Rezension: Anita Lehmann, Kasia Fryza: Sabber Schlabber Kussi Bussi

Kuscheln ist toll – aber nicht mit jedem!

Emma, fünf, findet es toll, mit Mama oder Papa zu kuscheln, zu knuddeln und sich küssen zu lassen. Anders ist es, wenn Besuch kommt.

Oma Lotti ist wie ’ne Fledermaus.
Sie umschließt mich mit faltigen Armen und sie riecht nach Motten.

Ob sie will oder nicht (sie will nicht), sie wird abgeknutscht.

Doch dann bekommen sie einen Hund, Titan. Er schlabbert Emma von oben bis unten ab. Das ist okay. Aber das Beste ist: Wenn jetzt Besuch kommt, schickt Emma Titan vor. Er will alle ablecken, deswegen nehmen alle Reißaus. Emma hat nichts dagegen.

Gegen Zwangsknutschen

Vielen Menschen denken, sie dürften Kinder einfach drücken, küssen und zwingen, sie zurückzuküssen. Häufig werden sie auch von Eltern aufgefordert, der Omi doch ein Küsschen zu geben. Aber Kinder haben ein Recht darauf, über ihren Körper zu bestimmen. Wenn sie gerne küssen und kuscheln, wie Emma es bei ihren Eltern empfindet, dann ist alles in Ordnung. Doch wenn ihnen das unangenehm ist, sollten sie das sagen dürfen. So kann man Missbrauch vorbeugen und die Kinder mit einem guten Gefühl für den eigenen Körper und ihre eigenen Grenzen aufwachsen lassen. Dass das zu heißen Diskussionen mit Verwandten und Bekannten führen kann, müssen die Eltern dann aushalten – zum Wohle ihres Kindes. Das heißt ja auch nicht, dass die Kinder die betreffende Person nicht mögen – nur bitte nicht ganz so nah.

Emma weiß genau, was ihr gefällt und was nicht, aber sie ist nicht in der Lage, sich gegen unangenehme Berührungen zu wehren. Erst der Hund hilft ihr, da es den Erwachsenen nun so geht wie ihr zuvor. Plötzlich halten sie von ganz alleine Abstand.

Der Text ist knapp und gut verständlich. Emma stellt sich alle Personen als Tiere vor, außerdem sind Düfte für sie sehr wichtig. Ihr Vater ist beispielsweise ein Grizzlybär für sie, der sie mit seinem Pelz warmhält und nach Honig duftet, während Onkel Walter ihr wie ein nach Muscheln riechender Walrossbulle vorkommt.

Die Zeichnungen sind sehr einfach gehalten, manche Dinge sind übergroß dargestellt, alle Erwachsenen als Tiere, manche Objekte mit wenigen Strichen hingeworfen. Teilweise sind nur die Umrisse gezeichnet, sodass man den Hintergrund durch die Objekte hindurchsehen kann. Manches ist farbig, manches schwarz-weiß. Das wirkte auf mich teilweise etwas chaotisch, einfach zu viel, um es zu erfassen.

Das Buch hat – wie alle Bilderbücher von Helvetiq – einen dicken Pappeinband, die Seiten sind aus festerem Papier.

Finger weg!

In erster Linie handelt es sich hier um eine lustige Geschichte, aber sie hat einen sehr ernsten Hintergrund. Vielleicht erzählen die Kinder nach dem Vorlesen von alleine, welche Erwachsenen ihnen unangenehm auf die Pelle rücken. Ansonsten können die Vorlesenden sie behutsam danach fragen. Natürlich ist es sehr lustig, wie Emma hier Hilfe von dem Hund erhält. Aber man könnte die Kinder fragen, ob sie nicht auch andere Lösungen sehen – schließlich kann sich jetzt nicht jeder einen großen, schlabbernden Hund anschaffen. Das ist eine gute Gelegenheit, sie darauf hinzuweisen, dass sie jederzeit das Recht haben, Nein zu sagen, wenn ihnen eine Berührung unangenehm ist. Auch, dass mit ihren Eltern sprechen können, wenn jemand sie unangenehm berührt, egal ob sie den Mut hatten, sich dagegen zu wehren oder nicht.

Ich finde es ein bisschen schade, dass die Möglichkeit, selber Nein zu sagen, nicht vorkommt. Dennoch denke ich, dass das Buch ein toller Gesprächeinstieg sein kann, zu Hause oder auch im Kindergarten. Sehr gut gefällt mir, dass das Buch auch beim einen oder anderen Vorlesenden einen Aha-Effekt haben könnte. Wie reagiert man denn, wenn das Kind etwa sagt: „Ih, das ist nass!“, „Nicht so fest drücken!“, „Dein Bart kratzt, ich mag das nicht!“?

Das Buch wurde in der Kategorie Bilderbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Fazit: Ein wichtiges Bilderbuch, in dem Kindern von 4 bis 6 Jahren auf humorvolle Art vermittelt wird, dass sie sich nicht alles gefallen lassen müssen und Grenzen setzen dürfen.

Anita Lehmann, Kasi Fryza: Sabber Schlabber Kussi Bussi, Helvetiq 2019. 26 Seiten, Euro 14,00, ISBN 978-2-940481-75-0.

Ich werde versuchen, alle Bücher zu besprechen, die für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert sind. Auf einer Übersichtsseite sammele ich Links zu allen Rezensionen.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Ein Kommentar zu “Rezension: Anita Lehmann, Kasia Fryza: Sabber Schlabber Kussi Bussi

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