Krystia Basil: Der Himmel ist grenzenlos

Sehnsucht

Arturo findet Landkarten toll.

Er sieht sich gerne die dicken Linien an, die zeigen, wo sich die Länder treffen. Man könnte meinen, dass sie sich umarmen.

Doch seine Mutter erklärt ihm, dass das ganz anders ist. Diese Linien sind Grenzen, die Menschen daran hindern, an Orte zu gehen, die sie gerne besuchen wollen, oder Menschen zu treffen, die auf der anderen Seite der Linie leben. So wie sein Vater und sein Bruder, die auf der anderen Seite leben und arbeiten. Arturo liebt seinen großen Bruder Antonio über alles und vermisst ihn sehr. Er will ihn nur mal kurz drücken und dann wieder nach Hause gehen, aber es geht nicht.

Arturo überlegt sich verschiedene Methoden, wie er eines Tages die Grenze überwinden könnte: drüberklettern, drunter durchkriechen, durchs Meer herumschwimmen, eine Brücke darüberbauen … Aber das geht alles nicht. Nur wenn er träumt, dann kann er Antonio treffen. Dann fliegen sie beide einfach durch die Luft. Denn der Himmel hat keine Grenzen.

Wozu sind Grenzen da?

Es ist schwer, einem Kind zu vermitteln, wozu Grenzen da sind. Gerade bei einem Kind wie Arturo, das doch nur gerne einmal den großen Bruder wiedersehen möchte.

Deutsche Kinder kennen Grenzen kaum noch. Auf den meisten Urlaubsfahrten sehen sie nur ein Häuschen, eine fremde Flagge und hören den Kommentar der Eltern, dass man nun in Dänemark, Frankreich oder Österreich sei. Richtige Kontrollen, wie in meiner Kindheit, gibt es meist nur nach Flugreisen, wenn man die Grenze nicht wirklich erfährt.

An Arturos Beispiel erfahren sie, was eine geschlossene Grenze wie die zwischen den USA und Mexiko für eine Familie bedeuten kann. Arturo hat keine Möglichkeit, seinen Vater und seinen Bruder zu sehen – für viele Kinder dürfte das schwer vorstellbar sein. Und wie Arturo es im Verlauf der Geschichte tut, überlegen vielleicht auch sie, wie man solch eine Grenze umgehen könnte.

Grenzen trennen Familien

Die Bilder zeigen die Grenze mal als Linie auf der Karte, mal als großen, hohen Zaun. Arturo wohnt direkt dahinter, wenn er vor dem kleinen roten Haus der Familie sitzt, sieht er den Zaun und die vielen Häuser dahinter.

In Rückblicken sehen wir Arturo, wie er mit Antonio spielt und glücklich ist. Außerdem wird gezeigt, welche Wege er sich überlegt, um die Grenze zu überwinden. Eine weitere Ebene sind seine Träume. Diese Vielschichtigkeit macht es, abgesehen vom nicht ganz einfachen Thema, für jüngere Kinder schwer, die Handlung zu begreifen. Da werden die Vorlesenden eventuell über den Text hinaus erklären müssen, dass beispielsweise die Spielszenen früher stattfanden und Arturo nur daran denkt.

Der Text umfasst nur wenige Sätze pro Doppelseite. Er ist nicht immer ganz einfach, auch durch die verschiedenen Zeitebenen, aber doch im Großen und Ganzen gut zu verstehen.

Wenn Kinder Bilder von Grenzen im Fernsehen sehen wie aktuell zwischen der Türkei und Griechenland und immer wieder auch zwischen den USA und Mexiko wie im Buch, verstehen sie vermutlich oft nicht, warum die Menschen nicht auf die andere Seite dürfen. Wozu diese Grenzen da sind und warum sie teilweise so streng bewacht werden, dafür müssen die Eltern eigene Worte finden. Oder fällt jemandem ein Bilderbuch dazu ein? Dann bitte ich um Hinweise in den Kommentaren! Was eine solche Grenze aber für Menschen bewirken kann, die davon betroffen sind, kann dieses Bilderbuch sehr gut vermitteln.

Fazit: Das Bilderbuch erzählt Kindern ab 5 Jahren gut verständlich, was es für ein Kind bedeutet, durch eine undurchlässige Grenze von einem geliebten Menschen getrennt zu sein.

Krystia Basil, Laura Borràs: Der Himmel ist grenzenlos. minedition 2019. 32 Seiten, Euro 15,00, ISBN 978-3-86566-404-4.

Andere Bilderbücher aus dem minedition-Verlag, die ich vorgestellt habe, sind beispielsweise Otto Schaf lernt schwimmen oder Der Weihnachtszug.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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