Thomas Hartl, Mirjam Zels: Fauststarker Herzschlag

Das Leben ist nicht fair!

Luke ist 12 und sein Leben ist ein einziger Albtraum. Seit seine Mutter einen Gehirnschlag hatte und im Wachkoma liegt, läuft in seinem Leben nichts mehr richtig. Er hat das Gymnasium geschmissen, nun sitzt er in der neuen Schule und ist unterfordert. Mit seinen neuen Klassenkameraden kann er wenig anfangen, sie nennen ihn Psycho. Nur mit dem Außenseiter Ali freundet er sich schließlich an. Sein Vater, ein Schriftsteller, hat begonnen zu trinken, weshalb er sein Buch nicht zuende schreibt – und kein Geld verdient. Deswegen und weil ein Freund ihn bei der Hausfinanzierung übers Ohr gehauen hat, droht der Verlust des Hauses. Auch Lukes Schwester hat sich total verändert, sie interessiert sich nur noch für ihren neuen Freund.

Luke hasst die ganze Welt und ist wütend. Warum wehrt sich sein Vater nicht gegen Ungerechtigkeiten? Warum ist das Leben so gemein? Das Einzige, was Luke in dieser schwierigen Situation hilft, ist sein Boxsack. Wenn er trainiert bis zur Erschöpfung, vergisst er einen Moment alles um sich herum.

Doch dann entwickelt Luke einen genialen Racheplan. Ali soll bei der Umsetzung helfen. Die zwei fühlen sich wie Superhelden. Doch ob das klappt?

Ein genialer Racheplan

Lukes Wut und sein Frust sind absolut nachvollziehbar. Wer könnte es schon ertragen, wenn das ganze Leben nach und nach in Scherben zerbricht? Er vermisst seine Mutter, die wie eine lebende Leiche im Krankenhaus liegt. Statt Unterstützung von Vater und älterer Schwester zu bekommen, ist er auf sich allein gestellt, weil die beiden selber nicht mit der Situation klarkommen.

Die Geschichte wird aus Lukes Sicht geschildert, weshalb es leicht ist, sich in ihn hineinzuversetzen. Sein Leben besteht aus Schule, Besuchen bei seiner Mutter, Abhängen mit Ali und einer immer größer werdenden Wut. Das ist gut nachzuvollziehen. Auch dass Luke Rachepläne schmiedet, ist verständlich. Doch wie diese aussehen, ging in meinen Augen zu weit. Der Stinkeangriff auf die Metzgerei war in meinen Augen schon zu krass, die Bombe schließlich erst recht. Das sind keine harmlosen Streiche mehr, sondern das ist richtig kriminell und hätte auch Unbeteiligte verletzen können. Ich gebe zu, dass es befriedigt, wenn die fiesen Kerle in der Geschichte eins auf den Deckel bekommen. Aber was sollen die Leser:innen für sich aus der Geschichte ziehen? Hau drauf, dann geht es dir besser? Hmm. So nachvollziehbar das alles ist, das ist mir einfach zu krass. Dass er mit Glück nicht entdeckt wird und es ein Happy End gibt, ist zwar eine Erleichterung, befriedigt aber mein Gerechtigkeitsempfinden nicht wirklich.

Wenn nicht das Ende zu krass gewesen wäre, fände ich das Buch wirklich klasse. Sehr schön: die Illustrationen von Mirjam Zels. Die Schilderung des verstörten, zerrissenen Luke und seiner Freundschaft zu Ali ist hervorragend gelungen. Ja, es kann passieren, dass jemand, der dermaßen unter Druck ist, so reagiert, klar. Aber in einem Jugendbuch hätte er nicht dermaßen als Held stilisiert werden dürfen. Denn was ist die Botschaft? Hau drauf, lass deinen Frust raus, mach etwas kaputt, ja, lass eine Bombe hochgehen – und dann wird alles gut. Hätte die Rache nicht eine Nummer kleiner ausfallen können?

Fazit: Ein bewegendes Buch über einen Jungen, der sich in einer großen inneren Notlage befindet, mit einem aus meiner Sicht zu krassen Höhepunkt für Leser:innen ab 12 Jahren.

Thomas Hartl, Mirjam Zels: Fauststarker Herzschlag. Kunstanstifter 2021. 160 Seiten, 22 Euro, ISBN 978-3-942795-98-2.

 

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