Hinterhalte gestellt und Intrigen gegen sie gesponnen. Das ist oft sehr, sehr spannend.

Auch wenn die fünf Drachlinge manchmal mürrisch, eigensinnig oder zickig sind, habe ich sie schnell ins Herz geschlossen – oder gerade deswegen, sie sind einfach glaubhafte Charaktere. Ich bin in die Welt Pyrrhias eingetaucht, habe mit den Drachlingen gehofft, gebangt, gezittert und gejubelt. Die Handlung ist sehr abwechslungsreich, ich habe mich keinen Moment gelangweilt und es gab häufig Wendungen, die ich überhaupt nicht vorhergesehen habe.

Die Reihe wird für Kinder ab 10 Jahren empfohlen. Das passt, allerdings werden auch manchmal Grausamkeiten geschildert. Für sehr zart besaitete Kinder sind die Bücher also vielleicht noch nichts.

Wichtige Botschaft

So sehr die fünf Drachlinge sich danach sehnen, ihre echten Familien zu finden, im Laufe der Zeit erkennen alle, dass die vier, mit denen sie aufgewachsen sind, ihre wahren Geschwister sind. Alle fünf machen im Laufe der Zeit eine große Wandlung vom unbeholfenen zum selbstsicheren Jugendlichen durch. Sie lernen ihre eigenen Fähigkeiten kennen und erfahren, wie sie in kritischen Situationen über sich hinauswachsen können.

Trotz aller Unterschiede hängen sie aneinander und lernen, wie wunderbar es ist, sich aufeinander verlassen zu können. Gerade in einer Welt, die im Krieg steckt, ist es so wichtig zu erkennen, wie unwesentlich das Aussehen ist, dass es auf den Charakter jedes Einzelnen ankommt, und wie toll es ist, dass sich die unterschiedlichen Fähigkeiten so gut ergänzen. So ist die Reihe nicht nur ein großartiges Fantasyabenteuer, sondern letztlich ein Plädoyer gegen Rassismus.

Ich hatte Band 1 und 2 als Rezensionsexemplar bekommen und musste dann sofort weiterlesen – ich habe die fünf dicken Bände innerhalb von zehn Tagen verschlungen. Dann habe ich festgestellt, dass es noch weitere Bände gibt, aber die Geschichte um die fünf Drachlinge und die Prophezeiung ist erst einmal abgeschlossen. Aber ja, ich will wissen, was da noch kommt!

Fazit: Eine spannende, gut geschriebene Fantasyreihe über fünf junge Drachen, die die Welt retten wollen. Tui T. Sutherland hat eine vielfältige, umfassende Welt mit interessanten Bewohnern erschaffen, deren Abenteuer mitreißen. Fantasyfans ab 10 Jahren werden begeistert sein.

WERBUNG (*)

Tui T. Sutherland: Wings of Fire, aus dem amerikanischen Englisch von Bea Reiter, Adrian Verlag, 2020. Zur Verlagsseite.

Band 1: Die Prophezeiung der Drachen, ISBN 978-3948638283, bei Amazon
Band 2: Das verlorene Erbe, ISBN 978-3948638290, bei Amazon
Band 3: Das bedrohte Königreich, ISBN 978-3948638306, bei Amazon
Band 4: Die Insel der Nachtflügler, ISBN 978-3948638313, bei Amazon
Band 5: Die letzte Königin, 978-3948638320, bei Amazon

Natürlich erhaltet ihr die Bücher auch in jedem anderen Onlineshop und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für die Rezensionsexemplare von Band 1 und 2, Band 3 bis 5 habe ich mir selbst gekauft.

(*) Nach dem Telemediengesetz sind Links auf Verlage, Shops und Affiliate-Links (hier: Amazon) als Werbung zu kennzeichnen, übrigens ganz unabhängig davon, ob das Buch ein Rezensionsexemplar ist oder selbst gekauft wurde. Ich bekomme kein Geld von den Verlagen, sie stellen mir lediglich ein Buch zur Verfügung. Das verpflichtet mich zu nichts, ich schreibe auch kritische Rezensionen oder verzichte ganz darauf ein Buch zu besprechen. Meine Meinung ist nach wie vor unabhängig. Die Links sind ein Service für euch Blogbesucher, auf den ich nicht verzichten möchte. Lediglich über den Amazon-Affiliate-Link verdiene ich etwas Geld.

 

 

 

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